Kretschmann beim Besuch der Alten Weberei | Bildquelle: RTF.1

Tübingen:

"Stolz auf diese Stadt": Ministerpräsident Kretschmann besucht Alte Weberei

Stand: 16.08.22 16:53 Uhr

Immer weniger Menschen können es sich leisten, in Tübingen zu wohnen. Bezahlbarer Wohnraum ist knapp und wird immer knapper. Dem will die Stadt schon seit Jahren entgegenwirken. Auf dem ehemaligen Egeria-Gelände in Lustnau zum Beispiel, heute bekannt als Alte Weberei, hatte die Stadt selbst die Grundstücke gekauft und an private Baugruppen verkauft, die sich mittlerweile in Hausgemeinschaften gewandelt haben. Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat im Rahmen des von der Landesregierung angestoßenen Strategiedialogs Wohnen am Dienstag die Alte Weberei und weitere Bauprojekte besucht, um sich ein Bild zu machen.

Die Alte Weberei in Tübingen-Lustnau. Einst floss hier der Neckar, dann wurde das Flussbett verfüllt und die Firma Egeria gebaut. Heute dominieren Mehrfamilienhäuser das Stadtviertel, errichtet von Baugruppen. "In der alten Weberei ist spannend, dass man da sehen kann, dass man Städtebau mit ganz anderen Akteuren machen kann, als man sie normalerweise kennt", sagte Baubürgermeister Cord Soehlke. "Man braucht nicht immer zwingend nur die großen Bauträgergesellschaften oder Wohnungsbaugesellschaften, die können auch eine Rolle spielen, aber Privatleute, private Baugemeinschaften, ganz viele verschiedene Menschen einer Stadtgesellschaft können so ein Stadtviertel bauen", so Soehlke.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann wollte sich das mit eigenen Augen ansehen. Der Hintergrund: Die Landesregierung hatte vor eineinhalb Monaten den Strategiedialog Wohnen gestartet. Das Ziel ist es herauszufinden, welche Bau-Regulierungen für mehr bezahlbaren Wohnraum sorgen und welche eher hinderlich sind.

"Ich erhoffe mir von diesem Strategiedialog, dass es diese vielen Schrauben in diesem ganzen komplexen Gefüge gedreht bekommt", so Kretschmann, "dass wir wirklich mal einen Sprung nach vorne machen, weil immer nur an einer Schraube zu drehen, genügt nicht, weil man sieht: das hat oft Kolleratalwirkung. Dann funktionieren die Regeln nicht wie etwa die Mietpreisbremse."

Bei einem Rundgang machte sich der Ministerpräsident ein Bild vom Stadtviertel. Vor zehn Jahren, so Baubürgermeister Soehlke, sei hier noch ein desolates Industriegelände gewesen. Heute sei es ein blühendes Stadtviertel geworden – die neue Heimat vieler Menschen.

Einige von ihnen konnte Kretschmann im Café Viertel Vor persönlich kennen lernen. Das Café ist im Haus einer Baugruppe untergebracht und dient außerhalb der Öffnungszeiten der Hausgemeinschaft als Treffpunkt. Mehrere Familien mit Kindern hatten sich hier zu einer Baugruppe zusammengetan. "Die Tübinger sind schon besonders innovativ", sagte Kretschmann. "Deswegen bin ich ja auch hier." Noch ein Gruppenfoto der Baugruppe mit Ministerpräsident und Bürgermeistern, dann ging es weiter.

Auf dem Queck-Areal wird noch gebaut. Hier entsteht das nächste Stadtviertel, die Aeulehöfe. Die Volksbau Tübingen errichtet hier Mietwohnungen. Preisgünstig und ökologisch sollen sie sein.

Zwischen Gartenstraße und Neckar dann dieser Gebäudekomplex – eine etwas ungewöhnliche Mischung aus Baugruppe und Flüchtlingswohnen. "Wir haben 2016 wie alle Kommunen das große Problem Flüchtlingswohnen gehabt in der Stadt", sagte Soehlke. "Wir haben uns für einen besonderen Weg entschieden und haben Restflächen in der Stadt – wir stehen jetzt auf einer Stadtwerke-Brache – genommen und haben dort Häuser hingestellt, die nicht für fünf oder zehn Jahre stehen sondern für 50 oder 100 Jahre stehen und die ganz bewusst von Anfang gemischt sind."

Das Ergebnis war die Bauherrengemeinschaft Wolle+ – 13 Privatpersonen hatten sich hier zusammengetan. Für Ministerpräsident Kretschmann ein besonders beeindruckendes Projekt. "Wie in dieser Stadt doch eine große Solidarität da ist, die dann auch sich bis in so konkreten Dingen wie das Bauen hinein generiert, das ist schon denke ich eine große Besonderheit von Tübingen, und das freut einen und macht einen auch stolz auf diese Stadt", sagte Kretschmann.

Im Zentrum der Anlage steht das Brückenhaus – ein Veranstaltungsort und sozialer Treffpunkt zugleich. Hier werden Nachbarschaftskonflikte geschlichtet, aber auch Sprachseminare gegeben. Baubürgermeister Soehlke: "Das Brückenhaus ist ein Treffpunkt, der nicht nur für dieses Haus oder für diese beiden Häuser sondern für das gesamte Quartier, für den gesamten Stadtraum so eine Art Stadtteiltreff in Zukunft wird, und der ist ganz bewusst auch an einer Stelle jetzt erzeugt, wo gerade eben geflüchtete Menschen wohnen, weil wir glauben, dass es gut ist, wenn die Stadtgesellschaft und die Geflüchteten hier einen Ort haben, wo sie zusammenkommen."

Nicht weit vom Brückenhaus entfernt, am Stauwehr, entsteht eine neue Brücke über den Neckar – nur für Fahrräder. Sie ergänzt die bisherige Fußgängerbrücke, die zusätzlich weiter bestehen bleibt.

Von dort aus ging es für Ministerpräsident Kretschmann weiter in Richtung Landratsamt, wo ein Besuch bei TüNews International auf dem Programm stand.

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