Bestattungsrituale | Bildquelle: RTF.1

Tübingen:

"Diesseits, Jenseits, Abseits" - Studenten entführen in die Welt des Todes

Stand: 27.07.14 16:00 Uhr

Der eigene Tod ist ein Thema, mit dem sich wohl keiner gerne auseinandersetzt. Dabei ist die Vergänglichkeit des Lebens das, was allen Menschen auf der Welt gemein ist. Egal wo auf diesem Planeten, welche Kultur und welche soziale Stellung im Tod sind sich alle gleich, denn wir alle müssen einmal sterben. Ein düsteres Thema mit dem sich Studierende der Ethnologie der Universität Tübingen jetzt auseinandergesetzt haben. Mit geringen Mitteln haben sie im Fünfeckturm des Schlosses Hohentübingen eine Ausstellung auf die Beine gestellt. Und die ist jetzt für die Öffentlichkeit zugänglich.

Was auf uns ein wenig makaber wirkt, ist in Mexiko Tradition, nämlich das man die Toten feiert. Einmal im Jahr – am sogenannten "Dia de los Muertes" – kommen sie ins Diesseits zurück und zelebrieren mit den Lebenden ein buntes, ausgelassenes Fest. Dazu gehören auch Gabentische mit Essen und Trinken darauf, die Gäste aus dem Totenreich müssen sich schließlich für ihre lange Heimreise stärken.

Das sei eine Tradition von den Vorfahren der Mexikaner gewesen, erklärt Ethnologiestudentin Anna Nolden. Die hätten sehr viele Opfer gebracht und den Tod geehrt, indem sie Feste gefeiert hätten. Später als die Spanier gekommen seien, hätten die das verbieten wollen und es habe sich ein bisschen verändert. Man würde auf den Totanaltären auch christliche Symbole, Jesusdarstellungen, etc. sehen, was früher nicht so gewesen sei, weil die Mexikaner früher noch keine Christen gewesen seien und so habe das eben auch verändert.

Jede Kultur geht anders mit dem Verlust geliebter Menschen um. In Südsibirien etwa versuchen die Hinterbliebenen mit Hilfe von Schamanen, die sich in Trance trommeln, mit dem Verstorbenen in Kontakt zu treten. Bei den Merina in Madagaskar werden die Toten zweimal bestattet. Doch so unterschiedlich die Rituale auch sein mögen, sie dienen alle dazu, mit der Vergänglichkeit des Lebens umzugehen.

Man könne natürlich auch anfangen zu übedenken wie man selbst mit dem Tod umgehe, das sei jedem freigestellt, in der Ausstellung werde halt irgendwie dazu angeregt selbst über dieses Thema nachzudenken, so Nolden. Oft werde das nämlich nicht getan, aber in der Ausstellung sei es eben sehr schön, weil es dort eben so ein selbstverständlicher Umgang mit dem Tod sei.

Was leckeres zu Essen fürs Jenseits oder andere nützliche Dinge – in China kaufen die Angehörigen teilweise Grabbeigaben aus Papier, die sie dann verbrennen. Dadurch – so der Glaube – werden die Gegenstände im Jenseits real.

In Ghana sei es so, wenn jemand bestattet werde, werde er in einem Sarg bestattet, der so geschnitzt und so bemalt sei, dass es die Tätigkeit des Toten repräsentiere, weiß die Studentin. Man habe als Beispiel einen Sarg der aussehe wie ein Bus, weil der Tote der darin liege ein Busfahrer sei. Das sei sehr schön, das eben ein Charakter oder eine Eigenschaft des Toten in dem Sarg wieder gezeigt werde.

Aspekte der Lebenswelt des Toten bilden auch die Steigbügelgefäße der Moche aus Nordperu ab. Mehr internationale Bestattungsrituale gibts in der Ausstellung "Diesseits, Jenseits, Abseits" noch bis zum 19. Oktober, im Fünfeckturm des Schloss Hohentübingen.

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