Orgelbau in der Marienkirche | Bildquelle: RTF.1

Reutlingen:

Das kann die neue Orgel in der Marienkirche

Stand: 27.02.26 10:03 Uhr

Seit 30 Jahren steht sie in der Marienkirche und sorgt für einzigartigen Klang auf Konzerten und Gottesdiensten. Die symphonisch konzipierte Orgel ist laut Bezirkskantor Torsten Wille ein Vorbild für moderne Konzertorgelwerke. Im Zuge einer routinemäßigen Sanierung wollten die Betreiber das Werk erweitern, um noch mehr aus dem Potenzial des Instruments zu holen. Die Schirmherrschaft für das Projekt hat Oberbürgermeister Thomas Keck übernommen.

Sie sind so klein wie Zigarren oder über zwei Meter groß und können an ein Heizungsrohr erinnern. Die Pfeifen einer Orgel bieten eine nahezu unendliche klangliche und technische Vielfalt. Nach ein paar Grußworten von Oberbürgermeister Thomas Keck erzählt Bezirkskantor Torsten Wille von seiner Inspiration, das bisherige Orgelwerk mit seinen drei Manualen, 53 Registern und 4000 Pfeifen auf eine höhere Ebene zu bringen: "Wir waren uns einig, dass das ein besonderes Instrument hier ist... dass es auch ein ausgezeichnetes Profil für uns ist, dass wir diese besondere Orgel hier haben. Deshalb haben wir uns auch damit beschäftigt, was wir weiter machen wollen. Und sind deshalb zu diesem Konzept gekommen, dass wir neue Klangfarben durch neue Pfeifen kriegen und eben auch durch die neuen Anschlüsse neue Möglichkeiten." Weitere 1000 Pfeifen, ein zusätzliches Manual und 29 Register mehr soll das neue Orgelwerk zu bieten haben.

Für das Projekt hatten sich vier Orgelbaufirmen beworben. Am Ende gewann die Klais GmbH aus Bonn. Orgelbauer Matthias Dichter zeigt sich überzeugt von der Vielfalt des neuen Orgelwerks: "Man hat viel mehr Klangfarben zur Auswahl. Auch besonders durch diese perkussiven Elemente, die hinein kommen, die Schlagwerke, also Celesta, Glockenspiel. Das sind Sachen, die eine normale Kirchenorgel nicht zu bieten hat. Und das ist eben etwas Besonderes in diesem Fall, dass die Orgel um diese Klangfarben erweitert wird."

Aktuell sind die Orgelbauer noch mit dem Putzen der alten Pfeifen beschäftigt. Die Orgelbau-Firma gilt als Marktführer in Deutschland. Zu den Kunden zählen unter anderem die Elbphilharmonie in Hamburg. Aber auch in Asien blickt das Unternehmen auf einen breiten Kundenstamm. Mit ihrer Expertise konnten sie viele neue Impulse in die geplante Erweiterung bringen. "Unsere Idee war unter anderem die, dass wir die Bestandsorgel so lassen, wie sie ist, dass wir dieses Instrument weitestgehend unangetastet lassen." Insgesamt werden nur zwei kleine Änderungen an der Orgel vorgenommen. Ein Register soll ausgetauscht und ein anderes in den hinteren Bereich, das sogenannte Orchestralwerk, verlegt werden – möglichst unsichtbar, aber doch gut hörbar.

Durch eine zusätzliche Ablage für Laptop und Tablet können die Pfeifen auch über eine Software digital abgespielt werden. Torsten Wille verrät, dass mit den technischen Neuerungen sogar das Anspielen mit einer E-Gitarre vom Altar aus möglich wäre. Vieles, was der Bezirkskantor vorher nicht für möglich gehalten hätte. "Da freue ich mich schon, weil wir richtige Schätze bekommen. Also auch Sachen, die für mich neu kennenzulernen waren: Eine sogenannte Orchester-Oboe, eben etwas aus dem amerikanischen Orgelbau. Wir haben mit dem Horn auch Klänge, die eben eher aus dem anglikanischen Raum kommen."

Einweihung der neuen Orgel ist zum 300-jährigen Stadtbrandjubiläum im Herbst, wenn die Register mit den neuen technischen Möglichkeiten ganz von allein erklingen, ohne dass ein Organist aktiv seine Finger im Spiel hat.

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