Noch sind die Arbeiten nicht abgeschlossen, doch zum ersten Februar ist auch das zweite Haus des Neubauprojekts in der Sülchenstraße in Rottenburg bezugsbereit.
In einer Ausschreibung haben die Betreiber der WBR nach einem Entwurf gesucht, der Effizienz, Pragmatismus und Stil vereint. Überzeugen konnte Jan Bohnert vom Architektenbüro nbundm mit seiner Vision. Inspiration hat er in der unmittelbaren Umgebung gesammelt.
"Wenn man so durch die Gassen geht, sieht man ganz oft abgewinkelte Hausecken, abgeschrägte Hausecken, die aus den Flurgrenzen resultieren, die im Mittelalter oftmals auch nicht rechtwinklig, sondern schräg und krumm und schief waren. Und hier ist das genauso. Hier gibt es wahnsinnig viele schräge Grundstücksgrenzen", erklärt Bohnert.
Von dieser Formgebung profitiert auch der Brandschutz. Eine abgeschrägte Hauskante wie hier ermöglicht die Zufahrt für Löschfahrzeuge der Feuerwehr.
"Ein anderes großes Thema ist, dass im Mittelalter ja auch Geschosse aus Steuergründen nach oben immer weiter versetzt wurden, um mehr Wohnfläche zu schaffen. Das haben wir hier auch leicht angedeutet, dadurch dass die Putzfassade so nach oben leicht nach außen springt", erklärt der Architekt die Idee hinter der staffelweise wachsenden Fassadenbreite.
Das Ergebnis: ein modernes Wohnhaus, das Effizienz mit architektonischen Spielereien auf einem knappen, innerstädtischen Grundstück verbindet. So ein Vorhaben auf einem Grundriss einer alten Stadt aus der Römerzeit umzusetzen, ist leichter gesagt als getan.
"Überall, wo man hier baut, trifft man auf archäologische Funde. Das erfordert zum Einen natürlich immer eine Verlängerung der Bauphase, weil diese Funde zuerst gesichert werden müssen. Archäologen kommen, graben alles aus, untersuchen, dokumentieren und das hat hier einen Zeitaufschub von drei Monaten ungefähr verursacht", erzählt Bohnert.
Zusätzlich mussten 13 Meter lange Bohrpfähle im Untergrund verlegt werden, um das Fundament zu stabilisieren. Alles Dinge, die erst mit fortschreitendem Bauvorgehen hervortreten. Die archäologischen Untersuchungen und die Bohrpfähle haben für eine längere Bauzeit gesorgt. Ursprünglich hätte das Haus nämlich schon im Oktober fertig sein sollen.
Die Hälfte der 24 Wohnungen sind staatlich gefördert, und das bringt einige Auflagen mit sich, verrät Thomas Weigel der Wohnbau Rottenburg. "Für die Wohnung ist es die Größe. Es sind bestimmte Größenraster einzuhalten – immer in 15er-Schritten. Es geht bei 45 m² los und dann nach oben abhängig von der Familiengröße. Und die Familien, die einziehen, müssen gewisse Einkommenskriterien erfüllen", so Weigel.
Ein Beispiel dafür ist eine vierköpfige Familie mit einem Bruttojahreseinkommen unter 75.000 €. Am Ende wohnt sie Tür an Tür mit den Mietern der frei finanzierten Wohnungen. Ob sozial geförderte oder frei finanzierte Wohnung, ist aber anhand der Fassade nicht ersichtlich.
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