Eichen im Markwasen | Bildquelle: RTF.1

Reutlingen:

„Stolze Wesen“ im Markwasen

Stand: 27.08.24 15:39 Uhr

Fast 380 Jahre sind die Eichen im Reutlinger Markwasen inzwischen alt. Vermutlich als Dank für den Westfälischen Frieden im Jahr 1648 gepflanzt, überdauerten sie die Jahre und konnten natürliche Alterungs- und Absterbeprozesse durchlaufen. Welche Rolle die Bäume heute einnehmen - unter anderem wenn es um die Artenvielfalt geht - darüber haben die Biologin Heike Jacob und Marcus Pietruschinski vom „baumpflege team bodensee“ jetzt gesprochen.


Schon zu Zeiten, in denen die Reutlinger im Markwasen auf dem damaligen Festplatz noch Feste feierten und auch bereits weit davor hat es die hier stehenden Eichen gegeben.

Und die fast 400 Jahre, die die Bäume mittlerweile auf dem Buckel haben, sind noch nicht einmal das Ende der Fahnenstange, wie Baumexperte Marcus Pietruschinski vom „baumpflege team bodensee" weiß:

"Also die Eiche hat als Besonderheit, dass sie sehr langlebig ist. Das heißt, durch ihr starkes Wurzelwachstum können sie sich sehr gut verzweigen und haben einen sicheren Stand. Die Eichen haben eine sehr hohe Holzdichte und weisen eine sehr hohe Festigkeit auf. Das heißt, die Eichen können hier im Markwasenwald über 1000 Jahre alt werden" erzählte er.

Und nicht nur das Alter, auch die Größe der Bäume setzt Maßstäbe. Die Stämme erreichen einen Umfang von zum Teil über sechs Metern.

Und auch die Eichen, die bereits absterben, erfüllen eine wichtige Aufgabe. Denn was zunächst nicht unbedingt positiv klingt, ist vor allem für die Artenvielfalt von großer Wichtigkeit, erklärt Pietruschinski. Denn durch die entstehenden Löcher in der Rinde eines absterbenden Baums können sich verschiedenste Tierarten ansiedlen.

Die Eichen in Reutlingen würden dahingehend gar einen Spitzenplatz der Biodiversität in ganz Baden-Württemberg einnehmen, ergänzt Biologin Heike Jacob.

"In den Jahren 2013 und 2014 hat ein Diplombiologe hier die Holzkäferfauna im Reutlinger Dammwildgehege untersucht. Und er hat dabei insgesamt 243 Holzkäferarten nachweisen können. Und allein 29 davon werden landesweit auf der roten Liste geführt – wie beispielsweise der Juchtenkäfer. Und deshalb nimmt dieser Altbaumbestand hier auch bezüglich der Biodiversität landesweit einen Spitzenplatz ein" so Jacob.

Pietruschinski spricht sogar von einer Zahl zwischen 5000 und 6000 Arten, die sich auf einer einzelnen Eiche ansiedlen können. Dass sich derart viele Käferarten im Markwasen ansiedeln konnten, hängt auch mit dem hohen Alter der Bäume zusammen.

"Durch diese zeitliche Kontinuität seit 380 Jahren haben sich viele ökologische Nischen im toten, absterbenden Bereichen sowie auch in großen Stammöffnungen finden können. Wir haben hier zahlreiche geschützte Käferarten, die auf der roten Liste stehen, haben hier aber auch beispielsweise Amphibien wie den Feuersalamander oder die Hohltaube" erzählte Pietruschinski.

Unter anderem aus diesem Grund ist das Gebiet bereits seit 1999 als flächenhaftes Naturdenkmal „Eichenhain und Linden" oder auch „Wildgehege im Markwasen" ausgewiesen.

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