Oberbürgermeister Keck im Bagger | Bildquelle: RTF.1

Reutlingen:

Baggerbiss und Baubeginn auf dem Marktplatz

Stand: 30.04.26 16:59 Uhr

Mit einem feierlichen Baggerbiss haben am Mittwoch die Bauarbeiten zum Austausch der Fernwärmeleitungen am Reutlinger Marktplatz begonnen. Schon länger ist bekannt, dass die gut 70 Jahre alten Leitungen das Ende ihrer Laufzeit erreicht haben und ersetzt werden müssen. Das heißt aber nicht, dass es keine Kontroverse um den Baubeginn gab.


Wie es sich für den Baggerbiss gehört, durfte Reutlinger Oberbürgermeister Thomas Keck zum Start der Bauarbeiten auf dem Marktplatz selbst den Löffel in die Erde treiben. Dass die Leitungen ersetzt werden müssen, ist auch schon länger bekannt. Jetzt geht es wirklich los.

"Die ganze Maßnahme ist eigentlich schon sehr lange in Planung", erklärt Thorsten Jansing, Geschäftsführer von FairNetz GmbH. "Konkret wurde die Planung jetzt aber nochmal intensiviert, nachdem wir im Dezember einen Schaden an einer Fernwärmeleitung im Bereich des Marktplatzes hatten und da sich nochmal der konkrete Handlungsbedarf aufgezeigt hat."

Die Baustelle sei effektiv unvermeidbar gewesen. Doch trotzdem habe der Oberbürgermeister die Entscheidung nicht auf die leichte Schulter genommen.

"Es ist ein Rieseneingriff", meint er. "Man braucht nicht meinen, da macht man auf und nimmt die Leitung raus, Neue rein und zu. Sondern es geht tief runter. 1,50 m im Schnitt. Es ist also richtig schwerer Tiefbau und auch schwierig. Natürlich sind hier die Anwohner und Geschäfte und die Gastronomie sehr beeinträchtigt. Und auch der Wochenmarkt."

Der Wochenmarkt musste für die Dauer der Baustelle verlegt werden. Vom Marktplatz in der Altstadt wurde er auf den Platz vor der Stadthalle verschoben. Immernoch innerstädtisch, doch etwas abgelegener. Marktmeister Franz Kuhn konnte nach dem ersten Markt am Dienstag im Bürgerpark bereits eine erste Bilanz ziehen.

"Dienstag bisschen weniger als oben", so der Marktmeister. "Aber jetzt sag ich, mit der Notorik von der Baustelle wird sich das wieder einpendeln. Ganz klar."

Doch trotz des anständigen Geschäfts kamen in den letzten Tagen Stimmen von Händlern in den Medien auf, die sich bei der Planung übergangen fühlten. Keck sei davon komplett überrumpelt worden.

"Das hat mich auch sehr verstimmt", gesteht er. "Das muss ich sagen. Ich hatte ein Treffen mit den Marktbeschickern, und da hat man das alles besprochen und es war okay. Also im Vorfeld schon. Und das war jetzt erst wenige Tage her. Und dann kommt eine völlig andere Aussage gegenüber den Medien. Das finde ich nicht in Ordnung. Und so geht man nicht miteinander um."

Kerngrund für die Kontroverse sei ein Gefühl, dass die Stadt die Gastronomie dem Wochenmarkt bevorzugen würde. Am Samstag soll nämlich nicht gebaut werden, was besonders für Betriebe vor Ort von Vorteil sei. Das habe aber wenig mit der Gastronomie zu tun, so Keck:

"Ausschlaggebend war die Erkenntnis bei den Planern, dass es viel zu gefährlich ist bei den großen Menschenmengen, die sich Samstags in der Reutlinger Innenstadt bewegen, dann noch Baumaschinen fahren zu lassen. Da wäre der Unfall vorprogrammiert, die Unfallgefahr sehr hoch. Das kann niemand verantworten."

Zum Ausgleich sei die Arbeitszeit an den fünf Arbeitstagen auf 10 Stunden verlängert worden, das legale Limit. Alles, damit der Bau möglichst schnell abgeschlossen ist. Feinheiten, die manchen der Händler nicht klar waren. Doch auch der Marktmeister zeigt an der Kritik gegenüber Keck nur begrenzt Verständnis.

"Irgendwo hat man immer irgendwelche Leute dabei, die dann irgendwo querschießen. Obwohl alle eingeladen wurden, vom OB persönlich eingeladen, Donnerstag letzte Woche, dass man sich nochmal trifft und alle Fragen erläutert."

Der Bau soll zwei Bauabschnitte umfassen, unterbrochen vom Stadtfest im Sommer. Bis Ende September sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Einige Monate Beeinträchtigung also für Markt, lokale Händler, Gastronomie und Anwohner. Doch das sei am Ende eben unvermeidbar.

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