Streikende Busfahrer | Bildquelle: RTF.1

Reutlingen/Tübingen:

Warnstreik der Busfahrer die Nahverkehrsbusse blieben heute im Depot

Stand: 26.07.14 16:49 Uhr

In Reutlingen und Tübingen mussten heute viele auf das Auto oder das Fahrrad umsteigen. Denn die Fahrer der privaten Busunternehmen sind heute einen Tag lang in den Warnstreik getreten. Die Busse des öffentlichen Personennahverkehrs blieben also im Depot. Drei Monate lang hatten der Arbeitgeberverband WBO und die Gewerkschaft ver.di über einen neuen Tarifvertrag verhandelt ohne Erfolg. Jetzt drohen auch unbefristete Streiks. Eine Urabstimmung unter den Mitarbeitern soll darüber entscheiden.

Der Reutlinger Busbahnhof heute Vormittag – gähnende Leere. Wer sonst auf die Busse des öffentlichen Personennahverkehrs angewiesen ist, musste sich für heute eine Alternative überlegen. Die Busfahrer hatten sich im Kulturzentrum franz.K zum Warnstreik versammelt. Die dritte Verhandlungsrunde mit dem Arbeitgeberverband WBO ist gescheitert - der Frust ist groß. Denn hier hatte man sich schon auf das vorausgegangene Sondierungsergebnis eingestellt: 5,9 Prozent, verteilt auf 24 Monate.

"Dieses Sondierungsergebnis haben wir auch als Verhandlungsergebnis empfunden. Und es ist immer so, dass man bei Tarifverhandlungen einen gemeinsamen Weg finden muss. Und am Schluss steht nicht die Forderung sondern der Kompromiss. Und für uns war der Kompromiss der, der in der Sondierung von den Arbeitgebern verhandelt worden ist. Und den wären wir auch eingegangen", erklärte Martin Gross, Geschäftsführer von ver.di Fils-Neckar-Alb

Die Arbeitgeberseite hat jedoch eine ganz andere Sicht auf die Sondierungsgespräche und ihr Ergebnis. "Von einem Ergebnis zu sprechen ist schon ein bißchen dreist. Wir haben uns über WBO-Zahlen unterhalten. Beispielsweise 4,6 Erhöhung in 24-Monaten. Und wir haben uns über die Zahlen von ver.di unterhalten [...] Diese Sondierungsrunde hatte überhaupt keinen Auftrag Tarifverhandlungen zu führen. Insofern bin ich jetzt mehr als enttäuscht, das jetzt ver.di mit ihren Zahlen nach außen gehen. So geht es nicht. Wir lassen uns von ver.di nichts diktieren", reagierte Eberhard Geiger, Personalleiter RSV Reutlingen. 

Für ver.di und die streikenden Busfahrer steht alles wieder auf Anfang. Und damit auch ihre Forderung: Ein Stundenlohnplus von einem Euro und eine monatliche Verkehrszulage von 70 Euro für die mehr als 5.000 Beschäftigten in Baden-Württemberg. Dennoch werde man das Sondierungsergebnis nicht ganz ad acta legen.
"Aber die Sondierung war ein Tarifkompromiss. Und Sie werden nicht erleben dass ich heute Morgen sage, wir reduzieren unsere Forderung auf dieses Sondierungsergebnis. Sondern ich hab versucht deutlich zu machen, dass es auch von unserer Seite in den Mitgliedschaften auch nicht leicht war, für dieses Sondierungsergebnis die Leute zu gewinnen. Und da ist die Enttäuschung das nicht mal das gehalten hat, sehr groß, schilderte Martin Gross.

Die Urabstimmung unter den Mitarbeitern der privaten Busunternehmen gilt als Ausdruck dieser Enttäuschung. Davon, wie viele Mitarbeiter auf ihrem Abstimmungszettel das "JA" ankreuzen, wird abhängen, ob es zu unbefristeten Streiks kommt. Deshalb, so Gross, könne er nur an den Arbeitgeber appellieren, die Streikpause in den Sommerferien zu nutzen. Dann bestünde die Chance dass man doch noch zu einem Tarifergebnis kommen könne und kein längerer Arbeitskampf bevorstehe.

Eberhard Geiger von der RSV erklärte die Berufskraftfahrer machten einen tollen Job und würden dafür mit 15,31 Euro, plus Zuschläge, sehr gut bezahlt. Im Deutschlandvergleich bekämen sie den höchsten Lohn im privaten Verkehrsgewerbe. Eine "gewisse Schippe" könne man noch dazutun. "Aber wir können nicht auf die Forderungen von ver.di eingehen", bekräftigte Geiger.

Ein baldiger Tarifabschluss ist somit eher fraglich. Das Ergebnis der Urabstimmung wird höchstwahrscheinlich nächste Woche Mittwoch bekannt gegeben. Auch für die kommende Woche sind weitere Streiks – unter anderem in der Region Stuttgart – geplant.
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