Ralf Brenner von der Kriminalprävention des Polizeipräsidiums Reutlingen betont, dass keiner vor einer solchen Tat gefeit sei. Die Täter seien äußerst geschickt in ihrer Ausdrucksweise und verstünden es, ihre Opfer zu manipulieren. Oftmals setzen sie ihre Opfer auch unter Druck und wechseln die Taktik, wenn man ihnen nicht glaube. So betonen die Täter beispielsweise, dass sich die Opfer strafbar machen würden, wenn sie den Polizeieinsatz gefährdeten und sie mit einer Anzeige rechnen müssten.
Allein im Bereich des Polizeipräsidiums Reutlingen konnten im Jahr 2019 1.250.000 Euro ergaunert werden. Das die Masche erfolgreich ist, zeigt auch die Statistik. Im Jahr 2016 wurden im Polizeipräsidium Reutlingen fünf Fälle bekannt. Davon waren vier Versuche und ein vollendeter Betrug. Im Jahr 2017 wurden 74 Fälle angezeigt. 2018 waren es dann schon 1081 Fälle und 2019 stolze 2573 gemeldete betrügerische Versuche in diesem Bereich. Die Dunkelziffer ist sicherlich noch viel höher, betont Brenner weiter. Viele Senioren würden sich schämen, wenn sie merken, dass sie betrogen wurden und bringen das Verbrechen dann nicht zur Anzeige.
Die Täter selbst agieren Europaweit. Die Drahtzieher befinden sich meist nicht in dem Land, indem sie das Verbrechen begehen. Die sogenannten „Keiler", die die Anrufe tätigen, säßen in der Türkei, erklärt Brenner. Von dort aus agieren sie. Wenn sie erfolgreich sind, schicken sie Läufer aus Deutschland, die dann am Tatort auftauchen. Die Täter zu schnappen sei recht schwierig, da sie in richtigen Netzwerken, teilweise in Callcentern, in der Türkei säßen. Dieses Jahr konnten im Bereich des Polizeipräsidiums Reutlingen zwei Läufer festgenommen werden. Allerdings betont Brenner, auch die Polizei sei gut vernetzt und arbeitet mit anderen Dienststellen zusammen. Hier hätte man bundesweit durchaus Erfolge.
Die Polizei setzt vor allem auch auf Prävention. Je weniger Erfolge die Täter erzielen, desto eher werden die falschen Polizisten von der Bildfläche verschwinden. Wer den Verdacht habe, dass ein falscher Polizeibeamter oder falscher Enkel am Telefon ist, solle sich auf gar keinen Fall auf ein Gespräch einlassen. Am besten sei es, die Nummer auf dem Display aufzuschreiben und dann aktiv aufzulegen, erklärt Brenner. Dann solle man die Rufnummer der nächsten Polizeidienststelle heraussuchen oder die Notrufnummer 110 wählen und den Sachverhalt schildern.
Ralf Brenner rät außerdem, niemals irgendwelche Kontodaten, Vermögensverhältnisse oder PIN-Nummern am Telefon herauszugeben. Wenn ein Beamter in ziviler Kleidung vorbeikomme, solle man sich außerdem immer den Dienstausweis zeigen lassen oder ggf. bei der nächsten Polizeidienststelle Informationen über den Beamten einholen.
Der Experte ist sicher: bereits jetzt trage die Präventionsarbeit der Polizei Früchte. Je mehr die Maschen der Telefonbetrüger in den Köpfen der Menschen ankomme, umso schneller könne man sie auch ausrotten.
Ein absolut sicheres Indiz dafür, dass gerade ein Telefonbetrüger in der Leitung ist, sei es, wenn mit der Notrufnummer 110 angerufen wurde. Denn die funktioniere nur für eingehende Anrufe. Die Polizei selbst kann und wird nie mit dieser Nummer anrufen.
Mehr Informationen finden Sie auch unter: www.polizei-beratung.de
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