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Hechingen:

Rudolf Böhmler zu Gast bei Neujahrs-Bürgertreff 2014 in Hechingen

Stand: 22.01.14 13:51 Uhr

Irland, Portugal, Griechenland immer mehr europäische Staaten scheinen von ihren Schulden erdrückt zu werden. Helfen muss die EU, denn die gemeinsame Währung steht auf dem Spiel. Deutschland steht im Vergleich dazu gut da trotz eigener Schulden. Ist das vielleicht mit der Bundesbank zu verdanken? Ist sie der "Stabilitätsanker" in stürmischen Zeiten? Ein Thema, über das Rudolf Böhmler, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, jetzt beim Neujahrsempfang in Hechingen sprach.

Sie rechnet für 2014 mit sprudelnden Steuereinnahmen, auch ohne Steuererhöhungen – Hechingens Bürgermeisterin Dorothea Bachmann gab sich äußerst positiv. Schon 2013 lief es diesbezüglich rund in Hechingen. Ob sich die erste Frau im Ort wohl ein paar "Geheimtipps" bei ihrem ehemaligen Chef Rudolf Böhmler geholt hat? Als Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank ist er für Finanzangelegenheiten sicherlich nicht der schlechteste Ansprechpartner. Und er warnt vor allzu großer Euphorie.
Denn mehr und mehr würde inzwischen die Einschätzung geäußert werden, das Schlimmste sei vorbei. So sehr er das uns allen wünschte: Die Krisenländer blieben anfällig und die Nervosität könne von heute auf morgen an die Finanzmärkte zurückkehren. Hätten es beispielsweise vor einigen Monaten die USA nicht geschafft, ihr dramatische Haushaltskrise abzuwenden, hätten wir in Europa ein Problem.
Deshalb müsse auch 2014 intensiv daran gearbeitet werden, Schwachstellen im Europäischen Währungssystem auszumerzen. Nur so könne die Krise nachhaltig überwunden werden.
Das eigentliche Lösen der Krise glich eher einem Marathonlauf als einem Sprint. Gefordert sei also langer Atem sowohl auf europäischer Ebene als auch insbesondere auf der Ebene der einzelnen Krisenstaaten.
Die würden sich zwar allmählich aus der Rezession herausarbeiten – dank deutlich gesunkener Zinsen, ein Problem sieht Böhmler aber weiterhin in der hohen Arbeitslosigkeit in vielen europäischen Staaten. Trotz Besserung – die einzelnen Länder müssten an sich arbeiten, die Krise lasse sich letztendlich nur überwinden, wenn: "Die Mitgliedstaaten ihre Staatshaushalte und Bankensysteme nachhaltig in Ordnung bringen und hierdurch dauerhaft das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen; die Krisenländer die nötigen Strukturreformen umsetzen, um wettbewerbsfähiger zu werden; und schließlich dadurch, dass der Rahmen der Währungsunion gestärkt und in sich stimmig ausgestaltet wird", erzählte Rudolf Böhmler.
Eine Regulierung der Notenbanken sei dazu aber nicht notwendig, so Böhmler, sie sollten unabhängig bleiben, denn sie seien ein Eckpfeiler der Währungsunion. Seine Prognose für Deutschland für das laufende Jahr sieht gut aus. Die deutsche Volkswirtschaft sei in einem guten Zustand. Es müsste schon einiges schieflaufen, dass unter den derzeitigen Bedingungen kein Aufschwung spürbar würde.
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