Vortrag "Darm mit Charme" | Bildquelle: RTF.1

Eningen:

"Darm mit Charme"

Stand: 16.06.14 15:43 Uhr

Welchen Charme hat eigentlich der Darm? Kann ein pupsendes Organ überhaupt so etwas wie Charme haben? Oh ja, findet zumindest Giulia Enders. Im Rahmen des Projekts "Gesunde Gemeinde Eningen" kam die Frankfurter Medizinstudentin zu einer Lesung in die Gemeinde nahe Reutlingen zu ihrer bislang einzigen Lesung im süddeutschen Raum. "Darm mit Charme" ist der Titel ihres Bestsellers.

Der Darm gehört schon lange zum Interessenfeld der 22-jährigen Medizinstudentin. Das Thema "Aufs-Klo-Gehen" hatte sie dabei aber ausgespart. Erst als ihr Mitbewohner sie gefragt hatte, wie das eigentlich funktioniert, hatte Enders sich auch diesem Thema gewidmet und dabei – für sie – erstaunliche Studien kennengelernt.

Hocken dauerte durchschnittlich rund 50 Sekunden und würde von den Beteiligten als vollständiges Entleerungserlebnis empfunden (...) Sitzen dauerte durchschnittlich 130 Sekunden und fühlte sich nicht ganz so erfolgreich an. Warum? Weil unser Darmverschlussapparat nicht so entworfen ist, dass er im Sitzen die Luke vollständig öffnet.

Der Darm ist eins der drei lebenswichtigsten Organe des menschlichen Körpers. Während man dem Herz und dem Hirn in der Regel einige besondere Fähigkeiten zuspreche, würde der Darm in der Regel völlig unterschätzt. Dabei sei der Darm äußerst beeindruckend, so Enders.

Weil er zum Beispiel die hundertfache Fläche der Haut hätte, weil er ungefähr 20 Hormome selber machte und an unser Blut abgäbe. Dagegen seien denn die paar wenigen von den Geschlechtsorganen ja nichts. Hätte dann dieses riesen Mikrobenvolk, was alle möglichen Dinge auch mitregeln könne in unserem Körper. Und trainierte auch noch ungefähr zwei Drittel von unserem Immunsystem. Das hieße, wie sie mit dem umgingen und wenn sie den besser verstehen könnten, sei das schon ein ganz gutes Gesamtpaket.

Gesundheitstipps und Darmerkrankungen im Besonderen, hat die 22-Jährige aber bewusst ausgelassen. Schließlich sei sie noch keine Ärztin, so die Medizinstudentin. Dennoch müsse sich laut Enders jeder Einzelne die Frage stellen, wie wichtig ihm seine Innenwelt sei.

Und welche Kompromisse gingen sie ein, um mit der Außenwelt gut klarzukommen? Der eine verkniffe sich "auf Teufel komm raus" den unangenehmsten Pups, bis er sich mit Bauchschmerzen nach Hause quälte. Der andere ließe sich beim Familienfest von Oma am kleinen Finger ziehen und iniziierte den eigenen Pups lautstark als unterhaltsame Zaubershow.

Pupsen und Auf-Klo-Gehen sei übrigens nicht peinlich, sondern nur natürlich. Zwar handele es sich bei Enders Bestseller schon um eine Art Fachbuch, aber...

Das Buch sei für nur ganz ausschließlich die Leute, die einen Darm hätten. Alle anderen könnten damit nichts anfangen.

17 Euro kostet der Bestseller der jungen Studentin. Für knapp 18 Euro ist er als Hörbuch erhältlich. Als Schriftstellerisch legt Enders jetzt erst mal eine Pause ein. Ihre nächste große Aufgabe ist das anstehende Staatsexamen.

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