Philipp Hahn, Bürgermeister von Hechingen | Bildquelle: RTF.1

Hechingen:

Bürgermeister Hahn blickt zurück auf 2023

Stand: 06.01.24 17:33 Uhr

Mit zwar stabilem Haushalt, aber Fachkräftemangel musste die Stadt Hechingen im vergangenen Jahr auf einige Bauprojekte verzichten. Ein wichtiges konnte sie aber angehen: Die Erschließung eines neuen Wohngebiets im Norden der Stadt. Doch auch andere Themen wie der Flüchtlingszustrom machten der Stadt zu schaffen. Dafür gab es kulturell einiges zu erleben. Im heutigen Jahresinterview schaut Bürgermeister Philipp Hahn auf das vergangene Jahr und gibt einen Ausblick auf 2024.


Am nördlichen Stadtrand, direkt an der Gemarkungsgrenze zu Bodelshausen, entsteht das nahezu CO2-neutrale Wohngebiet Killberg IV. Die Versorgung des Gebiets erfolgt durch fast komplett erneuerbare Solarenergie und Erdwärme in einem deutschlandweit einzigartigen Energiekonzept.

"Im Jahr 2023 haben wir unser Neubaugebiet Killberg IV mit Platz für rund 2000 Einwohnerinnen und Einwohnern erschlossen. Da finden gerade noch die restlichen Erschließungsarbeiten statt. Und bestimmendes Thema war die Zinssituation für die Häuslebauer, das dazu geführt hat, dass wir bei der Vermarktung der Grundstücke etwas hinterherhinken," so Philipp Hahn.

Die Vermarktung will die Stadt in diesem Jahr ankurbeln. Darüber hinaus beschäftigt sich Hechingen vermehrt mit der Straßensanierung.

"Die Zollernstraße, die zentrale Achse von Hechingen an der Villa Eugenia vorbei Richtung Bisingen, der Nachbargemeinde, die werden wir im Jahr 2024 beginnen zu sanieren. Da sind wir im Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz des Landes Baden-Württemberg aufgenommen und erwarten sicherlich über 1 Million Euro an Fördergeldern, um diese Straße für Autoverkehr, aber auch für Fahrradfahrer und für Fußgänger endlich auf einen zeitgemäßen Stand zu bringen."

Eine weitere Baumaßnahme lässt sich am Marktplatz beobachten. Dort wird direkt neben dem Rathaus die ehemalige Hofapotheke kernsaniert und umgebaut.

"Hier entstehen Räumlichkeiten für das Rathaus, eine Erweiterung des Rathauses sozusagen. Und ins Erdgeschoss kommt unser Bürgerbüro hinein," erzählt der Bürgermeister. "Im rückwärtigen Bereich wird die Lebenshilfe noch Wohnungen errichten. Wir sind sehr froh, dass wir in diese Sanierungsmaßnahmen einsteigen konnten, weil die Attraktivierung des Marktplatzes allen Fraktionen des Gemeinderates ein wichtiges Anliegen ist."

In anderen Themen, wie der Unterbringung von Geflüchteten, wurde mehr diskutiert. Der AfD-Stadtrat Johannes Simon unterstützte die regelmäßigen "Montagsdemos" gegen die Flüchtlingspolitik. Stadt und Kreis kümmern sich währenddessen um neue Unterkünfte. Wie zum Jahreswechsel bekannt gegeben, wird unter anderem im ehemaligen Hotel Klaiber am Obertorplatz eine davon eingerichtet.

"Wir bauen in Hechingen in der Ermelesstraße eine Flüchtlingsunterkunft für 3,9 Millionen Euro und wir werden im Frühjahr Container am ehemaligen Kreiskrankenhaus aufstellen. Das, die Integration von Geflüchteten und die Unterbringung von Geflüchteten, ist sicherlich ein wesentliches Thema im Jahr 2023 in Hechingen gewesen und wird uns sicher auch in den Folgejahren beschäftigen."

Die Maßnahmen zu diesem Thema wirken sich auch auf den Haushalt aus. Im vergangenen Jahr hat sich die Finanzlage stabil gehalten, trotzdem gab es Hinderungen bei geplanten Projekten.

"Klar ist, wir konnten die eine oder andere Baumaßnahme, die der Gemeinderat beschlossen hat, leider nicht umsetzen, weil uns schlicht das Personal dazu gefehlt hat. Das ist eher auch eine unerfreuliche Sache, die ebenfalls viele Kommunen trifft: Der Fachkräftemangel. Was dann dazu führt: Wir haben Geld bereitgestellt und haben die entsprechenden Beschlüsse dazu und können Maßnahmen dann aber leider doch nicht umsetzen."

Generell trübt sich die wirtschaftliche Lage ein, so das Stadtoberhaupt. Die Anteile der Stadt an Umsatzsteuer und Einkommensteuer sind stagnierend bis leicht rückläufig, ebenso die Gewerbesteuer. Und das trotz des starken Standorts der Medizintechnik im Medical Valley.

"Der Haushalt 2024 ist geprägt von einer steigenden Verschuldung, die wir benötigen, um geplante und leider auch ungeplante Maßnahmen wie die Flüchtlingsunterbringung zu finanzieren. Und gleichzeitig müssen wir den Rückgang bei den Einnahmen der Gewerbesteuer ausgleichen," so Hahn.

Politisch habe es im vergangenen Jahr durch die verschiedenen Anspannungen eher wenig erfreuliches gegeben – kulturell sieht das anders aus.

"Kulturelle Highlights gibts in Hechingen immer. Wir hatten unser Irma-West-Kinder- und Heimatfest und Stadtfest über ein ganzes Wochenende von Freitag bis Montag mit einem großen Brilliant-Feuerwerk als Abschluss und einer tollen Festhandlung hier direkt vor dem Rathaus, wo die Grundschulkinder mit Lampions auf das Rathaus zulaufen. Dieses Kinder- und Heimatfest ist aus der hohenzollerischen Region nicht mehr wegzudenken."

Dazu kommt jährlich die Fasnet, die laut Hahn in Hechingen einen besonderen Raum einnimmt und bei dem alle Bevölkerungsteile begeistert mitwirken. Ebenso erfreuen die Ladies Open als Weltranglisten Damen-Tennisturnier und im Freilichtmuseum Hechingen-Stein das Event "Römer im Schein der Fackeln". Auch im neuen Jahr ist einiges geplant.

"Auch im Jahr 2024 wird natürlich wieder unser Kinder- und Heimatfest stattfinden und auch die Fasnet wird bereits jetzt geplant. Wir haben das ganze Jahr über in unserer Stadthalle im Museum viele kulturelle Veranstaltungen, die unser Kulturamt organisiert; vom klassischen Theater über Theater für Kinder und Jugendliche ist für alle Altersgruppen in Hechingen was geboten."

Auch im Hohenzollerischen Landesmuseum sind wieder Sonderausstellungen geplant.

Daran schließen sich noch einige Jubiläen an – Die boso Ladies Open finden zum 25. Mal statt, und auch einige Vereine feiern Jubiläum. 2024 bietet für Hechingen also neben einigen politischen Herausforderungen auch eine Menge Schönes.

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