Tablets in der Schule | Bildquelle: RTF.1

Reutlingen:

Tablets statt Tafel

Stand: 24.01.14 19:06 Uhr

Schüler, die Kopfhörer auf den Ohren haben und nicht auf die Tafel schauen, sondern auf einem Tablet-PC herumspielen das sehen die meisten Lehrer gar nicht gerne. Wenn es sich dabei aber um eine besondere Form des Unterrichts handelt, ist das in Ordnung. Am Reutlinger Friedrich-List-Gymnasium ist das jetzt zumindest für drei Wochen selbstverständlich.

"Digitale Bildung neu denken" – an diesem Schulwettbewerb nimmt der Geschichtskurs der Oberstufe vom Friedrich-List-Gymnasium zur Zeit teil. Dafür gabs einen kompletten Satz an Tablet-PCs und Internetzugang für die Schüler. Der Zweck sei tatsächlich, digitale Medien in den Unterricht zu integrieren, erklärte Rainer Lupschina, Lehrer am Friedrich-List-Gymnasium. Aber in einer Form, dass sie auch genutzt werden könne, ohne dass sie die Zeit im Unterricht fressen würden. Und zum zweiten sei es ein modernes Medium. Die Lehrer kämen nicht mehr drum herum, das mit einzuführen und den Kindern zu zeigen, wie man damit umgehe. Für die Dauer des Projekts hat der Geschichtslehrer also die grüne Tafel gegen einen großen Monitor eingetauscht. Der Unterrichtsstoff ist der gleiche wie der im Lehrbuch, aber: Der Unterricht sei laut Lupschina recht individualisiert. Das bedeute: Über zehn Stunden hinweg würden die Schüler jeweils Aufgaben erhalten. Die Aufgaben hätten sie bereits in der ersten Stunde erhalten und sie könnten selbst wählen, was sie denn machen wollen. Es seien ganz unterschiedliche Typen von Aufgaben: einerseits Medienbearbeitung, zum andern aber auch Textbearbeitung, Text eingeben – also ganz traditioneller Unterricht – oder Podcasts erstellen, Filme zuschneiden und etwas in der Art. Die Rolle des Lehrers verändere sich dabei. Seine Hauptaufgabe liege jetzt in der Vorbereitung und der Anleitung. Die Schüler arbeiten überwiegend selbständig. Denen macht die andere Lernmethode auf jeden Fall Spaß. Die Schülerin Jaqueline Kruse finde es echt ein gutes Projekt, weil man halt mal lerne, Unterricht anders zu machen oder sich nicht immer nur berieseln zu lassen, sondern einfach mal selber zu arbeiten. Und man habe auch immer die Chance, was im Internet nachzugucken. Und man habe nicht immer nur Papierkram um sich rum. Vorteilhaft sei auch, dass die Schüler keine schweren Bücher mitschleppen müssten. Allerdings gebe es keine Möglichkeit, gleichzeitig etwas im Internet anzuschauen und sich dabei Notizen zu machen. Eine Alternative zum herkömmlichen Unterricht sei es laut Lupschina nicht. Es sei eine großartige Ergänzung und eine Erweiterung. Aus verschiedenen Gründen lasse sich das auch gar nicht ersetzen. Der traditionelle Unterricht, das merke man in der Vorbereitung, sei sehr strukturiert. Die Bücher seien sehr sehr klar. Also zum Teil habe der Lehrer die Buchtexte vermisst in der Vorbereitung. Den Schulranzen könnte das Tablet also vielleicht irgendwann ersetzen – den traditionellen Unterricht aber wohl nicht so schnell. Und wenn das Projekt beendet ist, wird auch Rainer Lupschina wieder mit der Kreide und einem dicken Geschichtsbuch an der Tafel stehen.
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