Höhenrettung Kathrin Bindemann | Bildquelle: RTF.1

Reutlingen:

Wegen Aufzug-Sanierung: Feuerwehr holt 83-jährige Rollstuhlfahrerin aus dem 8. Stock

Stand: 19.08.24 13:13 Uhr

Stellen Sie sich vor, Sie wohnen im 8. Stock und der Aufzug ist außer Betrieb. Der einzige Weg nach unten ist also Treppenlaufen. Für die 83-jährige Kathrin Bindemann ist das aber nicht möglich. Die frühere Besitzerin des Metzinger Keramik-Ateliers sitzt, seitdem sie 13 Jahre alt ist, wegen Kinderlähmung im Rollstuhl. Damit sie ihre Wohnung trotzdem verlassen kann, kam am Samstag die Höhenrettungsgruppe der Feuerwehr Reutlingen und half ihr zurück auf den Boden.


Die Reutlinger Humboldtstraße: Hier oben im 8. Stock, direkt unterm Dach, wohnt Kathrin Bindemann. Um sie aus ihrer Wohnung zu holen, rückte am Samstagmorgen die Höhenrettungsgruppe der Reutlinger Feuerwehr aus. Die Rollstuhlfahrerin ist in ihrer Wohnung gefangen, weil die Aufzüge im Gebäude sechs Wochen lang saniert werden. Sie über das Treppenhaus herunter zu tragen, ist aus gesundheitlichen Gründen auch nicht möglich.

Deswegen kommt jetzt die Feuerwehr mit besonderer Ausrüstung zur Hilfe: "Wenn wir Personen auf Erdgleiche herunterbringen müssen, benutzen wir eigentlich immer den Kran und die Krankanzel. Das ist einfach am schonendsten", erklärt Michael Schumacher, der Leiter der Höhenrettung.

Nachdem der Kran die Rettungskanzel aufs Dach gezogen hat, ging es für die Feuerwehr weiter zur Wohnung der 83-Jährigen. Von dort aus haben die Feuerwehrmänner Kathrin Bindemann die letzten Stufen bis zum Dach hinaufgetragen. Danach galt es noch, die Seniorin durch eine enge Dachluke zu befördern.

Auf dem Dach angekommen, wurde sie von der Feuerwehr direkt in die Rettungskanzel gebracht und ausreichend gesichert, damit sie auch heil unten ankommt. Kurz darauf ging es schon los und die Kanzel setzte sich in Bewegung - bis zu 40 Meter hoch schwebte sie in der Luft. Höhenangst hat die Seniorin keine, stattdessen zeigte sie sich gut gelaunt und unterhielt sich vergnügt mit den Feuerwehrmännern.

Schon nach wenigen Minuten war der Boden nicht mehr weit entfernt, und dann war es schließlich soweit: die Kanzel ist sicher unten angekommen. Heraus kam eine freudestrahlende Kathrin Bindemann, die jetzt endlich wieder festen Boden unter den Füßen hat.

"Ich war ganz überrascht, dass es so schnell gegangen ist. Plötzlich waren wir schon unten. Es war ein ganz ruhiges Gleiten, es gab gar keine Bewegung. Es war wirklich sehr angenehm und ich wurde auch gut betreut", berichtet Bindemann.

Bereits seit drei Wochen saß die 83-Jährige in ihrer Wohnung fest. Länger hätte sie es nicht mehr ausgehalten: "Es war wirklich schlimm. Meine Ängste sind von Tag zu Tag stärker geworden. Was passiert, wenn es jetzt brennt oder ich einen Herzinfarkt bekomme? Ich kann nichts tun und eine Rettung wäre ein großer Zeitaufwand."

Organisiert hat die ganze Aktion Gabriele Janz. Die Grünen-Stadträtin ist eine langjährige Bekannte von Kathrin Bindemann. "Ich bin mit der GWG und der Feuerwehr ins Gespräch gegangen, um abzuklären, ob sie uns helfen können bzw. ob so eine Aktion überhaupt möglich ist. Zum Glück hat am Ende alles geklappt, weil sich die Feuerwehr sehr engagierte und die GWG sich darauf eingelassen hat", so Janz.

Am Ende zeigte sich nicht nur Kathrin Bindemann, sondern auch die Feuerwehr mit dem Einsatz zufrieden: "Der Einsatz ist sehr gut gelaufen: Er verlief zügig, sicher und ruhig. Das ist für uns das Wichtigste", resümiert Höhenretter Benedikt Brecht.

Jetzt geht die 83-Jährige in den Urlaub nach Frankreich, ins Hotel von Freunden. Dort wird sie die restliche Zeit, in der der Aufzug gesperrt ist, verbringen.

Am Ende drückte Kathrin Bindemann ihren Dank gegenüber der Feuerwehr aus. Auch ihr Partner sowie Nachbarn und Freunde hätten sie immer unterstützt – und dafür werde sie für immer dankbar sein.

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