Landtagswahl 2021 | Bildquelle: RTF.1

Baden-Württemberg:

Klimaliste erreicht 0,9 %: "Wähler haben wohl den Grünen noch einmal ihr Vertrauen geschenkt"

Stand: 15.03.21 12:22 Uhr

Mit einem Wahlergebnis von 0,9% blieb die neu gegründete "KlimalisteBW" weit abgeschlagen hinter allen Erwartungen und Befürchtungen zurück. Vor der Wahl hatten die Landes-Grünen intern befürchtet, dass bis zu 4% der Grünen-Wählerstimmen an die "KlimalisteBW" verloren gehen könnten. Wie die Klimaliste selbst ihr Wahlergebnis sieht, und warum deren Wähler nun "Druck auf die gewählten Abgeordneten" ausüben sollen, lesen Sie hier:

Die Klimaliste Baden-Württemberg (KlimalisteBW) hat - knapp sechs Monate nach ihrer Gründung - bei der Landtagswahl einen Stimmenanteil von 0,9 Prozent erreicht. Das teilte die  kürzlich gegründete Partei in einer Presseinfo mit.

Die Partei, der jüngst vom Spiegel und anderen Medien eine Verquickung nebst unstattlicher Nähe zur "fridays for future" - Bewegung vorgeworfen wurde, sieht ihr Abschneiden als Erfolg:

In den sechs Monaten nach ihrer Gründung Ende September 2020 habe die KlimalisteBW sämtliche Wahlhürden genommen und Kandidaten in 67 von 70 Wahlkreisen aufgestellt, so Vorstandsmitglied Alexander Grevel: „Wir haben großartige Arbeit geleistet", sagte Cordula Markert, designiertes Vorstandsmitglied der KlimalisteBW. Deren Wähler vereine der Mut, „eine positive gerechte Zukunft zu denken, zu wagen und danach zu handeln."

Intern hatten die Grünen einige Monate vor der Landtagswahl befürchtet, dass sie bis zu 4% ihrer Wählerstimmen an die Klimaliste verlieren könnten. Dies hat sich nicht bewahrheitet. Im Gegensatz zu den zum zweiten Mal landesweit angetretenen, bürgerlichen "Freien Wählern", die auf Anhieb rund 3% der Wählerstimmen auf sich vereinigen konnten, blieb die Klimaliste unter einem Prozent der Stimmen.

Trotz der corona-bedingten Einschränkungen im Wahlkampf habe man bei der Wahl etwa 42.220 Wähler überzeugen können,  kommentierte Grevel das Wahlergebnis. Zum Vergleich: Für die Landesgrünen haben sich  1,6 Millionen Wähler entschieden.

„Wir haben im Wahlkampf konsequenten und sozial gerechten Klimaschutz zum landesweiten Top-Thema gemacht", sagte Grevel. Er  bedankte sich neben den Unterstützern der Partei auch "bei den über 400 Mitgliedern der Partei" für ihren unermüdlichen Einsatz. Die KlimalisteBW werde nun weiter Druck machen:

„Wir wollen die progressiven Kräfte stützen, damit in den Koalitionsverhandlungen endlich wirksame Maßnahmen beschlossen werden", sagte Grevel: „Es motiviert uns, dass so viele Menschen sich dafür entschieden haben, das wichtigste Thema unserer Zeit in die Hände unserer jungen Partei zu geben."

Man freue sich, dass die Grünen stärkste Kraft geworden sind und "wünschen ihnen den Mut, den es braucht, um konsequenten Klimaschutz voranzubringen", sagte Saskia Knispel de Acosta, ebenfalls designiertes Vorstandsmitglied. Die KlimalisteBW habe mit ihrem Wahlantritt grüne Themen gestärkt, davon habe auch die Regierungspartei profitiert:

„Die Menschen haben wohl den Grünen noch einmal ihr Vertrauen geschenkt", sagte die Kandidatin für den Wahlkreis Karlsruhe I: „Wir hoffen, dass sie dem in den kommenden fünf Jahren gerecht werden." Auch Knispel de Acosta kündigte an, die KlimalisteBW werde die Koalitionsverhandlungen kritisch begleiten.

Ihre Wähler rief die Klimaliste dazu auf, jetzt durch Anrufe, E-Mails oder Briefe Druck auf die gewählten Abgeordneten auszuüben. Das sei gerade während der Koalitionsverhandlungen "extrem wichtig, damit der Focus auf einem "sozial gerechten Klimaschutz" bleibe.

Das Wahlergebnis der Klimaliste von unter einem Prozent der Stimmen ist zugleich auch eine erste realistische Einordnung der unerwartet ziemlich begrenzten Stärke und Relevanz der "fridays for future" - Bewegung - jenseits der bisherigen medialen Wahrnehmung als Massenbewegung.

Freilich bröckelte das mediale Wohlwollen vieler bundesdeutscher Redaktionen für "fff" in den vergangenen Monaten offenbar im gleichen Maße ab, wie die "fff"-Bewegung nach Gründung der Klimaliste als Konkurrenz zu den Grünen wahrgenommen wurde.

Während die Klimaliste ihre Nähe zur "fff"-Bewegung in einem - juristisch allerdings vollständig bedeutungslosen - Dementi bestreitet, finden sich doch im Wahlkampf-Material der Klimaliste identische Schlagworte, wie sie auch die "fff"-Bewegung verwendet, und mit denen die "fff"-Anhänger in den letzten Jahren ausgiebig imprägniert wurden. 

Mehr als auffällig war im Landtagswahlkampf auch, welche Landtags-Kandidaten zu manchen "fff"-Wahlpodien eingeladen waren: Neben den Kandidaten der etablierten Parteien fand sich von den klima-affinen Kleinparteien lediglich die Klimaliste auf dem "fff"-Podium wieder. Andere Klima-Kleinparteien, wie die ÖDP oder Volt, blieben dagegen außen vor.

Quelle: Eigene Recherche, PM KlimalisteBW

 

Erstveröffentlichung: 15.03.2021-03:17

WERBUNG:



Seitenanzeige: