Buchvorstellung | Bildquelle: RTF.1

Finnland:

An die Grenzen der menschliches Existenz - Beile Ratut stellt ihren Roman "Nachhall" vor

Stand: 14.05.16 11:52 Uhr

Beile Ratut ist Finnin, schreibt aber in deutscher Sprache. Sie studierte Wirtschaftswissenschaften, Literatur und Skandinavistik in Finnland und in Deutschland. Viele Jahre hat sie in der Nähe von Frankfurt am Main gewohnt, heute lebt sie mit ihrer Familie jedoch wieder in Finnland. In ihrem zweiten Roman "Nachhall" führt sie die Leser nicht nur an die Grenzen ihrer Heldin, sondern auch an die Grenzen der menschlichen Existenz.


Beile Ratut erzählt in ihrem Roman „Nachhall" die Geschichte der etwa dreißig-jährigen Espen. Diese war ein sehr talentiertes Mädchen, wurde aber von ihren Eltern vernachlässigt. Dadurch war sie in den Bann eines Mannes geraten, der sie schließlich vergewaltigt hatte. Ratuts Roman ist aber mehr als die Geschichte eines sexuellen Missbrauchs. Der Schriftstellerin zufolge sei es die Geschichte der menschlichen Befreiung, also der Befreiung von allen Lügenstimmen, die einen umgeben. "Das haben wir ja alle, dass Menschen uns etwas einreden wollen, dass wir Werbeslogans hören, dass irgendwelche Menschen versuchen uns zu sagen, wer wir wirklich sind. Und da muss man dann natürlich herausfinden, wer man wirklich ist."

Wer bin ich als Person? Was ist wirklich und was ist richtig? Espen macht sich auf zum Haus der Freude, um dort Antworten auf genau solche Fragen zu finden.

Was wäre es für ein Festtag, wenn dort, wo Menschen sich versammelten, ein jeder seinen Platz hätte? Wenn man den Festsaal erreichte, würde man über eine leuchtende Schwelle treten und jeder, der bereits dort war, betrachtete den Neuankömmling mit Güte, Wissensdurst und Barmherzigkeit. Kein Mensch, der kam, war heil. Nicht einen gab es, der nicht Schuld auf sich geladen hätte, der nicht verwundet worden wäre. Doch das machte nichts. In diesem Festsaal brauchte man keine Sitten und keine Floskeln. Die Menschen waren frei, sie konnten geben und empfangen. Sie konnten sich sehnen und erleiden. Es war nicht schlimm, wenn da jemand weinte, wenn da jemand litt.
Auszug aus "Nachhall"

Genau das versucht Beile Ratut in ihrem Roman zu vermitteln. Sie will zeigen, dass es möglich ist, sich aus Abhängigkeiten zu lösen und herauszufinden, wer man eigentlich ist beziehungsweise sein will. "Mein Wunsch wäre, dass die Menschen viel mutiger sind, nicht so angepasst sind, sondern wirklich sie selber werden. Und die Masken ablegen und ihr eigenes Leben leben."

Auch wenn die finnische Schriftstellerin jetzt in ihre Heimat zurück gekehrt ist, schreibt sie ihre Bücher weiter auf Deutsch. Für Ratut ist es die Sprache, in der sie sich am besten ausdrücken kann. Finnisch sei eine ganz andere Sprache als Deutsch. Sie sei viel intensiver. Ratut glaube, wenn sie das, was sie auf Deutsch schreibe auf Finnisch schreiben würde, dann würde das einen erschlagen, während Deutsch eine relativ nüchterne Sprache sei. "Da müsste ich erstmal meinen eigenen Stil finden."

Der Roman „Nachhall" von Beile Ratut ist beim Ruhland Verlag erschienen. Das Buch kostet knapp 25 Euro.

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