Es war wie ein Paukenschlag mitten im Sommerloch: Die Firma Porsche beschloss das weitgehende Aus seines Tochterunternehmens Cellforce. Besonders betroffen: Der gerade erst neu gebaute Produktionsstandort in Kirchentellinsfurt. Rund 200 der 286 Mitarbeiter sollten entlassen werden. Cellforce soll sich in Zukunft allein auf Forschung und Entwicklung konzentrieren.
Als Begründung hieß es, der Markt für elektrische Fahrzeuge habe sich weltweit nicht so entwickelt wie ursprünglich angenommen. Politiker reagierten alarmiert – vor allem, weil Porsche für die Cellforce Group öffentliche Fördermittel in Millionenhöhe kassiert hatte.
Der August war ein in weiten Teilen verregneter Monat, aber das hielt die Politiker nicht davon ab, auf Sommertour zu gehen und Baden-Württemberg zu bereisen. Auch in der Region Neckar-Alb schauten hochrangige Landespolitikerinnen und -politiker vorbei.
So war Bauministerin Nicole Razavi beispielsweise in Pfullingen unterwegs. Zu den Bauprojekten, die sie besichtigte, gehörte das Kulturhaus Klosterkirche. Ein neuer Veranstaltungssaal ist hier direkt an ein mittelalterliches Gebäude angebaut. Razavi zeigte sich begeistert.
"Mir gefällt, wie eine Klosterkirche aus dem 12. oder 13 Jahrhundert, die fester Bestandteil dieser Region und dieser Stadt ist und eine gute Idee dazu führen, dass man nicht nur eine Ruine stehen lässt, die dann zur Erinnerung für die Menschen wird, sondern eine Begegnungsstätte anfügt, die sich baulich alt und neu, historisch und modern wunderbar auch architektonisch einfügt."
Auch das Holcim-Zementwerk in Dotternhausen bekam hohen Besuch. Die Baden-Württembergische Umweltministerin Thekla Walker war gekommen. Hier ist das Fossilienmuseum Werkforum untergebracht, doch das Interesse der Ministerin galt ganz der CO2-Abscheideanlage. Die ist eigentlich nichts anderes ist als eine große und teure Waschmaschine. Sie wäscht das CO2 aus dem Abgasstrom heraus. Das tut sie mit Hilfe einer Waschlösung und viel komplizierter Technik.
"Dass man hier auch was erforscht", meint Walker, "also, das finde ich erst mal ein tolles Engagement, und wir müssen jetzt politisch auch dafür sorgen, dass diese, ja Investitionen, dass die eben auch am Ende dann in eine Infrastruktur münden, in Regeln münden, die das ganze auch ermöglichen. Weil am Ende, wir werden ja nur klimaneutral, wenn alle dabei sind."
Sozialminister Manne Lucha schaute in Eningen vorbei – und zwar bei der Eifi. Eifi, das steht für Eiferthöhe, und dort organisiert der Ortsjugendring jedes Jahr ein sechswöchiges Kinderprogramm – und das alles vollkommen ehrenamtlich. Minister Lucha schaute sich an, was die Kinder in der Eifi alles machen können. Und zeigte sich vom Angebot begeistert.
"Ein sehr guter, ein unheimlich engagierter örtlicher Jugendring, der seit 45 Jahren über Generationen hinweg hier diesen gemeinsamen Raum als Freizeit, als Ferienfreizeit gestaltet, benutzt, möglich macht, die Kinder anleitet, aber auch frei Möglichkeiten, verlässlich, also, es ist gut durchstrukturiert, ich bin sehr beeindruckt über dieses großes Engagement, das auch erfolgreich ist."
Nicht nur Minister, auch die Spitzenkandidaten für die Landtagswahl gingen auf Sommertour und schauten dabei in der Region vorbei. So zum Beispiel in der Trigema-Arena in Burladingen. Hier erhielt der TSV Besuch von CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel. Natürlich wurde nicht nur über Sport, sondern auch über Politik geredet. Beim TSV Burladingen wünschte man sich vom vielleicht zukünftigen Ministerpräsidenten mehr Unterstützung für Sportvereine und Ehrenamt.
"Dass man Dinge einfach mal probiert und auch macht, das war ganz entscheidend", meint Hagel. "Zum Zweiten, wenn es um Ehrenamt geht, dass wir schauen, dass alles, was nicht unbedingt sein muss an Standards und an Regeln, dass wir das absenken und vor allen Dingen unsere Ehrenamtlichen auch zunehmend von Haftungsregelungen freistellen. Damit diejenigen, die als Vereinsvorstände oder als Kassierer Verantwortung übernehmen für so viele in unserer Heimat, nicht schon mit einem Fuß im Gefängnis stehen."
Der SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch besuchte Tübingen. Dort ging es um soziale Wohnbauprojekte. Genauer gesagt: um genossenschaftlichen Wohnbau. Ein Modell, bei dem die Mitglieder nicht nur Mieter, sondern auch Miteigentümer der Genossenschaft sind, wie Stoch betont.
"Was hier in Tübingen in den letzten Jahren schon entstanden ist, aber auch an neuen Projekten ansteht, macht mir Mut. Hier wird darauf geachtet, dass auch Menschen mit einem kleineren Geldbeutel die Möglichkeit haben, guten Wohnraum zu finden. Deswegen sind es für mich immer ermutigende Besuche. Tübingen geht wirklich als Pionier voran, was sehr gut ist für das Land."
Die Sommertouren der Politiker boten im August landauf, landab die Möglichkeit, das ins Rampenlicht zu rücken, was in den anderen Monaten in der tagesaktuellen Berichterstattung oft untergeht.
Der August war noch nicht beendet, da wurde schon der Reutlinger Herbst eingeläutet. „Unsere ganz spezielle fünfte Jahreszeit", wie Oberbürgermeister Thomas Keck die lang gehegte Tradition liebevoll nennt. Doch Veranstaltungen wie das Reutlinger Weindorf stellen Veranstalter wie Kommunen heutzutage mehr denn je vor große Herausforderungen. Stichwort: Sicherheit.
"Wir haben viel getan für die Sicherheit", betont Keck. "Wir haben nochmal – jetzt nicht nur fürs Weindorf sondern allgemein – noch einmal diese Durchfahrtsperren besorgt, diese schweren Teile, das sind enorme Kosten die da entstehen, aber das muss man heute machen. Das geht nicht anders. Sodass wir auch für die Sicherheit wirklich gerade stehen können und guten Gewissens das machen können."
Am Ende war es wettertechnisch ein eher durchwachsener Reutlinger Herbst. Viel Regen und dazu kühle Temperaturen, vor allem in der zweiten Woche, haben den Organisatoren einen Strich durch die Rechnung gemacht. Trotz allem war die Bilanz insgesamt ordentlich. Vor allem an den höher frequentierten Wochenenden war man vom Regen verschont geblieben.
![]() | Leichter Schneefall 0 / 3° C Luftfeuchte: 95% |
![]() | Leichter Regen 2 / 2° C Luftfeuchte: 93% |
![]() | Leichter Schneefall 0 / 1° C Luftfeuchte: 84% |