Der Reutlinger Marktplatz am Freitagnachmittag. Trotz Kälte haben etliche Menschen – rund 250 laut Veranstalter – den Weg hierher gefunden, um gegen die geplanten Kürzungen in der Eingliederungshilfe zu demonstrieren.
Zu ihnen gehören auch Sinan Dürr und Katja Trumpolf. Beide hatten in ihrem Alltag schon mit Herausforderungen zu kämpfen, die mit den Geldern für die Eingliederungshilfe zusammenhängen, erzählen sie. Wie es beiden mit mit der Situation geht und warum sie auf den Marktplatz gekommen sind, haben sie uns vor Beginn der Protestaktion erzählt.
"Sehr katastrophal. Das geht gar nicht, ehrlich gesagt. Das geht einfach gar nicht. Man versucht immer zu sparen, aber man spart immer an Sachen, wo es eigentlich total fehl am Platz ist. Man haut so viel Geld raus für andere Sachen. Ich bin schon entsetzt" sagt Dürr. Und Trumpolf ergänzt kurz und knapp: "Die Kürzungen finde ich gemein".
Den Fokus auf Menschen wie Katja und Sinan legen sei eines der Hauptziele der Veranstaltung, sagt Johannes Issaffe von GP.rt. GP.rt, das steht für „Gemeinschaftspsychiatrische Hilfen Reutlingen".
"Wir sind einer der Leistungserbringer in Reutlingen für Menschen mit psychischer Erkrankung und wir sind heute hier auf der Straße, weil wir es ungeheuerlich finden, dass eine aktuelle Spardebatte auf dem Rücken der Beschäftigten und auf dem Rücken der Menschen mit psychischer Erkrankung ausgetragen wird" so Issaffe.
Dass die Kommunen teil mit großen Haushaltsdefiziten zu kämpfen haben sehe man und man habe Verständnis dafür. Auch der Bund sei deshalb in der Pflicht.
"Wir richten unsere Forderungen auch gegen den Bund – dass die sozialen Verpflichtungen, die der Bund hat und die der Sozialstaat Deutschland hat, gut vor Ort finanziert werden" so Issaffe weiter.
Die Protestaktion an sich war Teil einer Veranstaltungsreihe, die das Reutlinger Bündnis für Menschenrechte monatlich und mit wechselnden Themen ausrichtet.
"Wir machen jeden Monat einmal eine Veranstaltung zu jedem Menschenrecht. Mal das Recht auf Asyl, mal das Recht auf Bildung. Und jetzt haben wir uns zusammengetan zum Recht auf Teilhabe. Auch aus aktuellem Anlass, weil dort gerade Veränderungen oder Kürzungen anstehen. Da wollen wir uns artikulieren. Deswegen gibt es eine ganz breite Beteiligung ganz unterschiedlicher Menschen" sagt Rosemarie Henes vom Bündnis für Menschenrechte.
Nach der ersten Kundgebung auf dem Marktplatz ging es für die Beteiligten auf einen Demozug, der später wieder auf dem Marktplatz enden sollte – angeführt von Katja Trumpolf im Lautsprecherfahrzeug der Gewerkschaft.
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