Teilweise ist das alte Gemäuer noch gut erhalten. Den Rest bereitet Alexander Aubry mit seinem Lehrling Alex auf. Der auf Denkmalpflege spezialisierte Steinmetz benutzt einen betonfreien Mörtel aus Kalk und Sand – wie vor 800 Jahren.
Unterstützung erhalten die Maurer von auszubildenden Straßenbauern der Grafenbergschule in Schorndorf. An zwei Tagen unterstützt die Klasse das Projekt von Wolfgang Bauer und seinen Kollegen.
"Wir haben gestern schon ganz viele Steine, die den Berg runtergekullert sind, wieder nach oben transportiert, damit man diese Mauern wieder aufbauen kann", erklärt die auszubildende Straßenbauerin Rosalie Natterer. "Und dann haben wir noch ganz viel Material, das man auch zum Bau der Mauer braucht, nach oben transportiert – also Sand und Kies."
Die Eimerkette aus Azubis ist notwendig, da schweres Gerät den Boden beschädigen könnte. Für den Klassenlehrer Hermann Idarous fügt sich das Projekt perfekt in den Lehrplan der Straßenbauer ein.
"Teil des Lehrplans ist eben auch Sozialkompetenz und Archäologie spielt eine Rolle", erklärt Idarous. "Und tatsächlich gibt es noch so Nachhaltigkeitsziele der UNESCO, die man umsetzen soll im Unterricht. Das ist in einem Projekt wie hier einfach alles verbunden. Es gibt auch Baugeschichte. Und wenn man selber mal versucht hat, eine mittelalterliche Burg zu restaurieren, hat man eigentlich gelebte Baugeschichte", so der Lehrer weiter.
Idarous zeigt sich begeistert von dem Projekt als wertvolle Alternative zum Schuluntericht. Bei den Schülern kommt es auch gut an, wie Rosalie erzählt: "Ich find's tatsächlich super spannend, weil so eine Möglichkeit bekommt man sonst nicht wirklich, an so einem Projekt mitzuarbeiten. Und das finde ich schon ganz schön cool, dass wir da die Möglichkeit haben."
Idarous betreute in seiner Laufbahn als Lehrer bereits mehrere Projekte derart. Nach einer Kontaktaufnahme mit der Universität Tübingen ist er auf das Projekt Hohengenkingen gestoßen. Die Projektleitung um Wolfgang Bauer war von der Idee direkt angetan. "Das ist eine Win-Win-Situation", sagt Bauer fasziniert.
"Die Berufsschule hat auf dem Lehrplan zwei Archäologietage pro Schuljahr, wenn ich es richtig weiß. Das sind Straßenbauer – vor allem dieses Jahr. Und das sind dann die Leute, die mit ihren Baggern dann in der freien Natur stehen, mit ihrer Schaufel. Und dann die Entscheidung fällen müssen: Rufen sie jetzt das Landesdenkmalamt an oder nicht", erklärt Bauer.
So lernen die Azubis, dass jeder noch so unbedeutsam wirkende Stein das Erbe einer uralten Baugeschichte sein könnte.
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