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Tübingen:

Die Zeit drängt - Ministerpräsident und Forstminister besichtigen Schäden im Schönbuch

Die trockenen Sommer setzen den Wäldern zu und begünstigen die Verbreitung von Schädlingen. Auch im Schönbuch sind neuartige Waldschäden in großem Ausmaß aufgetreten. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hat deshalb den Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und den Forstminister Peter Hauk eingeladen, die Schäden vor Ort zu besichtigen.

Oberbürgermeister Boris Palmer spricht von einem neuen Waldsterben, wenn er über die besorgniserregenden Zustände in seinem Stadtwald spricht. Die Universitätsstadt ist Eigentümer von 1.900 Hektar Wald, ein Großteil davon befindet sich im Schönbuch.

Genau hier hat er sich mit Ministerpräsident Kretschmann und Forstminister Hauk getroffen, um zusammen mit Revierförster Thomas Englisch das Ausmaß der Waldschäden aufzuzeigen.

Denn nach zwei Dürresommern und einen immer noch zu trockenen Sommer 2020 sind die Wälder in Deutschland im sogenannten Trockenstress. Und das betrifft nicht mehr nur Nadelhölzer wie Fichten oder auch Tannen – sondern so wie hier im Schönbuch auch die Buchen. Solch geschädigte Bäume werden dann auch von Schädlingen wie dem Borkenkäfer befallen. Deutlich sichtbar: kahle Stellen in den Baumkronen, dünne oder herabfallende Rinde.

In solch einer Massivität hätte sich Kretschmann die Schäden nicht vorgestellt, berichtet er erschüttert. Die Schäden seien auch für Laien mittlerweile sichtbar, dass sei ein schlimmer Zustand. Das nun sogar die Buchen, die ja eigentlich zur natürlichen Vegetation gezählt würden, unter Stress stehen, sei ein großes Ausrufezeichen an die Politik, so der Ministerpräsident. Ein Zeichen den Kampf gegen den Klimawandel ernst zu nehmen und verstärkt voranzutreiben, so Kretschmann.

Konnte man beim „alten Waldsterben" eine Ursache des sauren Regens relativ schnell durch die Entschwefelung von Verbrennungsanlagen regulieren, zeigt sich das „neue Waldsterben" komplexer. Um den Kampf gegen den Klimawandel gewinnen zu können, müsse vor allem an den großen Stellschrauben gedreht werden. So müssten die fossilen Roh- und Brennstoffe von der Volkswirtschaft abgekoppelt werden. Der weltweite Ausstieg aus der Kohleverstromung sei aber das allerwichtigste und dringendste Ziel, so Kretschmann.

Oberbürgermeister Boris Palmer möchte auch aus diesem Grund, dass sein Tübingen bis 2030 klimaneutral ist. Um dies zu erreichen hat er aber auch eine konkrete Forderung an die Politik. Er möchte Modellkommune werden, um die Chance zu haben, Neues auszuprobieren. Er möchte die rechtliche Lage bekommen, Hauseigentümer verpflichten zu dürfen, Solaranlagen auf ihre Dächer zu bauen. Nur so hätte man eine Chance von Kohle, Atom und Öl wegzukommen, erklärt Palmer.

Ob Kretschmann ihm diesen Wunsch erfüllen wird, bleibt abzuwarten. Denn das Anliegen müsse erst genau geprüft werden. Der Besuch im Schönbuch hat dem Ministerpräsidenten auf jeden Fall einmal mehr vor Augen geführt, dass die Zeit drängt.

(Zuletzt geändert: Sonntag, 13.09.20 - 16:04 Uhr   -   769 mal angesehen)
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