Marie-Agnes Strack-Zimmermann | Bildquelle: RTF.1

Reutlingen:

"Europa gehört nicht auf die Speisekarte!" - Strack-Zimmermann über Putin, Trump und Venezuela

Stand: 07.01.26 15:13 Uhr

Der militärische Angriff der USA auf Venezuela, der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, die Militärübungen Chinas rund um Taiwan: All das sieht die Expertin für Äußere Sicherheit Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP, als Hinweise darauf, dass längst eine neue Weltordnung entstanden ist. Eine, die von den USA, Russland und China dominiert wird, die die Welt unter sich aufteilen. Europa droht da unter die Räder zu kommen. Strack-Zimmermann war jetzt in der Reihe „Politik und Wirtschaft im Dialog“ der Familienunternehmer und der Jungen Unternehmer im Hotel Restaurant Achalm in Reutlingen zu Gast.


Robin Morgenstern und Reiner Knauer begrüßten die FDP-Europaabgeordnete auf der Achalm. Dann betrat Strack-Zimmermann unter Applaus den Veranstaltungsraum. Die Politikerin war in spannenden Zeiten nach Reutlingen gekommen. Der Angriff der USA auf Venezuela lag erst wenige Tage zurück und bildete das Auftaktthema. Strack-Zimmermann hat dazu eine ganz klare Meinung: 

"Also, dass die Menschen dort Hoffnung hatten und Maduro jetzt weg ist, das erfreut die Menschen und offen gestanden erfreut das sehr viele, weil wir ja auch dieses Regime gar nicht akzeptiert haben. Aber die andere Seite der Medaille, dass es ein völkerrechtswidriger Angriff war, der jetzt auch zeigt, was Trump eigentlich wollte."

Nämlich nicht den Menschen helfen und eine Demokratie etablieren. Ihm ging es allein um die reichen Ölfelder Venezuelas. "Es ist also kein Regimewechsel, sondern ein Diktatorwechsel. Und das ist schon gefährlich und machen wir uns nichts vor: Wenn Trump das so ohne weiteres macht und er droht, Grönland einzunehmen, was zum Königreich Dänemark gehört und damit zur EU, dann muss man solche Drohgebärden sehr, sehr ernst nehmen", so Strack-Zimmermann.

Einen Krieg der USA gegen Dänemark um Grönland hält Strack-Zimmermann also für durchaus realistisch. Und im Zuge der jüngsten Entwicklungen ist auch der militärische Worst Case, ein Krieg Russlands gegen die NATO gar nicht mehr so unrealistisch. 

"Es ist nichts unmöglich, und wir tun gut daran, in Europa uns entsprechend wirklich militärisch auf den Weg zu machen, dass wir so stark werden, dass Russland nicht mal darüber nachdenkt, ein NATO-Land anzugreifen, aber die Wahrscheinlichkeit ist durchaus gegeben", so Strack-Zimmermann.

Der Angriff Russlands auf die Ukraine vor knapp vier Jahren, das sei das Momentum, an dem die Welt Feuer gefangen habe, so Strack-Zimmermann. Jetzt wolle Putin keinen Frieden. Und Trump, der die Stärke habe, dem Einhalt zu gebieten, tue das nicht. Er lasse Putin laufen. 

"Und da geht es nicht um ein Land irgendwo, sondern da geht es um die Sicherheit Europas, und die ist mehr denn je gefährdet, wenn eben China, Russland und die USA einfach ihr Ding machen und kein Völkerrecht mehr akzeptieren, und ich sage Ihnen: Europa gehört an den Tisch, da, wo die Großen sitzen, und nicht auf die Speisekarte", so Strack-Zimmermann.

Was also tun in einer Zeit, in der die USA, Russland und China die Welt unter sich aufteilen? Laut Strack-Zimmermann vor allem dreierlei: "Wirtschaftliche Stärke ist das eine, darauf aufbauend eine gemeinsame Außenpolitik, losgelöst, wo das Land liegt der Europäischen Union, und das dritte: eine robuste Verteidigungspolitik aufbauen, damit wir ernst genommen werden und uns keiner angreift."

Denn Europa wolle nicht verfrühstückt werden. Vielmehr solle es als Europa der Freiheit auch in den kommenden Jahrzehnten erhalten bleiben, und das drohe wegzukippen, wenn Europa nicht aktiv sei.

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