Torsten Müller (Stadtentwässerung Reutlingen) | Bildquelle: RTF.1

Reutlingen:

Wie sich die Stadtentwässerung an den Klimawandel anpassen will

Stand: 12.08.22 17:35 Uhr

Der Klimawandel kommt nicht nur, er ist bereits in vollem Gange. Dass mit der Erderhitzung auch die Anzahl der Extremwetterereignisse zunimmt, ist bekannt. Auf der einen Seite eine lang anhaltende Dürre wie dieses Jahr, auf der anderen Seite massive Starkregenereignisse wie am 28. Juni des vergangenen Jahres. Die Stadtentwässerung Reutlingen hatte dieses Unwetter als eine Zäsur erlebt und ihre Bemühungen in Sachen Klimavorsorge und Klimafolgenanpassung verstärkt. Mit zahlreichen Maßnahmen will man sich an die anstehenden Veränderungen so weit wie möglich anpassen.


Der 28. Juni 2021. Ein Unwetter über Reutlingen. Starkregen sorgte für überflutete Straßen und vollgelaufene Keller. Zwar hatte es schon vorher immer wieder Unwetter gegeben, doch die Auswirkungen waren eher punktuell gewesen. Erstmals hatte es das ganze Stadtgebiet erwischt. Viel Arbeit nicht nur für die Feuerwehr, sondern auch für die Stadtentwässerung.

"Bedingt durch den Klimawandel haben wir immer in kürzeren Abschnitten stärkere Niederschlagsereignisse, also sogenannte Starkregen", sagte Arno Valin, Betriebsleiter der Stadtentwässerung. "Und darauf versuchen wir uns bei der Stadtentwässerung Reutlingen einzustellen, und die sogenannte Klimaanpassung bei unseren Anlagen, bei unseren Strategien und Planungen dann auch rechtzeitig in die Wege zu leiten."

Verhindern lassen sich solche Starkregenereignisse nicht. Aber die Folgen können abgemildert werden. Zum Beispiel durch ein Warnsystem. Ein solches schafft die Stadtentwässerung gerade, indem sie die Bäche und Flüsse im Stadtgebiet beobachtet – auch mit elektronischen Sensoren. "Wir versuchen, die Abflüsse darzustellen in einer Vielzahl von Proben, also von der Quelle bis zur Mündung, um zu sehen, wie denn dieses Einzugsgebiet reagiert und wo es reagiert", sagte Torsten Müller, Fachgebietsleiter Gewässer und Hochwasserschutz. "Dann setzen wir Warnschwellen dahinter, die uns aufmerksam machen, um dann im Blaulichtteil, also in der Feuerwehr Maßnahmen auszulösen."

Doch der Schutz vor Starkregen umfasst noch viele weitere Maßnahmen. Gerade in Neubaugebieten wird der Hochwasserschutz gleich in der Planung mitgedacht. Es entstehen integrierte Regenwasserkonzepte. "Bei einem Neubaugebiet ermitteln wir immer zuerst die Gefahr", sagte Müller. "Also, man will wissen, wie dieses Gebiet, bevor es bebaut ist, aussieht, wie man dann die Bebauung drauf setzt, was dann dort passiert, und am Schluss kommt dann eine wassersensible Stadt quasi heraus oder Baugebiet heraus."

Aber nicht nur die Stadt ist für den Schutz vor Starkregen verantwortlich. Auch jeder Haus- und Wohnungsbesitzer kann etwas dagegen tun, dass seine Räumlichkeiten überflutet werden. "Jeder einzelne sollte sich seiner Gefahr bewusst werden, sollte mal sein Haus analysieren", sagte Müller. "Wo kann Wasser hineinlaufen? Wo sind Lichtschächte, Bodentiefen in der Gartenoberfläche oder auch Kellerabgänge? Und die sollten erhöht werden, dass da Wasser nicht direkt eindringen kann." Genaueres dazu gibt es auf der Homepage der Stadtentwässerung Reutlingen.

Doch neben der Klimafolgenanpassung betreibt die Stadtentwässerung auch Klimaschutz. Das Ziel: Bis 2040 klimaneutral zu sein. Das soll nicht nur durch Energie sparen und Photovoltaik erreicht werden sondern auch durch die Nutzung des Klärgases. Yannick Arcelin, Leiter der Stabsstelle Energie & Klima: "Das Klärgas nutzen wir in Blockheizkraftwerken, wo wir dann Strom und Wärme gleichzeitig erzeugen und diese Wärme und den Strom direkt in unseren Anlagen direkt vor Ort nutzen können."

So stellen Klimavorsorge, Klimafolgenanpassung und Klimaschutz die Stadtentwässerung vor neue Aufgaben, die weit über den ursprünglichen Kernbereich rund um Kläranlagen und Kanäle hinausgehen.

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