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Rappen gegen Rassismus: Beim Antidiskriminierungs-Projekt TALK erhalten Jugendliche Hip Hop Skillz

Wegen seiner Hautfarbe wurde ein schwarzer Jugendlicher vor vier Jahren nicht in eine Reutlinger Disco gelassen. Das war der Auslöser zur Gründung des Netzwerks Antidiskriminierung Tübingen/Reutlingen. Denn Diskriminierung erleben viele Menschen jeden Tag: Wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft, ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Religion oder ihrer Behinderung. Gerade Jugendliche sind oft davon betroffen. Im Antidiskriminierungsprojekt TALK im franz.K in Reutlingen sollen sie über ihre Diskriminierungserfahrungen reden und sie künstlerisch verarbeiten.

Rappen gegen Rassismus – und gegen jede andere Art von Diskriminierung. Das ist einer von drei Workshops des Antidiskriminierungsprojekts TALK. Die anderen beiden Workshops: Hip Hop-Tanz sowie Fotografie und Film. Hier ist jeder willkommen – unabhängig von Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht und Behinderung. Es geht zunächst darum, dass Jugendliche Skillz erlernen – Fähigkeiten, um sich künstlerisch auszudrücken – unter Anleitung von Rapper Kaspar Ruegenberg alias Kabu. 

Dazu gehören Fragen wie: Wie geht man an einen Raptext heran? Wie viele Zeilen hat eine Standardstrophe (Es sind 16 sogenannte "bars")? Was ist eine Hook (ein Refrain)? Wie komme ich auf gute Reime? Einerreime, Doppelreime, Schachtelreime, den Flow (die Art des Rappens) - das ist das Standardrüstzeug, das die Jugendlichen lernen.
 
Wichtig ist aber auch die Message, die Botschaft des Raps: Es soll eben inhaltlich nicht nur um Party gehen. Jeder Mensch, so Rapper Kabu, hat eine Geschichte zu erzählen. So geben die Jugendlichen Einblick in ihren Alltag. Und der ist voll von Diskriminierung. Oft ist das den Diskriminierenden nicht bewusst. Projektleiterin Beke Weis kennt Beispiele:
 
"Zum Beispiel haben wir Jugendliche, die eine körperliche Behinderung haben, die immer sehr stark sagen: Wir haben einen Mund, wir können befragt werden, wir wollen nicht bevormundet werden, und selbstverständlich die Tür aufgemacht bekommen oder Sachen zugesprochen bekommen oder auch andere Jugendliche, die sagen: Ich werde ständig gefragt, woher ich komme, und nur weil ich eine andere Hautfarbe habe, macht das einen Unterschied, obwohl ich schon seit Generationen schon hier wohne", so Beke Weis. 
 
Und Rap-Coach Kaspar Ruegenberg berichtete von einem Jugendlichen im Rollstuhl, der Einblick in seinen Alltag gab: Jede Bahnreise muss im Vorfeld organisiert werden. Man muss Dinge vorher anmelden, kommt nicht überall hoch, nicht jeder hat eine Rampe oder einen Lift.

Gerade Rapper greifen aber außerhalb des Projekts gerne zu diskriminierenden Worten – wie beispielsweise „Schlampe“ oder „Schwuchtel“. Im Antidiskrimierungsprojekt sind die aber tabu.  Wenn so ein Wort fiele, wolle man den Jugendlichen darauf hinweisen, sagte Kaspar Ruegenberg. Man wolle sich das Wort anschauen, wo es herkomme, warum es als Schimpfwort benutzt werde und inwiefern es für bestimmte Menschen diskriminierend sein könnte.
 
Die Ergebnisse der Workshops präsentieren die Jugendlichen dann in einem eigenen Konzert, der Talk-Show am Samstag, den achtzehnten Juni im franz.K. Beginn ist um fünfzehn Uhr, der Eintritt ist frei.

(Zuletzt geändert: Freitag, 27.05.16 - 15:59 Uhr   -   1378 mal angesehen)
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