Widmann Mauz Prange Butter | Bildquelle: RTF.1

Tübingen/Baden-Württemberg:

Über Verschwörungstheoretiker und Querdenker - Austausch mit Staatsministerin Widmann-Mauz

Stand: 22.01.21 17:25 Uhr

Die Corona-Pandemie und die Lockdowns sorgen für Existenzängste, Wut und Sorge bei den Bürgerinnen und Bürger. Staatsministerin Annette Widmann-Mauz fürchtet eine Zunahme der Verschwörungstheoretiker in dieser unsicheren Zeit. Doch sind es in der Pandemie tatsächlich mehr geworden? Darüber diskutierte die Staatsministerin unter anderem mit dem Tübinger Bestsellerautor Autor Dr. Peter Prange, dem Professor für Amerikanistik an der Uni Tübingen, Dr. Michael Butter, und der Tübinger CDU-Landtagskandidatin Diana Arnold bei einem digitalen Stammtisch.


Verschwörungstheoretiker und Querdenker stehen nun auch im Fokus des Verfassungsschutzes. Staatsministerin Annette Widmann-Mauz wollte deshalb von der Tübinger CDU-Landtagskandidatin Diana Arnold wissen, welche Erfahrungen sie mit eben jener Gruppe gemacht hat. Die dreifache Mutter und Polizeibeamtin erzählt, dass auch ihre Kinder massive Drohungen erhalten hätten. Allerdings habe es auch sachliche und gute Diskussionen gegeben. Man sollte auf einer sachlichen Ebene kommunizieren, so Arnold, und auch gegensätzliche Meinungen stehen lassen können.

Da wendet der Tübinger Bestsellerautor Dr. Peter Prange ein, dass viele Bürger das Gefühl hätten, dass die Regierungsmeinung die einzig richtige sei. Ganz viele, die sich jetzt in dieser "dubiosen Koalition" von Esoterikern und linken und rechten Spinnern wiederfänden, hätten das Gefühl, sie würden nicht mehr gehört, wenn sie eine andere Meinung vertreten würden. Die Leute würden langsam sauer, so der Autor, und das aus guten Gründen, da es ihnen oftmals an die Existenz ginge.

Unter den Kritikern befänden sich dennoch auch Verschwörungstheoretiker, die laut Widmann-Mauz immer mehr werden und auch immer mehr Anhänger finden. Dem widerspricht Prof. Dr. Michael Butter. Der Professor an der Uni Tübingen forscht unter anderem über Verschwörungstheorien. "Verschwörungstheorien nehmen nicht zu aufgrund der Corona-Pandemie", so der Professor für amerikanische Literatur und Kulturgeschichte. Eine Reihe von Studien würde dies belegen. Nach wie vor sei rund ein Drittel der Deutschen für Verschwörungstheorien empfänglich.

Da müsse man allerdings unterscheiden: bei ungefähr 10 Prozent würden solche Theorien ihre Identität bestimmen. Die Mehrheit hingegen richte ihr Leben nicht danach aus. Also ist die Anzahl an Verschwörungstheoretikern de facto nicht gestiegen, warum der ein oder andere aber vielleicht dieses Gefühl haben könnte, erklärt Butter: sie seien nur extremer geworden und sie würden jetzt ihren Mund aufmachen, da es nun an ihre Rechte ginge, wenn sie ihren Beruf nicht ausüben könnten oder ihre Familie nicht sehen dürften. Sie würden das Gefühl haben, nun persönlich Opfer der Verschwörung geworden zu sein.

Man müsse aber verhindern, dass Kritiker der Maßnahmen dahin abrutschen, so Prange. Er ist der Meinung, dass die veröffentlichte Meinung derart unisolo darin sei, was zu tun und was nicht zu tun sei, dass jeder, der sich querstellt, gleich in Generelverdacht gerate. Und solche Leute würden dann Gefahr laufen, in diese Gruppen hineinzudriften.

Leute wie Palmer, die eine kontroverse Meinung vertreten, sollten nicht dermaßen attackiert werden, meint Prange.

Tübingens Weg finde aber auch Widmann-Mauz gut. In einer Demokratie sei es wichtig, gesprächs- und dialogfähig zu bleiben und am Ende auch kompromissbereit, so die Staatsministerin abschließend.

WERBUNG:



Seitenanzeige: