Jan Henning mit doppelhalsigem Bass | Bildquelle: RTF.1

Eningen unter Achalm:

Wie Jan Henning aus dem Stadtbrand Musik macht

Stand: 21.09.26 17:43 Uhr

Für drei Tage, vom 23. bis zum 25. September, wüteten im Jahr 1726 die Flammen in der Reutlinger Altstadt. Jetzt, 300 Jahre später, gedenkt die Stadt diesem großen Stadtbrand. Am Samstag, den 26. September, steigt einer der größten Anlässe in diesem Kontext: „Aus der Asche“, ein Kultur-Event mit Theaterstück, Soundtrack und mehr. Die Musik dafür stammt vom Jan Henning, einem international bekannten Gitarristen, der ursprünglich aus Reutlingen stammt.

Anfang März war Jan Henning das letzte Mal in der RTF.1-Redaktion zu Besuch. Jetzt kam er zurück, kurz vor einem großen Auftritt bei „Aus der Asche". Bereits am Samstag steht das Event an. Ein einziges Mal soll es in der Marienkirche aufgeführt werden. Danach nie wieder. Hierfür hat Henning das Sounddesign der Aufführung übernommen, und dazu noch ganze neun neue Kompositionen verfasst.

Henning wollte sich in die Rolle derer versetzen, die damals den Stadtbrand erlebet haben. "Ich war ja nicht dabei.", meint er. "Ich muss mir vorstellen, was passiert bei so einer krassen Katastrophe, bei der danach vier Fünftel der Stadt fehlen. Es ist eben nicht bloß das 'Es brennt'-Ding. Es ist alles außenrum. Es sind Menschen, es sind Einzelschicksale und die Frage: 'Was machen wir jetzt?'"

In seinem Kopf liefen die Ereignisse wie ein Film, zu dem er den Soundtrack schrieb. Dabei ließ er sich nicht auf ein Genre festnageln, sondern zog Inspiration aus allen möglichen. Auch sein Instrument ist einzigartig und vielseitig: ein zweihalsiger Tenor-Bass, den er in Zusammenarbeit mit verschiedenen Gitarrenbauern erschaffen hat. Gespielt in seiner berühmten 8-Finger-Technik, die auf einer polymorphen Griffbrettmatrix beruht.

Das Instrument ist durchaus vielseitig. "Wenn ich will, klingt es wie ein Klavier", erläutert er. "Und des Weiteren ist der Tonumfang natürlich spektakulär größer als bei einem Bass oder bei einer Gitarre. Und das ist das Ziel. Dass ich möglichst tief runter kann und gleichzeitig weit hoch."

Auch weitere Hilfsmittel kommen zum Einsatz. Darunter auch ein E-Bow, also ein elektrischer Bogen, der Akkorde so lang zieht, wie Henning sie will. Er ließ uns nur kleine Teile seines neuen Werks im Voraus hören, losgelöst vom Kontext. Seine Begründung: Er wolle zeigen, nicht erklären. Mehrere hundert Gäste können am Samstag in der Marienkirche die ganzen Kompositionen erleben. Auch das zentrale Theaterstück wird nur dieses eine Mal aufgeführt. Tickets sind keine mehr verfügbar.

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