Die Tinte ist trocken. Im Hörsaal der Alten Anatomie unterzeichneten Polizeipräsident Udo Vogel und Professorin Benigna Schönhagen die Kooperation und machten die Vereinbarung somit offiziell. Diese ist Teil eines landesweites Projekts der Polizei Baden-Württemberg zur Stärkung der demokratischen Resilienz und zur politischen Bildung.
"Das ist uns sehr wichtig als Polizeipräsidium in Reutlingen, weil wir als Polizei jeden Tag in die Grundrechte von Menschen eingreifen müssen. Wir dürfen das und haben die gesetzlichen Regelungen, von daher ist das zulässig. Aber wie ich eingreife, wie ich die Kontrolle gestalte und wie ich mit den Menschen umgehe, das kann man so oder so gestalten" kommentierte Udo Vogel.
Was ist normal und ab wann ist es ethisch nicht mehr in Ordnung, bestimmte Entscheidungen zu treffen? Diese Grenze zu erkennen kann laut Vogel unter Umständen sehr schwierig sein.
Gerade für die jüngeren Kolleginnen und Kollegen sei es deshalb wichtig, ein Gespür zu entwickeln, wie schnell sich die Situation für die Polizei wieder ändern könne.
"Ich denke, man muss sich immer wieder vergegenwärtigen, dass man solche Erinnerungsstätten braucht, an denen das Unrecht passiert ist. Damit die jetzigen Leute, die das in ihrer Jugend zum Glück nie erleben mussten, daran erinnert werden, wie schnell es wieder umschlagen kann und wie schnell es geht, dass man andere Zeiten erlebt. wie wichtig Demokratie ist und wie wichtig es ist, dass man mit den Menschen, mit denen man zu tun hat, ordentlich umgeht" so Vogel.
Auch ein Besuch des Gräberfeld X selbst ist geplant. Bereits fest im Programm sind regelmäßige Rundgänge durch die Ausstellung „Entgrenzte Anatomie" in der Alten Anatomie. Sie zeigt, wie in der NS-Zeit sowie davor und danach mit den Toten umgegangen wurde, die in die Anatomie kamen.
"Die Ausstellung ist als temporäre Ausstellung geplant gewesen. Sie ist im April 2023 eröffnet worden und sollte ursprünglich im September enden. Wegen der großen Nachfrage wurde sie immer wieder verlängert – jetzt auch bis Ende 2027, damit die Ausstellung auch im ganzen Universitäts-Jubiläumsjahr zu sehen ist" sagt Professorin Benigna Schönhagen.
Doch auch darüber hinaus will der Verein die Ausstellung gerne erhalten und hofft auf Unterstützung von außen.
"Wir haben noch längst nicht alle Biografien der NS-Opfer, die in die Anatomie kamen erarbeitet und die Anatomie ist nur ein Beispiel von Verstrickungen von Wissenschaft in die Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus" so Schönhagen weiter.
Eine „arbeitende Gedenkstätte" sei das Ziel des Vereins Initiative Erinnerungsort Gräberfeld X. Man wolle allen interessierten Gruppen und Berufsgruppen die Möglichkeit geben, sich damit auseinander zu setzen. Weitere Infos dazu und zum Gräberfeld selbst gibt's im Internet unter graeberfeldx.de.
![]() | Klar 10 / 11° C Luftfeuchte: 63% |
![]() | Klar 10 / 12° C Luftfeuchte: 63% |
![]() | Klar 8 / 10° C Luftfeuchte: 56% |