Der Direktor hat eingeladen: die fröhliche Kaffeegesellschaft im Albgut | Bildquelle: RTF.1

Münsingen:

Anneliese Schnitzler und ihre lebensgroßen Puppen

Stand: 29.08.26 16:05 Uhr

Sie sitzen beim Kaffeekränzchen oder in der Straßenbahn, lassen sich beim Friseur eine Dauerwelle machen oder werden im Lazarett behandelt: 26 lebensgroße Puppen bevölkern Teile des Albguts im Alten Lager in Münsingen. Geschaffen hat sie die Künstlerin Anneliese Schnitzler. Und wer die Figuren sehen will, der muss bei ihr eine Führung buchen.

Christine und Ines sitzen bei Kaffee und Kuchen. Der Bankdirektor hat die beiden Frauen und zwei weitere Gäste eingeladen. Und er lässt sich nicht lumpen: Verschiedene Törtchen und einen frisch gebackenen Kuchen hat der Herr Direktor auffahren lassen. Anneliese Schnitzlers Puppen lassen längst vergangene Zeiten wieder aufleben. Zeiten, in denen das Alte Lager noch von Soldaten bevölkert war. 

Anneliese Schnitzler: "Ich wurde gefragt von der Familie Tress, mal einen Friseur zu machen und eine Oma, und das habe ich dann auch gemacht, und die haben zum Fenster raus geguckt, und die Leute waren begeistert. Und dann hat Herr Tress gesagt: Jetzt hast du aber ein bisschen Arbeit."

Der Friseur – sein Name ist Wilhelm – schaut immer noch aus dem Fenster raus. Er steht in seinem Salon, in dem auch schon die französischen Soldaten ihr Haupthaar gestutzt bekamen. Oma Helene lässt sich derweil eine Dauerwelle machen, während Liesel auf den Einsatz des Friseurs wartet. Bei Anneliese Schnitzler hat jede Puppe nicht nur einen eigenen Namen, sondern auch einen unverwechselbaren Charakter.

"Ja, das kam natürlich, weil man fängt an, mit einer langen Nadel von hinten auf Punkte zu sticken, und dann zieht man den Faden, und je nachdem, was rauskommt, kommt ein Grübchen raus oder kommt ein netter Mund raus oder die Augen, und es kam immer etwas anderes raus", so Anneliese Schnitzler.

Wen das ganze ein bisschen an die Tübinger Künstlerin Alraune und ihre Figuren erinnert, der liegt nicht so verkehrt. Denn Alraune war Anneliese Schnitzlers Vorbild, auch wenn sie die Köpfe ganz anders gestaltet. "Und dann bin ich zu Alraune gefahren und habe gesagt: Können Sie mal die Puppen angucken, wie ich die gemacht habe? Meine 24, 26 Stück sind es mittlerweile geworden, und dann hat sie gesagt: Die sehen ja richtig natürlich aus. Die passen da rauf."

Auch das alte Militärkrankenhaus, inzwischen ein Lost Place, wird von Schnitzlers Puppen belebt. Arzt Ludwig ist gerade auf Visite, während Patient Friedrich selig schläft. Krankenschwester Ingeborg kümmert sich liebevoll um ihn.

"Der schläft, der träumt, die streichelt ihn so, der ist so nett, und richtig lacht der im Schlaf, aber dann sage ich: Ehrlich gesagt, eigentlich mir sind die Augen ausgegangen. Deshalb muss ich ihn schlafend machen", so Anneliese Schnitzler.

Auch eine alte Reutlinger Straßenbahn hat ihren Weg ins Albgut gefunden, und auch sie hat Anneliese Schnitzler mit Puppen bevölkert. Die kann man sich normalerweise nur von außen anschauen, da das Trittbrett schon etwas morsch ist. Zu jeder Straßenbahn gehört natürlich auch ein Straßenbahnschaffner. Sein Name ist Anton. 

"Der Schaffner, der hatte eine lange Nase. Richtig eine Prügelnase. Und da ist auch eine Anekdote. Und ich habe in der Wiese vom Schloss habe ich eine Brille gefunden ohne Glas, da sind die Schafe schon hundertmal drüber gelaufen, da sage ich: Das ist die Brille für Anton", so Schnitzler.

Wer noch mehr über die Puppen erfahren und sie auch mal selber sehen will, dem sei die Albgut-Führung mit Anneliese Schnitzler empfohlen. Die nächste Führung ist am 11. September um 13 Uhr. Die Führung dauert 90 Minuten und kostet 10 Euro. Eine Anmeldung unter anneliese.schnitzler@web.de ist erforderlich.

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