Das Titelbild der Ausstellung heißt „Ruhende"/"Traum" – ein Motiv, das oft in den Werken von G.I. Widmann vorkommt. Dieses entstand in den fünfziger Jahren und gehört zu den Lieblingswerken der Kunsthistorikerin Martina Köser-Rudolph.
"Da ist zum einen vorne wie so ein Stillleben. Diese blaue Vase bzw. die Schale hat sie als mein Seelenbild mal bezeichnet, die taucht ganz oft auf. Und über diese realen Gegenstände werden wir – kompositorisch ganz toll gemacht – in eine Visionswelt geführt, die sich aufzulösen scheint", so Köser-Rudolph.
Ein anderes Werk mit hohem Stellenwert für Köser-Rudolph ist das Bild „Harpyien", das Widmann 2006 zu einer Ausstellung Reutlinger Künstler eingereicht hatte – eine Arbeit von 1990, die die damals 86-jährige Widmann mit neuer Farbigkeit überarbeitet hatte.
Köser-Rudolph: "Ich habe sie erlebt im Umgang mit ihren Arbeiten, wo man immer das Gefühl hatte, jetzt begegnet sie ihrem Bild selbst noch mal ganz neu und schaut es wirklich aus einer großen Distanz an. Und das kann eine Haltung gewesen sein, die auch dazu führte. Sie hat immer gesagt: Ich möchte drei gültige Bilder in meinem Leben geschaffen haben."
Gudrun Irene Widmann wurde 1919 in Reutlingen geboren. Sie studierte an mehreren Kunsthochschulen, unter anderem in Wien, kehrte aber 1944 in ihre Heimatstadt zurück. Die ehemalige stellvertretende Museumsleiterin hatte Widmann während ihrer Berufstätigkeit persönlich kennen gelernt.
Köser-Rudolph: "Es war eine ganz eigene Persönlichkeit, die in Zeiten, als es erstens schwer war für eine Frau – das war in Kriegszeiten in den 30er Jahren – sich zu entscheiden, Künstlerin zu sein und zu studieren. Das war besonders. Und später, in den 50er Jahren hat sie sich ganz bewusst entschieden, alleinerziehende Frau zu sein, Mutter zu sein, und gleichzeitig von der Kunst leben zu wollen und Künstlerin sein zu wollen."
Entsprechend zeigen viele ihrer Werke das Mutter-Kind-Thema, immer eingebettet in eine Vermischung von Gattungen. In anderen Phasen hatte Widmann viele Porträts gemalt. Etwa die Hälfte ihrer Gemälde sind Stillleben. Kunst war laut Köser-Rudolph alles für sie, wie der Titel der Ausstellung verdeutlicht.
"Wenn die Kunst so einen Ort schaffen kann, einen Raum schaffen kann, in dem etwas entwickelt werden kann mit Visionen und Zukunft, dann hat sie eine ganz wichtige Aufgabe. Und ich denke, damit wollte sie formulieren, wie sie sich als Künstlerin sieht", so Köser-Rudolph.
Gudrun Irene Widmann starb im Alter von 91 Jahren in Reutlingen. Während ihrer 70-jährigen Schaffenszeit entstanden rund 500 Werke. Die Ausstellung in der Kreissparkasse geht noch bis zum 4. September.
![]() | Klar 24 / 25° C Luftfeuchte: 56% |
![]() | Klar 21 / 22° C Luftfeuchte: 62% |
![]() | Klar 22 / 24° C Luftfeuchte: 45% |