Vom Taifun 2013 verwüstetes Dorf bei Ormoc auf den Philippinen | Bildquelle: CARE/Peter Caton

Philippinen:

Nothilfe-Einsatz nach schwerem Taifun

Stand: 08.12.14 09:41 Uhr

Erneut ist mit Taifun Hagupit ein schwerer Wirbelsturm im Nord-Osten der philippinischen Insel Samar auf Land getroffen. Die Inseln Samar und Leyte wurden bereits im vergangenen Jahr durch Taifun Haiyan verwüstet. Noch immer leben etwa 25.0000 Menschen in Zelten oder behelfsmäßigen Unterkünften. Mitarbeiter der verschiedener Hilfsorganisationen wie Diakonie Katastrophenhilfe, Care, humedica, DRK, Plan und ihrer lokalen Partnerorganisationen sind im Nothilfe-Einsatz.

"Bereits seit Freitag haben wir zwei Teams in Ost- und West-Samar im Einsatz", so Markus Koth, Landeskoordinator der Diakonie Katastrophenhilfe auf den Philippinen. Büros in Palo bei Tacloban und Manila wurden in Alarmbereitschaft versetzt, um weitere Hilfsmaßnahmen für betroffene Regionen vorzubereiten. "Seit Tagen werden Menschen evakuiert und in den Evakuierungszentren versorgt", so Markus Kot von der Diakonie Katastrophenhilfe.

Nahrungsmittel und Trinkwasser für Betroffene

Begleitet von heftigen Regenfällen ist Taifun Hagupit über die mittleren Philippinen Inseln gezogen und hat eine Schneise der Zerstörung hinterlassen. Philippinenweit wurden laut Katastrophenschutzbehörde über 700.000 Menschen evakuiert. Sie finden Zuflucht in Schulen, Kirchen und öffentlichen Gebäuden. "Die Katastrophenvorsorge hat hier funktioniert. Aber der Taifun wird noch Tage über den Philippinen wüten", so Markus Koth "darauf haben wir uns eingestellt." Tausende Familien werden in den kommenden Tagen mit Trinkwasser, Nahrungsmitteln und Medikamenten versorgt werden müssen. Taifun Hagupit wird wie schon Haiyan insbesondere arme Familien hart treffen. Sie leben von den Erträgen ihrer Felder oder dem Fischfang, können keine Vorräte aufbauen oder Geld ansparen. Die Familien sind auf die tägliche Arbeit angewiesen, die jetzt durch Sturm und Regen erneut bedroht ist.

"Durch die Evakuierung hunderttausender Menschen in den betroffenen Gebieten sind viele Menschenleben gerettet worden", so Diakonie-Asienleiter Reinhard Würkner. Die katholische Kirche, die auf den Philippinen eine Vielzahl von Einrichtungen wie Schulen oder Krankenhäuser unterhält, habe hierbei eine wichtige Rolle gespielt. Am vergangenen Donnerstag hatte die Bischofskonferenz in dem Inselstaat einen Appell an Schulen, Kirchen und kirchliche Einrichtungen gerichtet, so viele Taifun-Flüchtlinge wie möglich in ihren Räumen aufzunehmen.

Humedica hat ein Ärzteteam auf die Philippinen entsandt. Auch die Organisation CARE ist im Einsatz. Deren Generalsekretär Karl-Otto Zentel, der zurzeit in Manila ist, berichtet: "Der Wirbelsturm traf zuerst in Samar auf, einer Region, die auch im letzten Jahr von Supertaifun Haiyan stark betroffen war. Die Schäden sind noch nicht vollständig zu ermessen. Aber dies ist eine sehr arme Gegend, die nun zweimal massiv getroffen wurde." Durch die lange Zugbahn des Taifuns komme es zu sehr starken Regenfällen, die auch Schlammlawinen auslösen könnten.

CARE arbeite mit seinen Partnerorganisationen und den philippinischen Behörden zusammen, um den Schaden zu ermessen, Hilfsgüter zu organisieren und die betroffenen Gemeinden zu unterstützen, so Zentel. "Wir arbeiten seit dem Wirbelsturm Haiyan in Leyte und Samar und dort werden wir auch unsere Nothilfe umsetzen."

Zwischen 700.000 und einer Million Menschen wurden im Vorfeld evakuiert. Die Vereinten Nationen sprachen von einer der größten Evakuierungsmaßnahmen, die das Land in Friedenszeiten je erlebt hat. "Man war sehr vorsichtig und hat alle Eventualitäten berücksichtigt", so Zentel. "Das ist eine sehr gute Leistung." Nun gehe es darum, die betroffenen Gebiete so schnell wie möglich zu erreichen und den Bedarf zu ermitteln.

"Diesmal sind die Menschen in den Philippinen wesentlich besser auf den Taifun vorbereitet", berichtet Maike Röttger, Geschäftsführerin des Kinderhilfswerks Plan International Deutschland, die sich vor einem halben Jahr ein Bild von der Entwicklung vor Ort gemacht hatte. "Auch Plans Nothilfe kommen die Erfahrungen aus den Katastropheneinsätzen nach Taifun Haiyan vor einem Jahr zugute. Unsere Teams vor Ort sind seit Tagen rund um die Uhr im Einsatz. Da immer noch viele Haiyan-Überlebende in provisorischen Unterkünften untergebracht waren, hat für uns die Evakuierung der Bevölkerung in sturmsichere Unterkünfte absolute Priorität."

Plan International hat in den betroffenen Regionen in der Provinz Eastern Samar vier Teams mit über 30 geschulten Mitarbeitern für die Nothilfe eingesetzt. Basierend auf den Erfahrungen der letzten Jahre stellte Plan in Eastern Samar Zeltplanen für Notunterkünfte, Sets zur Wasseraufbereitung und Hygiene-Sets sowie Nothilfe-Sets für Kleinkinder und Säuglinge zur sofortigen Verteilung bereit. Mit diesen Hilfsgütern werden fast 15.000 Familien und über 75.000 Menschen erreicht

"Neben der Sicherung der existenziellen Bedürfnisse der Familien", so Maike Röttger, "konzentrieren wir uns darauf, Schaden von den betroffenen Kindern abzuwenden. Der Schutz der Mädchen und Jungen steht für uns an oberster Stelle. Viele Kinder haben ihre Erinnerungen an Taifun Haiyan noch nicht verarbeitet, ihnen fehlt das nötige Sicherheitsgefühl. Wir setzen alles daran, dass sie baldmöglichst wieder Schulunterricht erhalten und so ein Stück Alltag zurückgewinnen."

CARE-Generasekretär Zentel weist auch auf den Zusammenhang von sich häufenden Extremwetterereignissen und dem Klimawandel hin: "Derzeit treffen sich die Regierungen der Welt im peruanischen Lima, um ein neues Klimaabkommen vorzubereiten. Ereignisse wie Hagupit sollten dabei nicht unberücksichtigt bleiben." Die Entwicklungspolitik müsse armen Regionen mehr Unterstützung bei der Anpassung und Vorbereitung auf solche Ereignisse geben. "Und Deutschland sowie die Europäische Union müssen ihre Klimaschutzversprechen ernst nehmen und eine Vorreiterrolle einnehmen."

Im 600-KM Radius des Taifuns leben rund 30 Millionen Menschen, die von den Ausmaßen des Sturms stark betroffen sein können. Hagupit bewegt sich derzeit nur sehr langsam über Land, was den Grad der Verwüstungen noch deutlich steigern kann. Starke Regenfälle, Überschwemmunen und auch Erdrutsche sind zu erwarten.

Obwohl nach bisherigen Erkenntnissen die Sturmschäden geringer auszufallen scheinen, als noch vor rund einem Jahr durch den Taifun Hayian, ist das genaue Ausmaß der Katastrophe noch nicht ersichtlich", sagt Emilio Teijeira, Leiter des DRK-Büros in Manila. „Einige der bislang betroffenen Gebiete auf der Insel Samar sind nur sehr schwer zugänglich, so dass es einige Tage dauern wird, bis wir einen vollständigen Überblick haben."

Das Rote Kreuz betreut derzeit viele tausend Menschen, die sich in die Evakuierungszentren geflüchtet haben. Weiterhin wurden sofort 25 LKW mit mehr als 5.000 Nahrungsmittelpaketen auf den Weg zur Insel Samar gebracht. Mehrere Trinkwassertankfahrzeuge werden sich von Tacloban aus in die Katastrophenregion aufmachen, um die betroffenen Menschen mit ausreichend Wasser zu versorgen. Ein umfangreicher Nothilfe-Konvoi bestehend aus Rettungstrupps, Krankenfahrzeugen, Wassertankfahrzeugen, Bagger sowie weiteren Versorgungsfahrzeugen bricht von Manila aus auf.

Spendenkonto: Diakonie Katastrophenhilfe, Berlin, Evangelische Bank, Konto: 502502, BLZ 52060410, IBAN: DE68520604100000502502, BIC: GENODEF1EK1, Stichwort: Taifun Hagupit

Caritas International, Freiburg, Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, Konto: 202 BLZ 660 205 00, IBAN: DE04660205000000000202, BIC: BFSWDE33KRL

CARE Deutschland-Luxemburg e.V., Sparkasse KölnBonn Konto: 4 40 40 | BLZ: 370 50 198 IBAN: DE93 3705 0198 0000 0440 40 BIC: COLSDE33

humedica e. V. Stichwort "Taifun Philippinen" IBAN DE35 7345 0000 0000 0047 47 BIC BYLADEM1KFB Sparkasse Kaufbeuren

Caritas international, Freiburg, Spendenkonto 202 bei der Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe BLZ 660 205 00, IBAN Nr.: DE88660205000202020202, BIC: BFSWDE33KRL

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