Der Mai begann wie immer mit den Kundgebungen zum Tag der Arbeit. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hatte dieses Jahr das Motto „Mach dich stark mit uns!" ausgegeben. Auch in Reutlingen waren die Gewerkschaften dem Aufruf des DGB gefolgt. Bei der Kundgebung auf dem Marktplatz herrschte bei hochsommerlichem Wetter Familienfeststimmung. Natürlich wurde auch über Politik geredet. Und da vor allem über die Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD. Diese waren auch bei Hauptrednerin Claudia Hülsken Thema: "Da stehen ganz gute Elemente drin, aber Papier ist geduldig. Das heißt: wir fordern als IG Metall auch, dass jetzt viele Sachen in die Umsetzung kommen. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Was uns wirklich ärgert und stört, ist der Angriff auf den Acht-Stunden-Tag und die Aufweichung der Höchstarbeitsgrenze. Dazu sagen wir entschieden Nein und da mobilisieren wir auch Widerstand." Für Hülsken aber auch wichtig sind die regionalen Arbeitsplätze in der Industrie. Denn diese seien zur Zeit alles andere als sicher.
In der Pizzeria Luca hat die Stadt Tübingen am 8. Mai eine ganz besondere Innovation vorgestellt: Blaue Pizza-Mehrweg-Boxen. Fünfzig von ihnen hat die Pizzeria für den Start des Mehrweg-Projekts angefordert – und auch andere Tübinger Pizzerien sind schon auf den Zug aufgesprungen. Damit wollen sie der Verpackungssteuer entgehen, die auch auf Einweg-Pizzakartons erhoben wird. Die Verpackungssteuer funktioniere laut Oberbürgermeister Boris Palmer im Großen und Ganzen sehr gut, "aber wir hatten noch das Pizza-Problem. Pizzakartons sind sehr groß und deswegen ein Problem für die Mülleimer in der Stadt und es gab keine geeignete Mehrwegverpackung. Jetzt haben wir das Problem gelöst. Es gibt endlich einen gut geeigneten Pizzakarton. Die Pizza passt wunderbar hinein, er ist schön blau, kostet 5 Euro Pfand und damit spart man sich die lästige Verpackungssteuer." Zu Beginn machten fünf Pizzerien mit. Innerhalb von fünf Monaten verdoppelte sich die Zahl. Ein weiterer Sieg im Kampf um Umwelt und Stadtbild.
Östlich von Magolsheim entstand 2025 ein neuer Windpark mit einer Leistung von 36 Megawatt. Seit Herbst versorgt er 46.000 Menschen mit Strom. Am 8. Mai war er noch eine Baustelle, als Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei seinem Kreisbesuch im Landkreis Reutlingen auch in Magolsheim vorbeischaute. In einem Zelt auf der Baustelle erfuhr er mehr über diesen Windpark, aber auch über andere Windkraftanlagen, die derzeit im Landkreis in der Pipeline sind. "Jetzt wird richtig ein Zahn zugelegt, das mit einer guten Bürgerbeteiligung, in jeder Hinsicht, sodass es auch ein Termin war ohne Protest. Das ist ja nicht so häufig,das kann man hiervon lernen, mal abgesehen von der großen Geschwindigkeit, mit der das hier genehmigt wurde." Nicht mal vier Monate hat der Genehmigungsprozess gedauert. Früher waren es im Schnitt sieben Jahre.
Die Journalistin und Buchautorin Natalie Amiri hielt am 12. Mai die Weltethos-Rede, die vor ihr schon Tony Blair, Kofi Annan oder Frank-Walter Steinmeier gehalten hatten. „Gefährdete Werte: Menschenrechte in einer destabilisierten Welt" – so der Titel ihres Vortrags. Darin ging es um Werte, die Menschen unterschiedlicher Religionen miteinander verbinden. Menschlichkeit habe sie vor allem an Orten wie Rojava erfahren, wo die Bewohner teilweise ohne Strom und ohne Wasserversorgung auskommen müssen. "Die Menschen dort haben fast nichts, aber sie haben einander. Sie haben ein Gefühl von Würde, das sich nicht auf Konsum gründet. Sie sehen einander, sie helfen einander. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum ihr Lächeln so viel öfter zu sehen ist und tiefer geht." Werte und Prioritäten, die es auch in europäischen Ländern wie Deutschland wieder brauche, so Amiri.
Oberbürgermeister Thomas Keck und Finanzbürgermeister Roland Wintzen, wie man sie selten sieht. Hier bereiten sie die Vorspeise ihres Barbecue-Menüs vor. Zu einem nicht alltäglichen Wettstreit hatten der Verein Köpfe für Reutlingen und die Reutlinger Biosphären-Manufaktur am siebenundzwanzigsten Mai eingeladen. Auf dem Reutlinger Marktplatz waren fünf Teams zu einem BBQ-Battle angetreten. "Damit wir in der Reutlinger Innenstadt Spaß haben, eine Belebung haben, Publikum anziehen, richtig gute Laune zusammen haben, und daraus entwickelt sich Zusammenhalt", so Reiner App von der Reutlinger Biosphären-Manufaktur. Natürlich stand beim Grillwettbewerb der Spaß im Vordergrund. Einen klaren Sieger gab es aber auch: Die beiden Bürgermeister Thomas Keck und Roland Wintzen konnten die Jury in allen drei Gängen überzeugen.
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