Flyer zu "Aus der Asche" | Bildquelle: RTF.1

Reutlingen:

"Aus der Asche": 300 Jahre Stadtbrand: Der Komponist Jan Henning im Gespräch

Stand: 04.09.26 14:57 Uhr

Der verheerende Stadtbrand, der im Jahr 1726 vier Fünftel der Stadt Reutlingen zerstört hat, jährt sich diesen Monat zum 300. Mal. Am 23. September war das Feuer ausgebrochen, bis zum 25. September wüteten die Flammen in der ganzen Stadt. Am 26. September dieses Jahres gedenkt die Stadt Reutlingen dieser Katastrophe mit einer Inszenierung, die es so nur ein einziges Mal geben wird. In der Reutlinger Marienkirche wird eine Mischung aus Theater, Musik und Videoprojektion aufgeführt. „Aus der Asche“, heißt das Kultur-Event, und die Musik stammt von Jan Henning.


Jan Henning lebt und arbeitet in Kalifornien, doch zum Stadtbrand-Jubiläum kommt er gerne zurück in seine Heimatstadt Reutlingen, um auf seinem Doppelhals-Tenorbass neun Eigenkompositionen für das Gesamtkunstwerk „Aus der Asche" zu spielen. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Jan Henning musikalisch mit dem Stadtbrand auseinandersetzt. 

"Da es ursprünglich schon mal für mich in meinem Werk diese Herangehensweise gab nämlich im Zusammenhang mit dem Zyklus „Der Reutlinger Sturmbock von HAP Grieshaber" im Jahr 2006 konnte ich schon aufgreifen, Ideen aufgreifen und anschließen an Vorgehensweisen", so Jan Henning.

Es geht ihm nicht darum, Geschichte zu rekonstruieren oder gegenständlich abzubilden. Vielmehr will er mit seiner Musik Emotionen transportieren. "Der Stadtbrand war halt viel mehr als Feuer. Der Stadtbrand war Angst, Chaos, Verlust, Tod, Zerstörung und Wiederaufbau. Der Stadtbrand war eine Reorganisation der Gesellschaft, der Bürgerschaft."

Vier Fünftel der Stadt wurden zerstört. Stehen blieb die Marienkirche. Aber auch an sie ging der Stadtbrand nicht spurlos vorbei. Im Taufbecken, das heute noch an Ort und stelle steht, hat der Überlieferung nach das Wasser drei Tage lang gekocht. Der goldene Engel auf der Turmspitze war geschmolzen. Die Glocken aus dem Turm waren herabgestürzt. Aus Sicht von Jan Henning ist deshalb die Marienkirche der ideale Veranstaltungsort für „Aus der Asche".

Jan Henning: "Es gibt keinen besseren, sagen wir mal passenderen Ort. Marienkirche war im absoluten Zentrum des Brandes, es wird berichtet, dass es bis nach Straßburg war das Feuer sichtbar. Bis an den Rhein hat man den Himmel glühen sehen. Die Kirche soll drei oder vier Tage sogar weiß geglüht haben."

Eine Katastrophe, die auch nach dreihundert Jahren immer noch aktuell sei, denn das Thema ließe sich zum Teil auch auf die heutige Zeit und auf Katastrophen der Gegenwart übertragen. "Auch heute sind wir konfrontiert mit Veränderungen und auch mit Katastrophen, die Welt verändert sich für uns alle immer wieder. Und wie wir als Reutlinger oder als Menschen ganz, ganz allgemein damit umgehen, ist glaube ich immer ein Nachdenken wert. Und auch für uns Künstler ist das ein wichtiges Thema", so Jan Henning.

Wer sich die einmalige Aufführung nicht entgehen lassen will, der sollte sich eilen. Von den 600 Karten sind schon 250 verkauft. „Aus der Asche" ist am sechsundzwanzigsten September in der Marienkirche zu sehen. Karten kosten je nach Kategorie zwischen 15 und 35 Euro.

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