Cem Özdemir, B90/Grüne | Bildquelle: RTF.1

Bad Urach:

"Nahezu geräuschlos"- Grünen-Vorsitzender Özdemir lässt sich Bad Uracher Flüchtlingsmodell erklären

Stand: 30.07.15 18:30 Uhr

Der Bundesvorsitzende der Grünen, Cem Özdemir, hat Bad Urach besucht, um sich dort ein Bild über die Lage und Erfahrungen der freiwilligen Helfer vor Ort zu machen, die ehrenamtlich das Ihre Tun, um Menschen in der Not geräuschlos zu helfen .


Der grüne Bundesvorsitzende auf dem Weg ins Bad Uracher Rathaus. Für den hier aus im Landkreis Reutlingen, stammenden Özdemir alles anderes als unbekanntes Terrain. Neu aber durchaus ist das diesmalige Thema. Denn der Bundespolitiker wollte sich angesichts der kommunalen Herausforderungen durch die Flüchtlingswelle ein Bild von den Problemen und Nöten derer machen, die von den Entscheidungen der großen Politik in der ihrer täglichen und oft ehrenamtlichen Arbeit mit hilfesuchenden Flüchtlingen ganz konkret betroffen sind.

Und hier taugt Urach als Vorbild: Seit 3 Jahren schon - viel früher als anderswo,und nahezu geräuschlos ablaufend- unterstützt die Stadt ihren Landkreis beim Thema Flüchtlinge: 34 Erstankömmlinge, 29 im Anschluss und 12 weitere anerkannte sind hier bereits untergebracht. 20 weitere werden demnächst nach Bad Urach kommen. Unverzichtbar hierbei:der ehrenamtliche Arbeitskreis mit seinem Asyl-Cafe.0)

Ganz bewusst dezentral -so Bürgermeister Elmar Rebmann – verteile die Stadt die Flüchtlinge und setze auf die Hilfe der Ehrenamtlichen. Ein Modell an dem der grüne Bundesvorsitzende sichtlich gefallen finde. Es mache "schon einen Unterschied, ob man sich jetzt vor allem aufs Jammern beschränkt oder die Ärmel hochkrempelt und ob man versucht, Lösungen zu finden". Er kenne "auch andere Beispiele, wos anders läuft". iDementsprechend seien dann eben auch die Reaktionen in der öffentlichkeit. Anderswo vergrößerten hingegen die Spitzen in den Rathäusern durch Klagen und Reden bestehende Probleme.

Özdemir räumt aber auch politische Fehler ein. Bekannt ist: 2/3 aller Ankommende haben keine Asylperspektive. Asylverfahren müssten viel schneller, in 3 Monaten, über die Bühne. Man dürfe Städte und Gemeinden "nicht ewig im Stadium der Ungewissheit" leben lassen.

Generell aber habe in der Politik ein Kurswechsel stattgefunden. Diese habe viel zu lange durchsichtig auf Abschreckung, Arbeitsverboten und Repressionen gesetzt. Wer den Weg aus Syrien übers Meer und durch die Wüsten nach Europa nehme, den schreckten solche Maßnahmen nicht.

Deutschland müsse sich im Falle der Flüchtlinge vor Krieg und Verfolgung deshalb auf deren Bleiben einstellen; und jetzt mit entsprechenden Förderprogrammen alles dafür tun, dass diese - so schnell wie möglich – in der heimischen Wirtschaft und Gesellschaft Fuß fassten. Bei der Finanzierung all dessen und der Entlastung "ganz unten", vor Ort, sei deshalb der Bund am Zug.

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