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Tübingen/Stuttgart/Berlin:

Sexkaufverbot jetzt auch in Deutschland?

Die coronabedingten Schließungen von Bordellen in Deutschland gaben einmal mehr Anlass dazu, genau auf die vorherrschende Verhältnisse in Sachen Prostitution zu schauen. Staatsministerin Annette Widmann-Mauz informierte gemeinsam mit der Stuttgarter Sozialarbeiterin Sabine Constabel in einer Videoveranstaltung über das Ansinnen eines Sexkaufverbots in Deutschland.

In der Videokonferenz der Frauenunion und des Arbeitskreises Christ und Politik, beides Vereinigungen aus dem Kreis Tübingen, wollten die Beteiligten ihren Blick auf das Thema Prostitution in Deutschlan mit der Tübinger Öffentlichkeit teilen. Denn für sie ist die momentane Situation - in der Deutschland als Eldorado für Prostitution gehandelt wird – ein unerträgliches Szenario geworden.

Vor 2002 galt die Prostitution in Deutschland als sittenwidrig und zog immerhin Verbote nach sich. Der große Wandel kam 2002 als die Prostitution zu einem normalen Gewerbe gemacht und damit legal wurde.

„Seit dieser Zeit haben sich die Personen, die sich prostituieren, komplett verändert. Während es früher ja überwiegend deutsche Frauen waren oder zumindest Frauen, die in Deutschland zu Hause waren und sich auskannten, ist es jetzt so, dass weit überwiegend ausländische Frauen in der Prostitution sind und da eben Bulgarien, Rumänien und Ungarn eben ganz vorne ist", erklärt Diplom-Sozialarbeiterin Sabine Constabel aus Stuttgart.

Und diese Frauen kennen weder ihre Rechte, noch die Sprache, noch Möglichkeiten, um sich Hilfe zu suchen. In ihren Herkunftsländern arbeiten die Zuhälter mit der Polizei zusammen, so dass sie nicht wissen, dass die Polizei in Deutschland ihnen helfen könnte. Die Prostitution jetzt illegal zu machen und ein deutschlandweites Sexkaufverbot zu erreichen, könnte diesen Frauen helfen.

„Wenn wir schon mal die Prostitution um erhebliche Prozentsätze reduzieren können, und das zeigen die Länder, in denen das sogenannte nordische Modell angewandt wird, dann können wir auch unsere Kapazitäten, was die polizeiliche Ermittlung und was die Hilfen anbelangt viel stärker auf das, was dann noch stattfindet, konzentrieren. Wenn der Freier die Prostituierte findet, dann findet sie auch die Polizei", erklärt Staatsministerin Annette Widmann-Mauz.

Das Argument, dass die Prostitution dann einfach nur in den illegalen Bereich abrutschen würde, lässt Sozialarbeiterin Sabine Constabel nicht gelten.

„Natürlich gibt es Kinderpornografie, illegalen Waffenhandel, Drogen - und bei all diesen Geschichten kämen wir niemals auf die Idee, weil es denn im Dunkelfeld stattfindet, es zu legalisieren. Wir können doch mit Pädophilen viel besser umgehen, wenn wir den Kindesmissbrauch irgendwie legalisieren, dann muss es nicht mehr im Dunkelfeld stattfinden - auf so eine Idee kämen wir nicht. Und mit der Prostitution ist es das Gleiche", erklärt die Sozialarbeiterin.

Auch die Frage nach den Frauen, die diese Arbeit freiwillig leisten würden, kam auf. Die Staatsministerin betonte, dass es nur einen minimalen Prozentsatz solcher Frauen gebe, die meisten prostituierten sich aus einer Not heraus. Die wenigen Frauen, denen es tatsächlich Spaß mache, würden nicht die hunderttausendfachen Menschenrechtsverletzungen an anderen Frauen rechtfertigen, so Widmann-Mauz

Das nordische Modell, an dem sich – laut der Staatsministerin - Deutschland orientieren solle, fokussiert den Sexkäufer. Sein Handeln wäre dann illegal. Gleichzeitig soll den Frauen beim Ausstieg geholfen werden. Aber auch der Sexkäufer soll Hilfe bekommen, denn sich einen anderen Menschen für sexuelle Handlungen zu kaufen, sei nicht normal.

„Wir müssen einen ganz neuen Weg gehen. Wir müssen dahin schauen, wo dieses Übel entsteht. Und dieses Übel entsteht dadurch, dass Männer glauben, sie könnten sich mit wenig Geld eine Frau zur sexuellen Benutzung kaufen. [...] Es ist völlig irrelevant, ob die Frau dabei weint, ob sie jammert, ob sie Schmerzen hat, es ist dem Freier völlig egal. Er sagt, ich habe bezahlt, es ist eine Dienstleistung und das hole ich mir jetzt ab. Und das ist eine große Schande für unser Land, dass das erlaubt ist", so Sabine Constabel.

Auch Gastgeberin Christine Jerabek betont, dass sich eine Gesellschaft durch die Legalisierung von Prostitution verändern würde.

„Weil, das färbt auch auf die Betrachtungsweise von anderen Frauen ab. Ein Mann, der ein Bordell betritt, betritt das ja schon mit einer latenten Frauenverachtung und kommt mit einer noch größeren raus", so Jerabek.

Im Moment gebe es im Bundestag viele Debatten und Diskussionen zu diesem Thema, berichtet Widmann-Mauz. Genau jetzt wäre es an der Zeit für einen Perspektivenwechsel, so die Staatsministerin.

(Zuletzt geändert: Donnerstag, 16.07.20 - 15:28 Uhr   -   1664 mal angesehen)
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