Ein Stück Rathausfassade für OB Palmer | Bildquelle: RTF.1

Tübingen:

Ein Stück der Rathausfassade als Geburtstagsgeschenk

Stand: 16.06.14 17:29 Uhr

Das Tübinger Rathaus sicher eines der schönsten in der Region, wenn nicht im ganzen Land. Nur einem Bürgeraufbegehren ist es zu verdanken, dass es heute noch in dieser Form die Altstadt schmückt. Denn vor rund fünfzig Jahren beschloss der Gemeinderat eine Umgestaltung der Fassade, worauf einige Stücke abschlagen wurden. Eines der Teile hat jetzt seinen Weg zurück gefunden nämlich in Form eines Geburtstagsgeschenks für Oberbürgermeister Boris Palmer.

Für den grünen Politiker ist es ein ganz besonderes Geschenk. Es erinnert ihn an das Gebäude, das er zur Zeit wegen der umfangreichen Sanierungsarbeiten nicht nutzen kann. Und heute sei es für ihn auch unvorstellbar, dass man vor fünfzig Jahren die Idee hatte, die Fassade komplett abzuschlagen und was anderes hinzumachen.

Seinen Platz hatte das historisch wertvolle Unikat unsprünglich über dem Amtszimmer des Oberbürgermeisters, im zweiten Stock des Rathauses. "Vergrößert 1543" ist da zu lesen. Die Rathausfassade nennt größere Umbauten des Gebäudes – seit seiner Errichtung im Jahr 1435. 1962 beschloss der Gemeinderat schließlich eine Umgestaltung, stieß damit aber bei den Bürgern auf Widerstand. Das sei lait Palmer wahrscheinlich einer der ersten Fälle gewesen, in denen der Bürgerwille sich durch Proteste und mit richtig viel Unmut gegen Verwaltung und Gemeinderat durchgesetzt habe, sozusagen eine frühe Bürgerinitiative Anfang der 60er Jahre. Denn der Beschluss sei nicht nur gefasst, sondern schon in der Umsetzung gewesen. Sonst würde es ja dieses abgeschlagene Stück Putz nicht geben. Mehrere Felder der Tübinger Rathausfassade seien bereits weg gewesen. Die meisten der abgeschlagenen Teile landeten vermutlich auf der Mülldeponie.

Ein Arbeiter muss sich aber wohl eins der Stücke zur Erinnerung mitgenommen haben, das jetzt über einige Umwege wieder aufgetaucht ist. Interessanterweise sei es in der Nachbarschaft des früheren Pressesprechers der Grünen Landtagsfraktion gewesen, mit dem Palmer über viele Jahre gut zusammengearbeitet habe. Und der sei jetzt auf die Idee gekommen, dass es doch besser wäre, dieses schöne Stück wieder nach Tübingen zu bringen. Palmer wird das Fassadenstück in seinem Ersatzbüro im Blauen Turm aufbewahren, so lange das eigentliche Rathaus noch renoviert wird. Danach werde die Kulturverwaltung über einen geeigneten Platz entscheiden.

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