Ausstellung "Herbarium Amoris" | Bildquelle: RTF.1

Reutlingen:

Ausstellung "Herbarium Amoris" im Naturkundemuseum

Stand: 23.05.14 17:45 Uhr

"Die Blumen sind die zur Schau gestellte Liebe der Pflanzen" so war Carl von Linné seinerzeit oft zu vernehmen. Der schwedische Naturforscher hatte sich ausführlich mit der Sexualität von Pflanzen beschäftigt. Und mit genau diesem Thema hat sich auch sein Landsmann, der Fotograf Edvard Koinberg auseinander gesetzt. Seine Bilder sind zur Zeit im Naturkundemuseum Reutlingen zu sehen. Damit ist der Künstler schon zum zweiten Mal in der Achalmstadt.

Herbarium amoris – auf deutsch: Kräutergarten der Liebe – heißt die Sonderausstellung in der obersten Etage des Reutlinger Naturkundemuseums. Sie zeigt 50 großformatige Fotografien von Blüten. Sie knüpfen an die künstlerische Tradition der schwedischen Aufklärung an. Dem schwedischen Fotografen Edvard Koinber zufolge gäbe es Ähnlichkeiten, in der Art wie sich Pflanzen fortpflanzen und wie es die Menschen tun würden. Er möchte, dass die Besucher erstaunt seien darüber, wie die Natur funktioniere und wie schön Dinge sein könnten, wenn man sie näher betrachten würde. 

Zu sehen sind Blumen aus dem Garten von Koinbergs Sommerhaus in Schweden. Auf den ersten Blick scheinen es "nur" schöne Pflanzen zu sein. Doch wer genauer hinsieht, soll in den Aufnahmen auch Sexualität dargestellt sehen. Unter Geschlechtsteilen verstehe man im Allgemeinen etwas anderes, so der stellvertretende Museumsleiter Dr. Günter Wahlefeld. Aber Blüten seien Schauorgane, sind sozusagen die Fortpflanzungsstrategien der an ihren Standort gebundenen Lebewesen. Und die hätten sich dafür einiges einfallen lassen. 

Drei Dinge kommen in der Ausstellung zusammen: Zum einen wollen die Verantwortlichen die Schönheit der Natur feiern. Denn der Künstler würde nicht nur sachlich abbilden, sondern auch die ästhetische Seite der Natur stark machen. Die zweite Seite sei, so Wahlefeld, dass es natürlich eine starke naturkundliche Interpretationsmöglichkeit gibt. Was Sie hier an Blüten sehen, sind im Grunde genommen verschiedene Fortpflanzungsstrategien, die man auch biologisch funktionell sozusagen dekonstruieren oder verstehen lernen könne. Und das dritte sei, dass Carl von Linné mit dieser Betrachtungsweise der Blüten wissenschaftsgeschichtlich der Urheber gewesen sei. Außer Sachtexten von Nils Köster, einem Botaniker aus Bonn, sind neben den Fotografien auch Originaltexte von Carl von Linné abgedruckt. Koinberg habe die Zitate ausgewählt, weil sie ihn bei diesen Bildern sehr inspiriert hätten. Der Künstler liebe die Art und Weise, wie Linné die Sexualität von Pflanzen beschreibe. Seit 2003 hat der schwedische Künstler seine Bilder in mehr als 60 Ausstellungen auf der ganzen Welt gezeigt. Im Reutlinger Naturkundemuseum sind sie noch bis zum 6. Juli zu sehen.

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