Gebhard Aierstock, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Reutlingen e.V., ist direkt: Die Zahlen sind sehr problematisch. Ankaufspreise sind gestiegen, die Ernten sind überwiegend sehr unterdurchschnittlich ausgefallen. Getreide musste früher geerntet werden als je zuvor. Bei Aierstock's eigenem Betrieb umfassten die Getreideerträge beim Weizen nur 30 bis 60 Doppelzentner, halb so viel wie im Vorjahr.
Auch bei hitzeresistenteren Pflanzen wie Mais hat der Hagel vieles zerstört. Die Extremwetter Situation ist auch nicht nur räumlich bedingt, wie Aierstock betont: "Man kann von Spanien, Frankreich über Deutschland, bis nach Österreich, Ungarn sehen, dass überall enorme Hitze geherrscht hat, überall enorme Probleme sind. Und vor allem wirkt es sich auch aus auf die Futterbilanz."
Entsprechend schlecht steht es auch um viele Nutztierpreise. Der Preis für ein Ferkel, der letztes Jahr noch bei 66,60 € lag, liegt dieses Jahr bei 33 €. Betriebe müssen Viehbestände eher abbauen, als neue Jungtiere dazuzukaufen. Auch in der weiteren Wirtschaft sind die Effekte der Trockenheit merkbar. So fassen beispielsweise viele Flüsse inzwischen so wenig Wasser, dass Transport durch Schifffahrt immer schwieriger wird.
"Also ist schon eine Geschichte, die uns Sorgen macht", gesteht Aierstock, "vor allem bei Entwicklungen, so massiv wie dieses Jahr. Natürlich immer mit dem Blick in die Zukunft. Wie entwickelt sich das wohl weiter? Und was bedeutet das für unsere Betriebe?"
Vertreter der Politik gibt es diesmal nur einen: den Landtagsabgeordneten Manuel Hailfinger von der CDU. Er zeigt sich verständnisvoll, doch bei vielen der Probleme kann auch er nicht viel tun: "Der Großteil dessen, was heute hier angeklungen ist, kommt alles aus Berlin. Und da müssen wir natürlich mit unseren Abgeordneten in Berlin in Kontakt kommen. Erneuerbares Energiengesetz, das Thema Biogas, das heute hier ein Riesenthema war."
Bisher bleibt die Zukunft also unsicher. Der Trend zeigt, dass es mit der Zeit immer mehr überdurchschnittlich heiße Jahre gibt. Ideen gibt es durchaus: Getreide aus heißeren Regionen könnte einen trockenen Sommer überstehen. Winterernte gedeiht unabhängig von heißen Sommern und nutzt die Feuchtigkeit der kalten Jahreszeit, doch auch diese fiel dieses Jahr trocken aus.
Mit unberechenbaren Wetterphänomenen sind klare Pläne schwierig, wie Aierstock klarstellt: "Man kann natürlich immer überlegen: Was kann man machen? Wie kann man vielleicht noch wasserschonender den Ackerbau betreiben? Doch die Möglichkeiten sind halt begrenzt. Und wenn es dann immer heißt oder man meint, die Lösungen wären vielleicht in der Gentechnik, man hat trockenheitsresistentere Pflanzen oder Sorten, dann muss man einfach realisieren: Auch die brauchen irgendwann Wasser."
In Ermangelung einer Lösung für das Wetter konzentrieren sich die meisten Wünsche daher eher auf die Rahmenbedingungen. Subventionen für Dünger, Futter und Diesel, die für die Landwirte aktuell zu teuer sind. Klarere Kennzeichnung von Fleisch aus dem Ausland in Supermarktregalen, das zwar billig ist, doch auch einen niedrigeren Tierwohlstandard aufweist. Und das langfristige Ziel, den Wert lokaler Landwirtschaft schon in der Schule besser zu vermitteln.
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