Mädchen hält Ohren zu (Symbolbild) | Bildquelle: Pixabay.com

Palm Springs:

#MeToo-Gründerin Tarana Burke: #MeToo-Kampagne wird als "Hexenjagd gegen Männer" entstellt

Stand: 09.12.18 23:33 Uhr

01.12.2018. Die Gründerin der Hashtag-Kampagne #MeToo hat den Medien vorgeworfen, die von ihr gegründete #MeToo-Kampagne als "Hexenjagd gegen Männer" darzustellen: Teile der Medien hätten die Kampagne entstellt und daraus "eine rachsüchtige Verschwörung gegen Männer" gemacht. Bei der Kampagne gehe es aber um etwas ganz Anderes: Es gehe um das "eine von vier Mädchen", und um "dem einen von sechs Jungen, die jedes Jahr sexuell missbraucht werden, und die diese Wunden ins Erwachsenenalter tragen", sagte Tarana Burke auf einer Veranstaltung von TedWoman in Palm Springs.

Burke hatte die #MeToo-Kampagne im Jahr 2006 gestartet: "Plötzlich wird über eine Kampagne, die den Überlebenden sexueller Gewalt eine Stütze gibt, als rachsüchtige Verschwörung gegen Männer geredet:".

Das entspreche aber nicht den Tatsachen: "Das ist eine Bewegung wegen dem einen von vier Mädchen, und wegen dem einen von sechs Jungen, die jedes Jahr sexuell missbraucht werden, und die diese Wunden ins Erwachsenenalter tragen", sagte Tarana Burke auf einer TedWoman-Veranstaltung in Palm Springs.

#MeToo habe zunächst dazu geführt, dass die Menschen für das Problem sexueller Gewalt sensibilisiert worden seien: Familien hätten darüber gesprochen; Firmen hätten die Situation an den Arbeitsplätzen daraufhin unter die Lupe genommen. Dann habe es aber ein mediales Gegenspiel, gegeben, das die #MeToo-Bewegung als "Hexenjagd gegen Männer" verstanden habe, oder als "gender-war" - als "Krieg zwischen den Geschlechtern".

Es gehe aber weder um eine "Hexenjagd" oder um einen "Gender-Krieg" gegen Männer; noch handele sich um Einzelfälle. Denn das Problem könne immer dort entstehen, wo Macht und Privilegien sexuelle Gewalt gegen andere Menschen leicht machen.

Es gehe deshalb darum, Machtpositionen als Ursache für sexuelle Gewalt zu verstehen: Überall dort, wo es solche  Machtverhältnisse gebe, könne es zu sexueller Gewalt kommen: Ob zwischen Lehrer und Student, Eltern und Kind, Trainer und Athleten oder Gesetzesvertreter und Bürger.

Gleichzeitig müsse man sich aber klar machen, dass Machtpositionen nicht grundsätzlich Schlechtes hervorbringen müssten: Es gehe deshalb für jeden darum, sich selbst und seine Kinder dazu zu erziehen, Machtpositionen nicht auszunutzen, sondern Machtpositionen und Privelegien dazu zu benutzen, aufzubauen und Gutes zu schaffen.

Opfer sexueller Gewalt leiden, sagte Burke, oft dauerhaft unter den Folgen. Zum Beispiel, wenn Nachts die Erinnerung an das Geschehene zurück komme, und man diesen Gedanken hilflos ausgeliefert sei. Burke rät Opfern sexueller Gewalt aber auch dazu, nicht immer wieder und wieder über die Details des Geschehenen zu sprechen: Dadurch werde der Schmerz nur immer wieder und wieder neu aufgerührt.

Sie frage sich auch manchmal, wie die #MeToo-Bewegung dahin gekommen sei, wo sie heute in den Augen vieler stehe: Es gehe nicht um eine "Hexenjagd" oder um eine "rachsüchtige Verschwörung" gegen Männer.

Bei der #MeToo-Kampagne gehe es nämlich etwas ganz Anderes: Es gehe um das "eine von vier Mädchen", und "um dem einen von sechs Jungen, die jedes Jahr sexuell missbraucht werden, und die diese Wunden ins Erwachsenenalter tragen", sagte Tarana Burke auf der TedWoman-Veranstaltung in Palm Springs.

Die Bewegung solle, so Burke, deswegen wieder zu ihren Ursprüngen zurückkehren: "Meine Vision für die #MeToo-Bewegung ist Teil einer gemeinsamen Vision für eine Welt frei von sexueller Gewalt", sagte sie: "Ich glaube, wir können diese Welt bauen."

Hier sehen Sie das Video des TED-Talks mit Tarana Burke, Gründerin der #MeeToo-Bewegung, in englischer Sprache.

 

Erstveröffentlichung:  01.12.2018-05:25 Uhr

Bearbeitungen: 01.12.2018-05:36 Uhr

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