Bayerns Ministerpräsident Markus Söder | Bildquelle: Staatskanzlei/Videoansprache

Coronavirus:

Bayern verhängt zweiwöchige Ausgangsbeschränkungen

Stand: 20.03.20 13:16 Uhr

Bayern hat wegen des Coronavirus strenge Ausgangsbeschränkungen verhängt. Ministerpräsident Söder erklärte, man müsse die Menschen schützen - "auch vor sich selbst". Weitere Geschäfte müssen schließen.

Bayern ist damit das erste Bundesland, in dem ab Mitternacht flächendeckende Ausgangsbeschränkungen gelten. Ministerpräsident Söder (CSU) begründet dies mit der Grenzlage zu Österreich und Tschechien. Aber auch damit, dass sich Menschen nicht an die Vorgaben halten. Die Corona-Lage entwickle sich in Bayern nicht gut. "Wir können nicht verantworten, zu warten." Er betonte die Formulierung "Ausgangsbeschränkungen", dies sei keine "Ausgangssperre", man wolle nicht ein ganzes Bundesland einsperren.

"Regelwerk für Unvernünftige"

Das erste Gebot sei, die Menschen zu schützen - "auch vor sich selbst", betonte Söder. "Leider sind die Berichte, die wir gehört haben, nicht sehr ermutigend. Es gibt immer noch viele, die das nicht ernst nehmen, die sich nicht an die Vorgaben halten", kritisierte Söder. "Es gibt Corona-Partys, es gibt junge Menschen, die sich einen Spaß daraus machen, Ältere anzuhusten und 'Corona' zu rufen". Menschen säßen in Cafés beisammen. Die Gastronomie wird daher auf Drive-In und Mitnahme beschränkt. "Für Unvernünftige gibt es nun ein klares Regelwerk", so Söder. "Wir können das nicht mehr akzeptieren, wir müssen etwas tun."

Altenheime dürfen nur im Sterbe- und Palliativfall betreten werden. Ein Besuchsverbot gilt auch für Krankenhäuser. Väter könnten zur Entbindung aber mit in die Klinik kommen. Die Polizei kontrolliert die Ausgangsbeschränkungen. Es drohen hohe Bußgelder bis zu 25.000 Euro.

Geschäfte weiterer Branchen müssen geschlossen bleiben, darunter zum Beispiel Baumärkte. Zur Arbeit zu gehen, bleibe jedoch erlaubt. Ausdrücklich sei auch das Einkaufen weiter möglich. Die Bayerische Staatsregierung betonte jedoch: Weder wegen einem Glas Gurken einkaufen gehen, noch Hamsterkäufe tätigen.

Dies alles diene dazu, um die Welle der Neuinfektionen abzuflachen. "Es geht um den Schutz von uns allen." Andere Bundesländer planten ähnliche Maßnahmen.

Bayern fertigt Schutzmasken selbst - Lieferungen verschwunden

Bayern richtet an der Messe München ein eigenes Lager für Hygieneprodukte ein. Ein Autozulieferer, der sonst Autositze produziere, fertige jetzt Atemmasken. Man fertige jetzt in Bayern selbst, weil es Lieferverzögerungen gegeben habe, weil angeblich angelieferte Ware verschwunden sei, berichtete Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann erklärte, die Polizei werde ab Samstag die Ausgangsbeschränkungen kontrollieren und die Polizeistreifen verstärken. Außerdem werde kontrolliert, ob Betriebe geschlossen sind, die nicht mehr öffnen dürfen.

Die Kette an Neuinfektionen müsse unterbrochen werden, erklärte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml. Es handle sich beim Coronavirus um eine Tröpfcheninfektion, die man sich einfangen könne, wo Leute miteinander reden. Man könne weiter zur Arbeit, zum Arzt oder Einkaufen gehen. Aber alles, was nicht dringend notwendig sei, werde für 14 Tage eingeschränkt. Gerade ältere Menschen und bereits Erkrankte seien besonders gefährdet, darum würden Besuchsrechte eingeschränkt.

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