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24. Tübinger Suchttherapietage 2019

Vom 3. bis zum 5. April treffen sich im Zuge der 24. Tübinger Suchttherapietage wieder Psychologen, Sozialarbeiter, Sozialpädagogen und natürlich Ärztinnen und Ärzte aus ganz Deutschland in der Schwäbischen Universitätsstadt, um sich über neueste Forschungen, Trends und Therapiemöglichkeiten auszutauschen. Wir haben mit einigen Teilnehmern gesprochen und uns ein Bild über die Themenbandbreite gemacht.

Die 24. Tübinger Suchttherapietage stehen unter dem Motto "Multiprofessionelles Handeln in der Suchttherapie" – dementsprechend weit gefächert sind auch die Themen.

Christian Heise, Mitorganisator der Suchttherapietage. Er erklärte, dass es Kurse zu Computer- und Internetabhängigkeit sowie zu Tabak, Alkohol und Drogen gebe. Besonders Chem-Sex sei ein Thema, welches viel Aufmerksamkeit erzeuge.

Das Thema Chem-Sex, also Chemical-Sex, ist für viele der Kollegen ein neues Phänomen. Es beschreibt den Trend, gefäßerweiterende und damit sexuell stimulierende Drogen wie beispielsweise Chrystal Meth vor dem Geschlechtsverkehr zu konsumieren. Da dass sexuelle Empfinden durch die Droge so stark gesteigert wird, fällt es den Betroffenen anschließend schwer Sex ohne Drogen noch stimulierend zu finden.

Marcus Gertzen von der psychiatrischen Klinik der Universität München fügte hinzu, dass psychische Erkrankungen und Suchterkrankungen im Zusammenhang zueinander stünden. Vorrangig seien gebildete Leute davon betroffen. Suchterkrankungen würden oft geheim gehalten, weshalb die Suchttherapietage ein Bewusstsein für die Problematik schaffen solle.

Professorin Ursula Havemann-Reinecke erklärte, dass Opioide nicht für alle Befindlichkeitsstörungen und ungeklärte Schmerzen verwendet werden sollten. Denn nur allzu leicht würden viele der Patientinnen und Patienten im Anschluss in eine Heroin-Sucht rutschen.

Die wohl häufigste Sucht überhaupt ist aber nach wie vor der Tabakkonsum. Sich selbst davon zu befreien, gelinge 95% der Betroffenen nicht oder erst nach etlichen Versuchen und vielen Jahren. Eine professionelle Entwöhnung mit verhaltenstherapeutischen Ansätzen würde rund 50% der Raucher innerhalb von 12 Monaten von ihrem Laster befreien.

Stephan Mühlig ist zuständig für Klinische Psychologie und Physiologie an der TU Chemnitz. Seiner Meinung nach sei das größte Problem, dass eine professionelle Tabakentwöhnungsbehandlung bei der Krankenkasse nicht als Heilbehandlung abgerechnet werden könne. Dadurch würde die Tabakentwöhnung zusammen mit Potenz- und Haarwuchsmitteln als Lifestyle klassifiziert. Mühlig findet es falsch, dass eine Tabakabhängigkeit anders behandelt wird als andere Suchterkrankungen, wie beispielsweise eine Alkohol- oder Medikamentensucht.

Tabaksteuereinnahmen von 11-14 Milliarden pro Jahr könnten ein Grund sein, warum das nicht geändert wird, so Mühlig. Allerdings könnte Folgekosten durch Erkrankungen durchs Rauchen eingespart werden.

Bei so vielen Themen haben die Anwesenden auf jeden Fall viel Spielraum, um sich zu informieren, auszutauschen und weiterzubilden.

(Zuletzt geändert: Donnerstag, 04.04.19 - 17:42 Uhr   -   646 mal angesehen)
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