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Stuttgart:

Lockerungen bringen laut IHK kaum Erfolg für den Handel

Die vor kurzem vom Land erlaubten Lockerungen im Einzelhandel bringen nicht die erhoffte Besserung für die Branche. Das zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart.
Handelsverband

39 Einzelhändler und 41 Großhändler aus der Region Stuttgart haben an der IHK-Umfrage teilgenommen. Fazit: „Der große Ansturm auf die Innenstädte ist leider ausgeblieben. Die Corona-Krise dämpft das Interesse und die Freude am Einkaufen bei vielen Kunden", sagt IHK-Präsidentin Marjoke Breuning. Die Nachfrage ist nicht nur im Einzelhandel ausgeblieben, auch der Großhandel klagt über weniger Nachfrage im Verhältnis zur Vorkrisenzeit. Dies wirkt sich in beiden Teilbereichen negativ auf die Beschäftigungsplanung aus. 38 Prozent der Handelsbetriebe geben an, Personal abbauen zu müssen. Knapp 60 Prozent rechnen mit gleichbleibenden Beschäftigtenzahlen und nur zwei Prozent wollen Personal aufbauen. Ein kleiner Lichtblick: Seit März 2020 ist der Anteil der Personal abbauenden Betriebe um fünf Prozentpunkte zurückgegangen.

Einzelhandel rechnet frühestens 2021 mit Normalzustand

Über 87 Prozent der Einzelhändler in der Region Stuttgart registrieren, trotz der Öffnung weniger Nachfrage, 74 Prozent berichten, dass die Kundschaft um bis zu 50 Prozent abgenommen hat. Immerhin hat sich die Zahl der Betriebe, die für das gesamte Jahr 2020 mit zweistelligen Umsatzeinbrüchen rechnen, von 88 auf 82 Prozent verringert. Durch die geringere Kundenanzahl, den Stillstand und die damit entgangenen Umsatzerlöse verzeichnen über 72 Prozent der Betriebe einen Eigenkapitalrückgang – denn die Betriebskosten laufen weiter. Fast die Hälfte der Betriebe ist jetzt gezwungen, eigene Investitionspläne zu kürzen. „Viele Innenstädte sind wie leergefegt. Wenn die Kunden weiter ausbleiben, laufen wir Gefahr, dass die Einkaufsstraßen auch nach der Corona-Krise nicht mehr so wie früher frequentiert werden", sagt Breuning. Mehr als jeder zweite Betrieb rechnet damit, frühestens im Jahr 2021 zum Normalzustand der Vorkrisenzeit zurückkehren zu können.

47 Prozent der Unternehmer reagieren mit Rationalisierung auf die Krise. 39 Prozent setzen verstärkt auf Maßnahmen der Digitalisierung. „Einige Einzelhändler, die im stationären Einzelhandel sehr erfolgreich waren, sind gezwungen ihre Ware jetzt auch im Internet anzubieten", sagt Breuning. Ob sie dabei im Wettbewerb mit bekannten Online-Riesen genauso erfolgreich sein werden wie mit dem stationären Geschäft, bleibe jedoch offen.

Großhandel spürt logistische Engpässe

Zwar konnten die Großhandelsbetriebe weiterarbeiten, dennoch spüren 71 Prozent eine geringere Nachfrage ihrer Abnehmer. Daneben sorgen auch logistische Engpässe für Schwierigkeiten bei über 41 Prozent der Großhändler. Rund 30 Prozent berichten über fehlende Waren in der Region Stuttgart. „Für alle Branchen ist es wichtig, dass globale Lieferketten wieder anlaufen und funktionieren", so die IHK-Präsidentin. Die IHK Region Stuttgart hat hierzu mit dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau eine Kontaktstelle eingerichtet. Die Experten der IHK helfen Unternehmen bei Problemen ihrer Lieferketten. Unternehmen können sich per Mail an kontaktstelle-lieferketten@stuttgart.ihk.de wenden.

Fast jeder zweite Betrieb berichtet über einen Eigenkapitalrückgang, der die Investitionspläne bei rund 40 Prozent der Unternehmen hemmt. 34 Prozent der Großhändler geben an, Personal abbauen zu müssen. „Es erschüttert mich, welche Auswirkungen die Corona-Krise auf die Existenzen von Unternehmerinnen und Unternehmern und deren Angestellte hat. Es bleibt nur die Hoffnung auf Verbesserungen", sagt Marjoke Breuning. 34 Prozent der Großhandelsbetriebe gehen davon aus, dass im 3. oder 4. Quartal eine Rückkehr zum Normalzustand möglich wird, etwa ein Drittel rechnet erst 2021 damit.

(Zuletzt geändert: Dienstag, 19.05.20 - 12:58 Uhr   -   623 mal angesehen)
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