Fahrradfahrer | Bildquelle: pixabay.com

Radsport:

Studie zu Doping zeigt immer noch kaum Vertrauen in gegnerische Teams

Stand: 13.01.16 13:18 Uhr

Eine neue Studie zu Doping im Radsport liefert überraschende Ergebnisse. An einer anonymen Befragung unter deutschen Radprofis nahmen 45 Fahrer freiwillig teil und brachten dabei großes Misstrauen gegenüber den Konkurrenten zum Ausdruck. 75 bis 90 Prozent der Radprofis gaben an, dass sie davon ausgehen, dass die Fahrer in den gegnerischen Teams zu Dopingmitteln greifen. Die Erhebung wurde von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster im Laufe des Jahres 2015 durchgeführt.

Gefragt nach dem eigenen Verhalten in Bezug auf Doping, gab dagegen kaum ein Radprofi an, zu dopen bzw. schon mal verbotene Substanzen zu sich genommen zu haben. Außerdem vertrauen die meisten auch ihren Teamkollegen. Kaum Vertrauen haben die Radprofis dagegen in die deutsche Anti-Doping-Agentur NADA. Sie sind der Meinung, dass die NADA nicht in der Lage ist, das Dopingproblem zu lösen, weil nicht alle Substanzen nachweisbar sind und der NADA zu wenig Geld für lückenlose Kontrollen zur Verfügung stehen.

Maßgeblich an der Durchführung der Studie beteiligt war der deutsche Radfahrer Daniel Westmattelmann, zuletzt Sechster bei den Deutschen Meisterschaften im Zeitfahren 2015, der nebenher an der Universität Münster BWL studiert hat und inzwischen promoviert. Im Interview mit der ARD-Recherche-Redaktion Sport sagt der 28-Jährige: "Als Radfahrer ist man immer mit dem Dopingproblem konfrontiert worden. Es fängt ja schon an auf Trainingsfahrten, wenn Leute einen einfach ansprechen: Ja, und, was hast Du heute schon gespritzt? Irgendwann hat mich dann einfach das Interesse gepackt, das wissenschaftlich aufzuarbeiten."

Laut der Studie setzen die Radprofis große Hoffnungen in das Anti-Doping-Gesetz, das in Deutschland seit Anfang des Jahres gilt. Von den Anti-Doping-Maßnahmen, von denen sich die Fahrer am meisten versprechen, kommt das neue Gesetz an zweiter Stelle. Lediglich für noch wichtiger halten sie die Verbesserung der Nachweismethoden von Dopingsubstanzen. Jörg Werner, Manager der deutschen Top-Radrennfahrer Tony Martin, Marcel Kittel und John Degenkolb, ist von der Aussagekraft der Studie überzeugt: "Das Ergebnis halte ich für realistisch. Das ist auch das, was man so mitbekommt, wenn man Gespräche führt, mit den Rennfahrern. Und ich glaube, dass die, die dort geantwortet haben, anonym, dass die sich auch Gedanken gemacht haben, was sie antworten. Insofern glaube ich schon, dass das auch die derzeit existierende Meinung wiederspiegelt."

Konfrontiert mit den Ergebnissen antwortet auf Anfrage der ARD-Recherche-Redaktion Sport für die NADA deren Vorstandsmitglied Lars Mortsiefer: "Dass man es uns so vielleicht nicht zutraut, daran müssen wir weiter arbeiten, dass wir das auch noch vermitteln. Wir machen über 14.000 Dopingkontrollen im Jahr, wir haben das Wettkampfkontrollsystem übernommen, wir machen Zielkontrollen in allen Bereichen des Spitzensports, natürlich auch gerade im Radsport. Da müssen wir vielleicht auch ein Stück weit noch die Werbetrommel rühren, damit das vielleicht auch noch dazu führt, noch stärker Vertrauen zu bekommen."

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