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Tübingen:

Max-Planck-Institut: Direktor Nikos Logothetis will nicht mehr an Primaten forschen

Nikos Logothetis, Direktor am Tübinger Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik, wird "nach Abschluss der laufenden und bereits genehmigten" Experimente an Primaten nicht mehr weiter an Primaten forschen. Das teilte die Max-Planck-Gesellschaft heute mit. Logothetis werde in Zukunft ausschließlich an Nagetieren forschen. Das Tübinger Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik wird wegen seiner Versuche an Primaten von Tierschützern heftig kritisert.

Nikos Logothetis habe die Scientific Community darüber informiert, dass er nach Abschluss der laufenden und bereits genehmigten Experimente an Primaten zukünftig ausschließlich an Nagetieren forschen wird.

Die Max-Planck-Gesellschaft bedauerte die Entscheidung des griechischen Wissenschaftlers heute in einer Pressemitteilung:

"Seit September 2014 ist die Primatenforschung am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in der Abteilung von Nikos Logothetis im Fokus einer Kampagne von Tierschutzaktivisten," so die Max-Planck-Gesellschaft. Mit Bildern aus der Tierhaltung, die zum Teil mit falschen Texten unterlegt worden seien, oder bei denen Tiere mutmaßlich manipuliert worden seien, werde tierexperimentelle Forschung diskreditiert.

In der Pressemitteilung heißt es weiter: "Die Max-Planck-Gesellschaft und das Institut sind den erhobenen Vorwürfen entgegengetreten und haben alles unternommen, um zu einer sachlichen Aufklärung beizutragen. Nikos Logothetis hat in jeder Hinsicht die Unterstützung der Max-Planck-Gesellschaft erfahren. Auch von Seiten der Politik haben sich namhafte Vertreter frühzeitig und sehr deutlich für die Forschung am Max-Planck-Institut ausgesprochen. Dafür sind wir sehr dankbar."

Auch die Darstellung in den meisten Medien sei sachlich und differenziert gewesen, schreibt die Max-Planck-Gesellschaft: "Die immer wieder aufkeimenden Anfeindungen, die Vielzahl an Drohmails und Beschimpfungen über die vergangenen Monate hinweg waren jedoch eine große Belastung für alle Beteiligten. Die Intensität und intolerante, teilweise menschenverachtende Aggressivität mit der manche unter dem Deckmantel der Anonymität für die Ideen des organisierten Tierschutzes eintreten, hat uns erschüttert."

Nikos Logothetis habe nun die Scientific Community darüber informiert,"dass er nach Abschluss der laufenden und bereits genehmigten Experimente an Primaten zukünftig ausschließlich an Nagetieren forschen wird. Die Max-Planck-Gesellschaft bedauert diese Entscheidung."

Weiter heißt es: "Ungeachtet dessen wirde es in der Max-Planck-Gesellschaft auch weiterhin tierexperimentelle Forschung an nicht-humanen Primaten geben. Dies ist nach wie vor der einzige Weg, um Behandlungsansätze zu entwickeln für neurologische Gehirnerkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson und psychiatrische wie Schizophrenie. Deshalb wird die Max-Planck-Gesellschaft innovative Forschungsansätze auf dem Gebiet der Primatenforschung auch zukünftig fördern."

Dem weltweit bekannten Hirnforscher Logothetis war es gelungen, Gehirne parallel sowohl mit einem bildgebenden Tomographen zu untersuchen, als auch mittels Elektroden Hirnströme von Neuronen abzunehmen. Neurowissenschaftler sehen die Möglichkeit, mit diesen Forschungsergebnissen die Ursachen von neurologischen und psychiatrischen Störungen ausfindig zu machen.

Bereits der Vorgänger von Logothetis als Institutsdirektor, der 2011 verstorbene, international bekannte Hirnforscher Valentin Braitenberg, war wegen der Primatenversuche teils heftigen Anfeindungen ausgesetzt gewesen. In Tübingen gibt es insgesamt drei Max-Planck-Institute. Davon forscht nur das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik an Affen.

In den vergangenen Monaten hatte es wegen der Versuche an Rhesus-Affen teils heftige Auseinandersetzungen zwischen Befürwortern und Gegnern der  Primaten-Versuche gegeben. Vorausgegangen war die Veröffentlichung von Filmaufnahmen, die ein ins Institut eingeschleußter Mitarbeiter der "Soko Tierschutz" gemacht hatte. Unter anderem hatte sich daraufhin auch die weltbekannte Schimpansen-Forscherin Janes Goodall mit einer Stellungnahme in die Diskussion eingeschaltet.

Tierschützer hatten die Haltungs- und Versuchsbedingungen auf Basis der Filmaufnahmen heftig kritisiert. Das Max-Planck-Institut hatte demgegenüber darauf hingewiesen, dass die Filmaufnahmen so zusammengeschnitten worden seien, dass ein völlig falscher Eindruck erweckt worden sei.

Im Streit um angebliche Verstöße gegen den Tierschutz am Tübinger Max Planck-Institut hatte das Landratsamt Tübingen Untersuchungen gegen das Institut eingeleitet. Die Max-Planck-Gesellschaft hatte außerdem den Leiter des deutschen Primatenzentrums Stefan Treue mit einer Überprüfung der Primatenversuche beauftragt.

Unsere Redaktion hat bereits in mehreren Artikeln über die Argumente der Gegner und der Befürworter berichtet, der Tierschützer und der Forscher. In unserem "Liveticker Primatenversuche" finden Sie untenstehend eine Auswahl unserer Meldungen und Berichte, jeweils mit einem link zum Artikel:

Freitag, 20. November 2015
20:11 US-Regierung lässt letzte 50 Labor-Schimpansen frei - Tierschützer feiern großen Sieg
20.11.2015. Die US-Regierung lässt die letzten 50 Labor-Schimpansen in staatlichem Eigentum frei. Das meldet das TheDodo-Magazin. Das habe das Nationale Gesundheitsministerium (NIH) jetzt bestätigt. Im Jahr 2009 hatte sich Schimpansen-Forscherin Jane Goodall schockiert über die Zustände im New Iberia Research Center (NIRC) gezeigt. Der Präsident der Gesellschaft für Menschlichkeit (HSUS), Wane Pacelle, feierte die Entscheidung als Meilenstein, wie er selten vorkomme. [Weiterlesen]
Sonntag, 03. Mai 2015
09:50 Landestierschutzbeauftragte: Respekt vor Entscheidung von Prof. Nikos Logothetis - Neue Chancen durch Ausstieg aus den invasiven Experimenten an Affen
03.05.2015. "Mit Erleichterung habe ich die Mitteilung der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) zur Kenntnis genommen, dass es am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen nach dem Abschluss der laufenden und bereits genehmigten Vorhaben keine neuen invasiven Tierversuche an Makaken mehr geben soll", kommentierte die Landestierschutzbeauftragte Cornelie Jäger am heutigen Sonntag, den 3. Mai, in Stuttgart die Ankündigung der MPG vom zurückliegenden Freitag. [Weiterlesen]
Donnerstag, 30. April 2015
23:51 Max-Planck-Institut:Direktor Nikos Logothetis will nicht mehr an Primaten forschen
30.04.2015. Nikos Logothetis, Direktor am Tübinger Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik, wird "nach Abschluss der laufenden und bereits genehmigten" Experimente an Primaten nicht mehr weiter an Primaten forschen. Das teilte die Max-Planck-Gesellschaft heute mit. Logothetis werde in Zukunft ausschließlich an Nagetieren forschen. Das Tübinger Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik wird wegen seiner Versuche an Primaten von Tierschützern heftig kritisert. [Weiterlesen]
Mittwoch, 08. April 2015
15:38 "Fachforum Primaten" abgesagt

Aufgrund der umstrittenen Affenversuche in Tübingen hat die Landestierschutzbeauftragte Cornelie Jäger das von ihr geplante "Fachforum Primaten" jetzt aufgegeben.

Der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart gegenüber soll sie sich so geäußert haben, dass das Forum zur Zeit keinen Sinn mache. Es sei schwierig, Leute zu finden, die keine fertige Meinung zu dem Thema haben. Jäger hatte ein Forum für Tierschützer und Wissenschaftler geplant, um offen über die Belastung der Tiere und den wissenschaftlichen Nutzen von Affenexperimenten zu diskutieren. [Weiterlesen]

 

 

Freitag, 20. Februar 2015
13:09 Ärzte gegen Tierversuche: Göttingen auf Platz 3 der Tierversuchshochburgen
Mit ihrer Faltblatt-Serie "Tierversuche im Brennpunkt" informiert die bundesweite Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche jetzt auch über tierexperimentelle Forschung in Göttingen. Göttingen ist durch den Standort des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) nicht nur ein Brennpunkt hinsichtlich der Affenversuche, sondern belegt nach einer Auswertung des Ärztevereins Platz 3 der Tierversuchshochburgen Deutschlands. [Weiterlesen]
Samstag, 17. Januar 2015
15:21 Primatenversuche am Max-Planck-Institut - Regierungspräsidium Tübingen ermittelt weiter und unterstützt Staatsanwaltschaft
17.01.2015. Zu den Tierversuchen mit Rhesus-Affen am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik hat das Regierungspräsidium jetzt einen Zwischenstand seiner Untersuchungen mitgeteilt. Das Regierungspräsidium habe nach der Stern-TV-Sendung umgehend mit den Untersuchungen des Sachverhaltes begonnen. Unterlagen seien sowohl vom betreffenden Max Planck Institut als auch von der SOKO Tierschutz und der BUAV zur Verfügung gestellt worden. Die Unterlagen seien sehr umfangreich und die Auswertung dauere noch an. So müssten über 100 Stunden Filmmaterial ausgewertet werden. Auch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Tübingen, ob Verstöße gegen das Tierschutzgesetz vorliegen, unterstütze das Regierungspräsidium ohne Vorbehalt und im größtmöglichen Umfang. [Weiterlesen]
Samstag, 20. Dezember 2014
12:09 "Massive Angriffe radikaler Tierschützer" auf Tübinger Forscher - Uni betont Bedeutung von Tierversuchen - Gegner protestieren
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die mit Tieren forschen, sehen sich derzeit massiven Angriffen ausgesetzt. Sie selbst und ihre Familien werden laut Universität Tübingen von "radikalen Tierschützern" eingeschüchtert. Biomedizinische Grundlagenforschung an Tieren werde als unethisch oder sinnlos diffamiert. Die Universität Tübingen, die Medizinische Fakultät und das Universitätsklinikum Tübingen treten den Anschuldigungen jetzt entschieden entgegen. Die "SOKO Tierschutz" hatte unterdessen für heute zu einer Demonstration in Tübingen aufgerufen. Sie spricht von "grausamen Zustände im Tierversuchslabor". [Weiterlesen]
Montag, 29. September 2014
14:50 Weltbekannte Schimpansenforscherin Jane Goodall kritisiert Max-Planck-Institut

Die weltbekannte Primatenforscherin Jane Goodall hat die Versuche mit Affen an einem der drei Max-Planck-Institute in Tübingen scharf kritisiert. "Selten" sei sie so schockiert gewesen "wie von diesen Experimenten", so Goodall gegenüber der britischen Tierschutz-Organisation BUAV. Zudem schockiere sie die Beteiligung des Max-Planck Institutes an solchen Versuchen zur Grundlagenforschung.

Allerdings ist nur eines der Tübinger Max-Planck-Institute an den strittigen Versuchen beteiligt. Aus dem Umfeld der anderen Max-Planck-Institute wird mittlerweile über Morddrohungen gegenüber unbeteiligten Mitarbeitern berichtet. [Weiterlesen]

Dienstag, 23. September 2014
15:51 Nach Anti-Tierversuchsdemo: Polizei sucht nach Steinewerfer gegen OB Palmer
Am Wochenende versammelten sich in Tübingen mehr als 1000 Demonstranten, um gegen die Tierversuche an Affen im Tübinger Max-Planck-Institut zu demonstrieren. Auch Oberbürgermeister Boris Palmer war vor Ort, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Es kam zu verbalen Auseinandersetzungen zwischen dem OB und aufgebrachten Demonstranten, wobei Palmer wohl mit einem Kieselstein am Kopf getroffen wurde. Zeugen haben das bestätigt. Mittlerweile hat die Polizei Anzeige gegen Unbekannt erstattet und sucht den Täter wegen Körperverletzung. [Weiterlesen]
Samstag, 20. September 2014
17:56 Demo gegen Affenversuche
An der Tübinger Neckarbrücke haben heute rund 1.000 Menschen gegen Affenversuche demonstriert. Die "Soko Tierschutz" hatte zu der Aktion aufgerufen. [Weiterlesen]
Donnerstag, 18. September 2014
15:09 Keine Tierquälerei am Max-Planck-Institut
Die Überprüfung am Tübinger Max-Planck-Institut durch einen externen Experten wegen des Vorwurfs der Tierquälerei ist abgeschlossen und für die Einrichtung positiv verlaufen. [Weiterlesen]
Mittwoch, 17. September 2014
15:22 Angebliche Tierschutz-Verstöße: Max Planck-Institut beauftragt Experten mit Überprüfung
Im Streit um angebliche Verstöße gegen den Tierschutz am Tübinger Max Planck-Institut hat die Max-Planck-Gesellschaft jetzt den Leiter des deutschen Primatenzentrums Stefan Treue mit der Überprüfung beauftragt. [Weiterlesen]
Freitag, 12. September 2014
18:00 OB Palmer äußert sich zu Vorwürfen gegen Max-Planck-Institut

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer hat heute gegenüber RTF.1 auch zum aktuellen Vorwurf der Tierquälerei gegenüber dem Tübinger Max-Planck-Institut Stellung genommen.

Palmer erklärte, die Bilder aus dem Fernsehbericht der Sendung Stern seien schockierend gewesen. Dennoch wolle er erst einmal hören was das Max-Planck-Institut zu den Vorwürfen zu sagen habe. [Weiterlesen]

 


(Zuletzt geändert: Freitag, 01.05.15 - 18:06 Uhr   -   10213 mal angesehen)
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