Ausstellung "Tiere im Krieg" | Bildquelle: RTF.1

Reutlingen:

Naturkundemuseum zeigt Tiere im Krieg

Stand: 24.08.14 13:44 Uhr

August 1914 – die Welt befindet sich im Ausnahmezustand. Deutschland hat Russland, Frankreich und Belgien den Krieg erklärt. Großbritannien hat mit einer Kriegserklärung an Deutschland geantwortet. Immer mehr Mächte stürzen sich in eine Auseinandersetzung, die damit zum ersten Weltkrieg ausartet. 10 Millionen Soldaten und geschätzte 7 Millionen Zivilisten lassen ihr Leben. Die Zahl der Tiere, die Opfer des Krieges wurden, ist dagegen nicht bekannt. Dabei waren auch sie zu tausenden im Einsatz. Denn schon seit 4000 Jahren nutzt der Mensch ihr Potenzial für seine militärischen Zwecke. Eine Ausstellung im Reutlinger Naturkundemuseum zeigt jetzt die unterschiedlichen Rollen der "Tiere im Krieg".

Eine Antilope war bereits im Kriegseinsatz -  ebenso wie Rentiere. Und auch Käfer waren schon an der Front.  Ob sie wollten oder nicht – sie hatten keine Wahl. Sie waren das animalische Potenzial, das sich der Mensch für seine Zwecke zu Nutze machte. "Eigentlich ist es naheliegend für den Menschen, Tiere zu nutzen", erklärt Barbara Karwatzki, die Leiterin des Naturkundemuseums. "Seitdem er sesshaft geworden ist und Ackerbau und Viehzucht betreibt, hat er ja Haustiere, und ob diese Tiere jetzt Pflüge ziehen oder Streitwagen, ob sie den Hof bewachen oder militärische Anlagen: Er hat die Tiere einfach mitgenommen in den Krieg."

Esel transportieren schwere Lasten, Gänse warnen vor angreifenden Feinden, Ratten erschnüffeln totbringende Tretminen, und Bären halten die Moral in der Truppe in harten und entbehrungsreichen Kriegszeiten aufrecht. "Hunde sind die vielfältigsten Tiere im Kriegseinsatz", so Karwatzki. "Als Minenschnüffler, als Wachhunde, als Sanitätshunde, um Verwundete zu bergen, als Nachrichtenhunde - also, genau wie Tauben haben sie ein Halsband bekommen mit Nachrichten zum Überbringen oder mit Kabeltrommeln auf dem Rücken, um Kabel im Frontbereich zu verlegen."

Oder auch als lebende Bomben. Auf welch perfide Ideen der Mensch dabei kommt, zeigt das amerikanische Projekt der Bat-Bombs – der Fledermausbomben im zweiten Weltkrieg. Der Plan: Fledermäuse mit Bomben bestückt über dem Feind abzuwerfen und die Sprengsätze, wenn die Flieger sich damit in den Häusern eingenistet haben, per Zeitzünder explodieren zu lassen. Aber auch viel, viel kleinere Tiere fanden sich fluchs im Kriegseinsatz wieder: Glühwürmchen spendeten unauffällig Licht im Feld, um Befehle und Karten zu lesen, und Bienen dienten als lebende Geschosse. "Nicht nur im Mittelalter, nicht nur in der Steinzeit, sondern auch auf dem Meer zum Beispiel", sagte Karwatzki. Mittlerweile dienten die Insekten auch als Sprengstoffschnüffler.

Weinbergschnecken reagieren auf das Kontaktgift Senfgas, und Seelöwen sind ideale Minensucher unter Wasser.  Ausgebildet helfen sie den Soldaten sogar dabei, die Sprengsätze unschädlich zu machen. Der Mensch verlässt sich auf seine tierischen Mitstreiter.

Beispiel Kamele: "Wenn Sie einen langen Wüstenritt planen, um eine Stadt wie der berühmte Lawrence von Arabien quer durch die Wüste einnehmen zu können, weil alles andere durch die Türken abgedeckt war, dann müssen Sie einfach Ihr Leben diesen Tieren über lange Kilometer anvertrauen", so Karwatzki. "Und die Tiere müssen das auch schaffen; sonst sind sie mit tot." Mehr über die ganz persönliche Geschichte eine Kanarienvogels, über das Dasein als Maskottchen und Rohstofflieferant und über das Schlachtentier schlechthin - das Streitross - erfahren Besucher des Naturkundemuseums noch bis zum 26. Oktober in der Sonderausstellung "Tiere im Krieg".

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