Prinzipiell ist die Spendebereitschaft in Deutschland nicht schlecht. Ein Problem ist jedoch, dass die älter werdende Bevölkerung, die aufgrund Operationen mehr Blut benötigt, naturgemäß seltener zum Spenden kommt, während die jungen Menschen, die regelmäßig spenden könnten, ausbleiben.
Nach der Anmeldung muss jeder potentielle Spender einen medizinischen Fragebogen zum allgemeinen Gesundheitszustand ausfüllen.
Es folgt ein erster kurzer Check, bei dem Blutdruck, Puls, Temperatur und der Hämoglobinwert im Blut gemessen werden.
In einem vertraulichen Gespräch bescheinigt dann ein Arzt im Bestfall die Spendetauglichkeit. Im Prinzip darf jeder spenden, der volljährig ist.
"Eine Altersgrenze nach oben, so wie es früher üblich war, gibt es nicht mehr. Es wird jeder Einzelfall entschieden, ob von den Vorerkrankungen, von den Medikamenten, von Operationen gegebenenfalls etwas dagegenspricht. Aber es gibt im Prinzip nur gesundheitliche Ausschlussgründe. Wenn man sagen kann, es ist eine Erkrankung da, die entweder den Empfänger gefährden würde oder die den Spender gefährden würde. Weil beides möchte man nicht haben" erläutert Anästhesist Jürgen Kerschowski.
Ganz wichtig vor der Blutentnahme ist: Der Spender muss am Tag bereits mindestens anderthalb Liter Flüssigkeit zu sich genommen und gut gegessen haben.
Und dann geht es auch schon auf die Liege zum Aderlass. Ein kurzer Pieks in die Armvene, und der Lebenssaft läuft. Damit es zügig geht, ist es von Vorteil, kräftig zu "pumpen".
Insgesamt fünfhundert Milliliter werden dem Spender abgezapft. Diese werden im Institut aufgeteilt: Es gibt rote Blutkörperchen, die zur Bluttrasfusion benötigt werden; es gibt das Blutplasma, das aufgetrennt und eingefroren wird. Und es gibt die Blutplättchen, die für die Blutgewinnung wichtig sind.
"Die werden dann gegebenenfalls bei einem Empfänger gegeben, oder sie gehen an unterschiedliche Empfänger – je nachdem bei welcher der drei Komponenten der entsprechende Bedarf da ist bzw die Haltbarkeit noch nicht abgelaufen ist. Die roten Blutkörperchen werden bei Kühlschranktemperatur gehalten, die sind quasi 42 Tage haltbar. Und die Blutplättchen, die muss man bei Raumtemperatur lagern, die sind 5 Tage ab Mitternacht haltbar" so Kerschowski.
Aufgrund der kurzen Haltbarkeit ist es wichtig, dass immer genug Blutkonserven vorrätig sind – also dass Spender auch und gerade im Sommer, wenn es heiß ist, den Weg zum Deutschen Roten Kreuz finden.
"Man kann bei einem Unfall, einem schwer verletzten Motorradfahrer gut 20-30 Erythrozytenkonzentrate plus Plasma plus Blutplättchen verbrauchen. Dann kann man sich leicht ausrechnen, dass man dafür auch 20-30 Spender eigentlich bräuchten. Und im Sommer ist das halt relativ schlecht" erläutert Kerschowski.
Nach dem Aderlass ist der Spender noch nicht entlassen. Um den Kreislauf nach der Blutentnahme zu stabilisieren, stehen zehn Minuten Ruhezeit an. Anschließend stehen in der Regel kostenlose Snacks und Getränke zur Stärkung zur Verfügung.
Die nächsten Termine zur Blutspende im Landkreis Reutlingen sind am 19. Juni in Eningen und am 30. Juni in Pfullingen. Im Landkreis Tübingen am 17. Juni in Hirrlingen sowie montags bis freitags am Zentralklinikum Tübingen. Im Zollernalbkreis unter anderem am 17. und 18. Juni in Balingen und am 25. Juni in Albstadt.
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