Brand einer Lagerhalle | Bildquelle: RTF.1

Tübingen:

Brand in Hagelloch und Fahrraddiebstahl-Serie aufgeklärt

Stand: 25.11.16 15:16 Uhr

Eine aus dem ehemaligen Jugoslawien stammende Tätergruppierung im Alter zwischen 19 und 50 Jahren steht in dringendem Verdacht, seit Juni 2015 rund 300 Diebstähle von hochwertigen Fahrrädern und etwa 100 Einbrüche in landwirtschaftliche Lagerhallen und Wertstoffhöfe begangen zu haben. Bei ihren Beutezügen soll die Gruppierung Diebesgut im Gesamtwert von rund 250.000 Euro erlangt haben. Auf das Konto der Gruppierung soll auch der Brand einer Lagerhalle in Tübingen-Hagelloch im Oktober 2016 gehen, bei dem ein Schaden von über einer Million Euro entstanden war. Gegen sieben Tatverdächtige wurden mittlerweile Haftbefehle erlassen.

Nach einem signifikanten Anstieg der Fahrraddiebstähle im Bereich von Tübingen ab Mitte des 2. Halbjahres 2016, richteten sich die Ermittlungen zunächst gegen die Benutzer eines dunklen Transporters, der im Zusammenhang mit dem Diebstahl von hochwertigen Fahrrädern aufgefallen war. In der Folge konnten weitere Personen ermittelt werden, die im Verdacht standen, an den Diebstählen beteiligt gewesen zu sein. Schnell erhärtete sich dieser Verdacht, als Beamte der Bundespolizei am 07.09.2016 auf der A8 im Bereich von Traunstein/Bayern zwei bosnische Staatsangehörige in einem Kleintransporter Fiat Ducato, mit österreichischer Zulassung, kurz vor dem Grenzübertritt kontrollierten. Im Transporter befanden sich zahlreiche im Landkreis Tübingen gestohlene Fahrräder. Beim Polizeipräsidium Reutlingen wurde daraufhin die gemeinsame, neunköpfige Ermittlungsgruppe "Ducato" aus Beamten des Kriminalkommissariats und des Polizeireviers Tübingen eingerichtet.
 
Durch verdeckte Maßnahmen konnten in der Folge nach und nach die Täterstrukturen und die einzelnen Taten nachvollzogen werden. So wurde auch bekannt, dass die Tätergruppierung ab Oktober 2016 ihr Tätigkeitsfeld auf Einbrüche in Werk- und Lagerhallen sowie Wertstoffzentren ausdehnte. Ziel waren Baumaschinen, Garten- und Elektrogeräte, sowie Metallschrott und Kraftstoffe.
 
Erlangte Wertstoffe wurden über eigene Firmen in den legalen Umlauf gebracht. Erbeutete Maschinen wie Notstromaggregate, Motorsägen o. ä. wurden in unterschiedlichen Depots zwischengelagert, um sie dann von als Touristen getarnten Transporteuren nach Tuzla/Bosnien bringen zu lassen. Dort betrieb die Familie des mutmaßlichen Anführers der Gruppierung eine Firma für Gebrauchtmaschinen. Im Rahmen einer Durchsuchungsmaßnahme in den dortigen Firmenräumen beschlagnahmte die bosnische Polizei Waren im Wert von 200.000 Euro.
 
Zwei der drei mutmaßlichen Anführer der Gruppierung hielten sich als Touristen im Bereich Tübingen auf. Der Dritte betrieb im hiesigen Bereich einen Wertstoffhandel. Die eigentlichen Diebstahlstaten selbst, die sich zunächst auf den Landkreis Tübingen beschränkten und anschließend auch auf benachbarte Kreise ausgedehnt wurden, sollen von zur Gruppierung gehörenden Asylberwerbern aus Bosnien und Serbien begangen worden sein.
 
Im Rahmen der Ermittlungen dürfte auch der Brand einer landwirtschaftlichen Lagerhalle mit einem Millionenschaden am 23.10.2016 in Tübingen-Hagelloch aufgeklärt worden sein. Das Feuer soll nach einem Einbruch zur Verdeckung von Spuren vorsätzlich von einem 20-Jährigen gelegt worden sein.
 
Am Abend des 20.11.2016 nahmen Polizeibeamte bei einer allgemeinen Fahrzeugkontrolle in Tübingen-Weilheim zwei zur Gruppierung gehörende Tatverdächtige fest, weil sie in ihrem Fahrzeug Diebesgut mitführten, das sie zuvor in einem Schuppengebiet in Dußlingen und Gomaringen
erbeutet hatten.
 
Als bekannt wurde, dass eine Transportfahrt nach Tuzla akut bevorstehen soll, wurden über die Staatsanwaltschaft Tübingen beim zuständigen Amtsgericht Tübingen Durchsuchungs- und Beschlagnahmebeschlüsse für zwei Schrotthandlungen im Kreis Tübingen sowie acht Wohnungen in Tübingen, Gomaringen, Mössingen, Dettingen/Erms und Eberbach beantragt.
 
Mehr als 80 Beamte durchsuchten am Dienstagmorgen alle zehn Objekte. Dabei konnten sämtliche Beschuldigte angetroffen und festgenommen werden. Insgesamt sieben Transportfahrzeuge sowie Bargeld und Wertstoffe im Gesamtwert von etwa 200.000 Euro wurden sichergestellt.
 
Am Dienstag und Mittwoch wurden sieben Beschuldigte dem Haftrichter beim Amtsgericht Tübingen vorgeführt, der die von der Staatsanwaltschaft beantragten Haftbefehle in Vollzug setzte und die Untersuchungshaft anordnete. Die Festgenommenen wurden in verschiedene Haftanstalten eingeliefert.
 
Zum Teil legten die Beschuldigten Geständnisse ab, die jetzt noch ausgewertet werden müssen.
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