Fotos, Urkunden, Briefe und mehr - im Rahmen eines Rechercheprojekts sucht das Stadtmuseum Tübingen nach Geschichten und Gegenständen von damaligen Gastarbeitern für die Sammlung des Museums. Projektleiterin Marina Chernykh erzählt: „In unserer Sammlung haben wir bereits viele institutionelle Objekte. Beispielsweise haben viele der Arbeitsmirgranten auch bei Egeria gearbeitet. Das war eine Frottierweberei, eine große Textilfabrik hier in Tübingen-Lustnau. Und da haben in den 50er bis 70er-Jahren sehr viele Menschen gearbeitet, die auch erst nach Deutschland gekommen sind im Rahmen der Anwerberabkommen."
Das Betriebsheft des Unternehmens Egeria ist eines der institutionellen Objekte des Museums. Auch Fotografien und Gegenstände der ersten italienischen Eisdiele in Tübingen hat das Stadtmuseum geborgen. Und doch fehlt der Einrichtung ein wichtiger Teil in der Sammlung zur Arbeitsmigration: „Leider hat die Sammlung des Stadtmuseums eine große Lücke bei den Objekten migrantischen Hintergrunds. Wir haben sehr viel zum bürgerlichen 19. Jahrhundert, aber die Migrationsbewegung des 20. Jahrhunderts haben wir fast gar nicht erfasst in unserer Sammlung. Und die Sammlung steht ja auch für die Stadtgeschichte, deshalb ist diese Lücke auch sehr wichtig zu füllen" erzählt die Projektleiterin.
Nach was das Stadtmuseum sucht, sind individuelle Erinnerungsstücke von Gastarbeitern aus den 1950er bis 1970er-Jahren. So Chernykh: „Was uns fehlt, sind eben die persönlichen Geschichten. Es geht um Fotos, um Urkunden, es geht um Erinnerungen oder um Gegenstände, die eben von der Arbeit stammten oder eben aus der Zeit des Abkommens".
So richtet sich der Aufruf des Stadtmuseums an die Menschen,die in den 50er bis 70er-Jahren selbst nach Tübingen gekommen sind, aber auch an ihre Nachkommen: „Ruhig mutig sein, beim vorbeibringen der Objekte und Geschichten. Wir schauen dann gemeinsam drüber. Meist wollen wir mehr annehmen als man denkt. Weil es geht wirklich um den Alltag, es geht nicht nur um das schönste, älteste Objekt sondern wirklich um das, was persönlich genutzt worden ist in der Zeit" sagt Chernykh.
Am Samstag, den 5. Oktober und Sonntag, den 20. Oktober von jeweils 11 bis 15 Uhr, kann man im Stadtmuseum Tübingen mit Erinnerungsstücken vorbeikommen. Alternativ ist das Museum telefonisch unter 07071 2041793 oder per Mail an Stadtmuseum@tuebingen.de erreichbar.
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