Besetztes Haus in der Kronenstraße | Bildquelle: RTF.1

Tübingen:

Einigung um das besetzte Haus in der Kronenstraße

Stand: 17.08.26 16:45 Uhr

Über 2 Wochen dauert die Hausbesetzung in der Tübinger Kronenstraße bereits an. Die Besetzer, die sich als „Projekt Krone für Alle“ bezeichnen, hatten inzwischen bereits mehrere Treffen mit dem Besitzer des Hauses, an denen auch Vertreter der Stadt beteiligt waren. Am Montag dann die Meldung: Hausbesetzer und Eigentümer haben sich geeinigt.


'Freiräume erkämpfen – Leerstand besetzen.' Bereits seit einer Demo am 31. Juli ist die Kronenstraße 3 unter diesem Motto in den Händen von Hausbesetzern. Seit 2024 hatte niemand mehr in dem Haus gewohnt, laut Aussagen des Besitzers wegen anstehender Renovierungsarbeiten. Für Klee vom Projekt Krone für Alle nur ein Beispiel für weitere Probleme im Tübinger Wohnungsmarkt:

"Wir befinden uns in einer Stadt, in der immer mehr Menschen aus der Innenstadt verdrängt werden und aus der Stadt generell. Durch hohe Mieten, durch profitorientierten Wohnraum. Weil Wohnraum nicht als Grundrecht gesehen wird. Und viele von uns, in unserer Gruppe haben schon Erfahrung damit gemacht, wie es ist, seinen Wohnraum zu verlieren oder betroffen zu sein von der Wohnraumskrise.

Zunächst drohte Hausbesitzer Bernd Schwab mit einer Klage wegen Hausfriedensbruch. Bald kam es dann aber zum Kontakt zwischen Besitzer und Besetzern. Das erste Treffen zur Lösungsfindung kam eine Woche nach der Übernahme. Dieses verlief laut beiden Seiten respektvoll, auch wenn die Interessen auseinandergingen. Jetzt, nach dem zweiten Treffen, kam die Einigung: Bis zum 28. August, also vier Wochen nach der ursprünglichen Besetzung, soll das Haus geräumt werden.

Baubürgermeister Cord Soehlke war als Vertreter der Stadt anwesend: "Die Besetzer haben sich über das Wochenende überlegt, ob sie das Angebot annehmen. Das ist entstanden hier im Gespräch zwischen den Eigentümern und der Gruppe. Und dann gab es über das Wochenende einen Diskussionsprozess innerhalb der Gruppe und ich habe am Sonntagnachmittag die Rückmeldung gekriegt, dass man das Angebot annimmt."

Eine Klage wegen Hausfriedensbruchs soll es bis dahin nicht geben. Eine friedliche Lösung. So ist es dem Baubürgermeister auch lieber: "Also ich finde es wichtig, vorhandene Interessenkonflikte, vorhandene Diskussionen tatsächlich miteinander zu lösen und gemeinsam zu lösen. Man kriegt es nicht immer hin, dass man eine Einigung kriegt. Dazu braucht es dann auch tendenziell nicht nur eine Seite, die das moderiert, sondern es braucht drei Seiten, die dazu bereit sind. Da bin ich den beiden Seiten auch wirklich sehr dankbar."

Die Ladenfläche im Erdgeschoss sollen die Besetzer zudem bis Ende Dezember mietfrei nutzen dürfen, doch ob das für sie Sinn macht, müssen sie noch klären. Der Zustand des Erdgeschosses ließe zu wünschen übrig, auch wenn sie dort gerne gemeinsame Events mit Nachbarn veranstalten würden. Bei diesen hatte das Projekt nämlich durchaus Anklang gefunden.

Klee berichtet: "Wir bekommen so viel Solidarität durch diese Nachbarschaft, es ist wirklich wunderschön. Leute sind zu unseren Nachbarschaftscafés gekommen, haben gefragt, ob sie Banner für uns malen können. Haben die auch aufgehangen. Mich spricht jeden Tag mindestens eine Person an und fragt, wie sie helfen kann."

Banner mit dem Symbol der Krone 3 finden sich über die angrenzenden Straßen verteilt an vielen Häusern, aufgehängt als Solidaritätsbekundung. Auch wenn die Besetzung der Krone 3 schon bald wieder enden soll, fand sie als Hilferuf im Zuge der Wohnraumkrise vielerorts Gehör.

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