Vertrockneter Ast mit Rindenbrand | Bildquelle: RTF.1

Metzingen:

Schwache Ernten auch im Schwäbischen Streuobstparadies

Stand: 26.08.26 12:44 Uhr

Wir haben bereits berichtet: Die Ernten in der Region Neckar-Alb sind nach Hagel und Dürre dieses Jahr schwach ausgefallen. Und das betrifft nicht nur die traditionelle Landwirtschaft, auch Streuobstbäume tun sich mit dem Wetter schwer. Hier ist der Stand im Schwäbischen Streuobstparadies:


Die Serpentinen hoch bei Metzingen, oben auf dem Hang, liegt das Stückle von Katharina Ernst. Für die Streuobstpädagogin sind die Erträge eher ein Weg, Verluste zu reduzieren, als Gewinn zu machen. So geht es laut Ernst den meisten Streuobst-Anbauern in der Gegend. Doch die Bäume, für die das Schwäbische Streuobstparadies bekannt ist, liegen ihr am Herzen. Auch wenn Sie grade mehr Hilfe brauchen als üblich.

"Ich hab im letzten Herbst neue Jungbäume gepflanzt, einfach um den Erhalt zu stärken", berichtet Ernst. "Und die müssen jetzt halt irgendwie über die heiße Zeit gebracht werden. Das heißt, wir versuchen, alle zwei Wochen mit 40 Liter zu gießen. Leider nicht mehr hier vom regionalen Brunnen, weil der auch leer ist, sondern wir müssen es von daheim mitbringen."

Als wir sie besuchen, gießt sie eine Ermstaler Knorpelkirsche, die erst den Titel „Baum des Jahres" gewonnen hat. Die Jungbäume sind Teil eines Projekts des Landkreises. Besitzer von Streuobstwiesen erhalten gegen eine Schutzgebühr junge Bäume lokaler Arten, um ihre Stückle zu erhalten. Doch das Wetter war alles andere als freundlich zu dem frisch gepflanzten Nachwuchs.

Ernst fasst die Wetterereignisse des Jahres zusammen: "Wir haben angefangen mit sehr starken Eisheiligen, die grade bei den Kirschen sehr reingekickt haben bei uns. Dann kam heißes Wetter, Hagel. Es hat sehr viel verhagelt und jetzt die ganze Zeit noch mehr Hitze und Trockenheit. Viel fällt runter und wächst gar nicht erst richtig. Also die Ernte wird sehr klein."

Auch wenn die Erträge für Ernst nicht so wichtig sind, nutzt sie ihr Land normalerweise für pädagogische Zwecke. Sie lässt Schüler bei der Ernte helfen und vermittelt so das Bewusstsein für das Ökosystem Streuobstwiese. Dieses Jahr gibt es dafür einfach nicht genug Ertrag. Das wäre auch gar nicht so schlimm, wären solche Jahre nicht inzwischen der Trend.

"Wir haben grade bei den alten Bäumen, die durch das Alter schon geschwächt sind und den Hitzestress haben, vermehrt den schwarzen Rindenbrand", erklärt sie. Der Rindenbrand ist ein Zeichen, dass die aktuelle Krise über die Dürre diesen Jahres hinausgeht, er befällt die Bäume hier schon seit einer Weile.

"Das heißt, die Äste sterben ab. Der ganze Baum stirbt zum Teil ab. Und das viel früher als eigentlich gedacht. Wir müssen halt echt gucken, dass wir jetzt nachpflanzen und stabile Sorten holen, die damit einigermaßen umgehen können."

Besonders regionale Obstbaumarten, stärker als andere an die spezifischen Bedingungen der Alb angepasst, sind aktuell beliebt. Doch mit konstant steigenden jährlichen Durchschnittstemperaturen tun auch sie sich schwer. Selbst Herbstzeitlose, die ihrem Namen entsprechend sonst erst im September Blüten öffnen, sind schon Mitte August überall. Ein Zeichen, dass sich die Bedingungen auf der Alb merkbar verändert haben.

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