Vereidigung von Landrat Hendrik Bednarz | Bildquelle: RTF.1

Kreis Tübingen:

Knapp 100 Tage im Amt - Rückblick und Ausblick mit neuem Landrat Hendrik Bednarz

Stand: 06.01.26 13:45 Uhr

Seine Wahl war die knappste, die man sich nur vorstellen kann: Mit nur einer Stimme Mehrheit wurde Hendrik Bednarz am 23. Juli zum Landrat des Kreises Tübingen gewählt. Seine Gegenkandidatin war ausgerechnet seine jetzige Stellvertreterin Daniela Hüttig. Seine erste Amtshandlung: den Haushalt für 2026 in den Kreistag einbringen. Im Gespräch mit RTF.1 blickte Bednarz zurück auf die drei ersten Monate seiner Amtszeit und warf einen Blick nach vorne auf das Jahr 2026.


8. Oktober 2025: Der Landkreis Tübingen hat einen neuen Landrat. Hendrik Bednarz wurde von Regierungspräsident Klaus Tappeser vereidigt. Der ehemalige Erste Bürgermeister von Rottenburg folgte auf Landrat Joachim Walter, der mehr als zwanzig Jahre lang an der Spitze des Landkreises Tübingen stand. Große Fußstapfen. Aber nicht zu groß für Bednarz: "Ich habe in meiner Bewerbungsrede gesagt, ich möchte die Spur, die er hinterlassen hat, aufnehmen, aber meinen eigenen Weg entwickeln. Und das ist auch so in etwa tatsächlich die Art, wie ich versuche, da ranzugehen, einfach meine eigene Art einzubringen." Nicht besser, nicht schlechter, sondern anders als Joachim Walter. So möchte Hendrik Bednarz den Landkreis Tübingen führen. Und dass seine ehemalige Gegenkandidatin jetzt seine Stellvertreterin ist, ist für ihn kein Problem. "Ich glaube erstens, dass wir zusammen ein gutes Team bilden, meine erste Landesbeamtin und ich, und wir uns zusammen sehr gut ergänzen und uns hier gut zusammengefunden haben. Und im Übrigen gilt: Gewählt ist erst mal gewählt und jetzt gehen wir die Aufgaben gemeinsam an."

Die erste Aufgabe für Landrat Bednarz war der Haushalt für 2026. Und wie in allen Kommunen war es hier auch schwierig. Vor allem in der Sozial- und Jugendhilfe stiegen Ausgaben. Gleichzeitig stieg aber die Finanzausstattung des Landkreises nicht in gleichem Maße – und das ist laut Bednarz ein Problem: "Ich bin nicht der Typ, der nur über falsche Rahmenbedingungen jammert. Darauf muss man hinweisen, auch ohne Abstriche hinweisen. Aber das bedeutet nicht, dass wir nicht auch eigene Stellschrauben in den Händen halten würden. Und die wollen wir identifizieren."

Nachdem der Kreistag im alten Jahr mit großer Mehrheit dem Haushalt zugestimmt hat, geht es jetzt im neuen Jahr an die Umsetzung. Dabei gehe es aber nicht ums Sparen um des Sparens willen und auch nicht darum, die großen Themen in Frage zu stellen, sondern darum: "Wie schaffen wir es, uns auf die wichtigen Themen zu konzentrieren? Nebenkriegsschauplätze abzustellen, die viel Geld kosten, die aber in vielen Fällen möglicherweise gar nicht so wahnsinnig viel bringen, wie wir uns erhoffen würden." Beispiel für ein großes Thema: Die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen. Wenn man sich auf irgendwelchen Nebenkriegsschauplätzen tummle, gehe für genau diese Themen Energie verloren.

Ein weiteres wichtiges Thema: Migration. Der Landkreis Tübingen kümmert sich nicht nur um die Erstunterbringung, sondern auch um die Integration Geflüchteter. Und hier spielt das Projekt Tünews International eine wichtige Rolle. Im vergangenen Jahr konnte der zehnte Geburtstag gefeiert werden. "Ein tolles Instrument in unterschiedlicher Hinsicht", findet der neue Landrat. "Erstens bereiten Geflüchtete für Geflüchtete wichtige Informationen auf, die für ein Ankommen bei uns in Deutschland notwendig sind. Zweitens lernen die Geflüchteten journalistische Arbeit." Und das von ehrenamtlichen Coaches, die beruflich aus dem journalistischen Umfeld kommen.

Integration solle auch weiterhin ein wichtiges Thema bleiben. "Wir brauchen Menschen aus anderen Ländern, um etwa unseren Arbeitskräftebedarf zu decken. Diese Menschen stellen eine Bereicherung für unsere Gesellschaft dar. Ich will nicht in den Chor derer einstimmen, die Migration grundsätzlich als Bedrohung beschreiben." Zwar gebe es selbstverständlich auch Probleme, aber er sehe vor allem auch die Chancen von Migration. Und die wolle man nutzen, so Landrat Bednarz.

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