Denkmal zum Pfullinger Frauenaufstand | Bildquelle: RTF.1

Pfullingen:

Denkmal zum Frauenaufstand: wird die Darstellung dem historischen Ereignis gerecht?

Stand: 17.02.22 17:17 Uhr

Die Stadt Pfullingen soll ein Denkmal bekommen, das an den bekannten Frauenaufstand im Jahr 1945 erinnert. Der Entwurf steht bereits fest, doch die aus Pfullingen stammende Ellen Junger war damit nicht zufrieden und hat eine Petition ins Leben gerufen. Wir haben mit ihr und auch mit Pfullingens Bürgermeister Stefan Wörner sowie dem Stadtarchivar Stefan Spiller gesprochen.


Im April 1945 sollten Panzersperren in Pfullingen den Vormarsch der französischen Truppen verhindern. Doch Orte, die sich wehrten, liefen Gefahr, beschossen zu werden. Die Frauen Pfullingens wollten nicht, dass dieses Schicksal auch ihre Stadt ereilte. Mutig begannen sie, die Panzersperren abzubauen. NS-Kommandant Julius Kieß wollte sie davon abbringen, was zu einem lautstarken Aufstand der Frauen vor dem Rathaus und zur Flucht von Kieß führte. An diesen Widerstandsakt der Pfullingerinnen soll nun ein Denkmal erinnern. 

Die "X" auf dem Entwurf für das Denkmal stehen für die Panzersperren, die die Frauen in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges abgebaut haben. Oben drüber die Inschrift, die auch auf den Protest vor dem Rathaus eingeht. Entworfen hat das der Reutlinger Grafiker Christoph Dohse. Der Pfullinger Verwaltungsausschuss hat im Dezember 2021 dann grünes Licht für das Projekt gegeben.

Kritik: Symbolik "gibt Männern mehr Platz als den Frauen"

Mit dem Entwurf war Ellen Junger nicht zufrieden, weshalb sie eine Petition ins Leben gerufen hat (die Petition finden Sie hier). Darin kritisiert sie, dass ihrer Ansicht nach wichtige Namen auf dem Denkmal nicht genannt werden, wie zum Beispiel Sofie Schlegel und Luise Walker. Schlegel ging den Quellen nach den Franzosen in einem weißen Kleid entgegen. "Es ist ganz selten, dass Frauennamen in der Geschichte überliefert werden und hier haben wir welche, Zeitzeugen berichten davon, und dann find ich's wichtig, die auch zu nennen", so Junger. Das würde Geschichte greifbarer machen.

Ihr zweiter Kritikpunkt betrifft die Inschrift. Ihrer Ansicht nach ist diese zu hoch und somit schlecht lesbar. Auch eine Blindenschrift fordert sie zusätzlich. Der dritte Kritikpunkt: das Symbol der Panzersperren. Die Panzersperren seien von Männern errichtet worden und damit werde nicht der Mut der Frauen in den Vordergrund gestellt.

Quellen heben keine Frau stärker hervor als andere

Stadtarchivar Stefan Spiller war der Leiter der Arbeitsgruppe, die im Jahr 2020 einberufen wurde, um über ein mögliches Denkmal zu diskutieren. Die Arbeitsgruppe bestand aus weiblichen und männlichen Gemeinderatsmitgliedern. Zusammen näherten sie sich dem historisch komplexen Ereignis an, dabei arbeiteten sie mit Quellen aus dem Archiv. Vor dem Hintergrund der vielen Unwägbarkeiten wurde beschlossen, niemanden namentlich zu erwähnen.

Diese Entscheidung findet auch Bürgermeister Wörner richtig: Die historischen Quellen würden nicht exakt den Hergang konstruieren und deutlich machen, wer hier die federführende Rolle getragen habe.

Das Konzept des Denkmals sei außerdem so aufgebaut, dass man über einen QR-Code auf eine Website komme, die auch immer ergänzt werden könne. Dort könne auch auf konkrete Namen eingegangen werden. Der QR-Code werde barrierefrei zugänglich sein, so Wörner, und man könne sich die Infos und den Text der Stele über den Code vorlesen lassen.

Zu der Art, wie der Frauenaufstand auf dem Denkmal symbolisiert wird, meint der Bürgermeister: "Ich denk, da kann man verschiedene Perspektiven einnehmen. Ich erkenne an der symbolisierten Panzersperre kein männliches Symbol." Für ihn stelle es die Beseitigung der Panzersperren dar. "Da wird die Leistung der Frauen in keinster Weise geschmälert."

Insgesamt sieht der Bürgermeister die Diskussion um die Stele positiv: sie habe bewirkt, dass das Thema in der Öffentlichkeit wahrgenommen werde und nicht in Vergessenheit gerate. Die Stele ist bereits in Produktion, sie soll noch in diesem Jahr auf dem Marktplatz angebracht werden.

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