Günther-Martin Pauli | Bildquelle: RTF.1

Zollernalbkreis:

Zentralklinikum und Zollernalb-Kaserne - Jahresrückblick und Ausblick mit Landrat Pauli

Stand: 09.01.22 22:23 Uhr

Es wird ernst in Sachen Zentralklinikum im Zollernalbkreis. Dieses soll auf der grünen Wiese zwischen Albstadt und Balingen entstehen. Neben der medizinischen Versorgung, die gerade an den beiden bisherigen Standorten Albstadt und Balingen angeboten wird, soll zusätzlich eine Kinder- und Jugendstation entstehen. Im vergangenen Jahr machte eine andere Einrichtung von sich reden: Die ehemalige Zollernalb-Kaserne in Meßstetten. Erst wurde sie zum Kreisimpfzentrum, dann gab es Pläne, die Landeserstaufnahmestelle, kurz LEA wieder zu reaktivieren, mittlerweile wird dort wieder geimpft. Das sind nur zwei Themen in unserem Jahresrückblick und Ausblick mit dem Landrat des Zollernalbkreises Günther-Martin Pauli.


Geplantes Zentralklinikum

Derzeit gibt es zwei Kreiskliniken im Zollernalbkreis: eine in Balingen und eine in Albstadt. Das soll sich ändern. In Zukunft soll es nur noch ein einziges Zentralklinikum geben. Es soll an der B 460 entstehen,  direkt an der Stadtgrenze zwischen den beiden größten Städten Albstadt und Balingen. Das ist nichts neues, aber jetzt wird das Thema konkreter. Derzeit sei man in Gesprächen mit dem Sozialministerium darüber, welchen Finanzrahmen man hierzu in die Hand nehmen müsse und wie stark das Land dieses Vorhaben unterstützen könne. Diese Gespräche verlaufen laut Landrat Pauli sehr gut. Parallel dazu wolle man die Bürgerschaft mitnehmen.

400 Millionen Euro wird der Neubau des Klinikums kosten. Dieses Jahr soll es mit den konkreten Planungen losgehen. Für Landrat Pauli eines der wichtigsten Themen im gerade begonnenen Jahr.

LEA: Jetzt Impfzentrum, und bald wieder Aufnahmestelle für Geflüchtete?

Das vergangene Jahr dagegen hat wie überall ein Thema überschattet: Corona. Die ehemalige Zollernalbkaserne, vor wenigen Jahren noch Landeserstaufnahme für Geflüchtete, wurde zum Kreisimpfzentrum. "Nachdem die Kolleginnen und Kollegen dann mit voller Motivation gestartet sind, alles bestens organisiert, mangelte es zunächst mal an Impfstoff", so Pauli. Im Sommer gab es dann mehr, aber dann blieben die Impflinge aus.

Die Impfkampagne geriet ins Stocken, und dann, Ende September, war es ganz aus. Alle Impfzentren im Land mussten schließen, auch das in Meßstetten. Stattdessen gab es im Land jetzt wieder Pläne, die Landeserstaufnahme zu reaktivieren. Bei der Stadt Meßstetten und dem Zollernalbkreis stieß das auf Unverständnis: "Das ist der einzige Truppenübungsplatz der Bundeswehr in Süddeutschland und wird dementsprechend intensiv genutzt, Tag und Nacht. Und umso wichtiger ist es, dass wir uns immer wieder vor Augen halten: dieser Platz ist ungeeignet für Erholungsbereiche oder für Menschen, die aus Kriegsgebieten kommen", kritisert Pauli die Pläne.

Doch inzwischen wird in der ehemaligen Zollernalb-Kaserne wieder geimpft. Pläne, hier eine Lea einzurichten, sind damit vorerst vom Tisch.

Pauli kritisiert Impfausweisfälscher

Im Zollernalbklinikum war die Lage wegen Corona gerade gegen Jahresende hin kritisch: Es mussten laut Pauli immer wieder schwerstkranke Patienten in andere Kliniken verlegt werden. Das war für die betroffenen Personen sowie für die Mitarbeiter ein großer Akt.

Und gerade in dieser Zeit meldeten Apotheken, aber auch Privatpersonen dem Landratsamt gefälschte Impfausweise. Für Landrat Pauli eine untragbare Situation. "Wenn man die Lage in Kliniken und auf Intensivstationen, und die Arbeit, die dort geleistet wird, vor Augen hat, und dann sieht, dass manche da eher einen Spaß daraus machen und glauben, sie können hier irgendwie kreativ kriminell sein, das halte ich schon für sehr grenzwertig, und das ist sehr unanständig, und wenn es nach mir ginge, würde ich drakonische Strafen verhängen."

Schuldenaufnahme wegen Investitionen

Finanziell geht es dem Landkreis verhältnismäßig gut. Der Zollernalbkreis hat eine Pro-Kopf-Verschuldung, die nur halb so groß ist wie der Durchschnitt in Baden-Württemberg. Aber jetzt wird nicht mehr gespart, sondern investiert. Allein in die beruflichen Schulen fließen 30 Millionen Euro. Ansonsten nimmt der Kreis nach vielen Jahren zum ersten Mal wieder neue Schulden auf, aber es seien Investitionen in die Zukunft, betont Pauli.

Immerhin, so Pauli, habe der Zollernalbkreis kaum natürliche Rohstoffe. Deshalb müsse in die Bildung investiert werden. Vor allem in Zeiten von Fachkräftemangel dürfe man da nicht knausern.

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